Marokkanische Regierung plant Steuer- u. Gebührenerhöhungen.

Mehrwertsteuer auf Treibstoffe steigt.

Steuer- u. Gebührenerhöhungen
Minister für Wirtschaft und Finanzen, Mohammed Boussaid, legt dem Parlament den Haushaltsentwurf 2018 vor.

Regierung legt am kommenden Dienstag ihren Haushaltsentwurf 2018 dem Parlament vor.

Rabat – Am kommenden Dienstag treten beide Parlamentskammern Marokkos zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Hauptpunkt auf der Tagesordnung ist die Debatte über den Haushaltsentwurf 2018 der Regierung. Die Regierung von Premierminister Saad-Eddine El Othmani stellt sich erstmalig den Beratungen über das Gesamtbudget der Zentralregierung. Offenbar plant die Regierung El Othmani ab kommenden Jahr  Steuer- u. Gebührenerhöhungen. Wie nach der Sitzung des Regierungsrates am letzten Donnerstag in Rabat durchgesickert ist, werden die Mehrwertsteuer, die Passgebühr und die Einfuhrzölle auf Importgüter, laut der Tageszeitung Al Ahdath Al Maghribia, angepasst. Der Haushaltsentwurf 2018 wird vom Minister für Wirtschaft und Finanzen, Mohammed Boussaid, gemäß Artikel 68 der Verfassung vorgelegt.

Mehrwertsteuer auf Treibstoffe steigt.

Die wohl schwerwiegendste Anpassung stellt die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Treibstoffe da. Hier soll der Steuersatz von aktuell 10% auf 14% steigen. Für die Fahrer von PKWs bedeutet dies, dass Diesel sich um ca. 0,35 marokkanische Dirham (MDH) und der Benzin um 0,45 marokkanische Dirham (MDH) verteuern werden, berechnet auf Basis der aktuellen Preisen an den Tankstellen. Diese Erhöhung betrifft alle Menschen in Marokko. Gerade der Treibstoff wirkt sich auf alle Preise im Land aus, da nicht nur Personen befördert werden, sondern auch Güter und Rohstoffe. Entsprechend wird es wahrscheinlich infolge dessen zu Preissteigerungen in zahlreichen Bereichen kommen. Gerade die Menschen mit geringem Einkommen werden dies besonders spüren. Entsprechend hat die Diskussion um diesen Posten des Haushaltsentwurfes, nach Angaben von Le360.ma, bereits begonnen. Die wohl anstehende Anpassung der Mehrwertsteuer ist aber auch aus politischer Sicht überraschend. Im Wahlkampf haben zahlreiche Politiker dafür plädiert ein einfaches System bei der Mehrwertsteuer anzuwenden. Gewünscht war eigentlich, dass es nur noch zwei Mehrwertsteuersätzen geben sollte, nämlich 10% und 20%. Ein Steuersatz von 14% passt da nicht recht ins Bild. Die Regierung El Othmani wird sich daher die Kritik gefallen lassen müssen, lediglich Finanzlöcher im Haushalt stopfen zu wollen. Eine Steuerreform scheint damit nicht eingeleitet worden zu sein. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass dies ein erster Schritt sein wird, um letztendlich den Steuersatz auf Treibstoffe bis auf 20% anzuheben.

Anhebung der Gebühren für Reisedokumente.

Der Haushaltsentwurf sieht neben der Anhebung der Mehrwertsteuer auf Treibstoffe auch die Anhebung von Gebühren bei der Ausstellung von Reisedokumenten vor. Zukünftig wird man für einen Reisepass nicht mehr ca. 300 marokkanische Dirhams (MDH) bezahlen müssen, sondern ca. 500 marokkanische Dirhams (MDH). Für Dokumente, die bei Botschaften und Konsulaten im Ausland erstellt wurden, galten bisher schon deutlich höhere Gebühren. Diese lagen meist mehr als doppelt so hoch wie in Marokko selbst. Noch ist Unklar, ob die marokkanische Regierung auch diese Gebühren anhebt. Es ist aber davon auszugehen, dass auch für die MREs die Gebühren steigen werden.

Anhebung von Einfuhrzöllen und Abschaffung von Steuerprivilegien.

Die Regierung El Othmani schottet den marokkanischen Markt gegen Importe aus Ländern weiter ab, die kein Handelsabkommen mit Marokko haben. Die Steuersätze, die derzeit zwischen 17,5% und 25% liegen, steigen ab 2018 auf 25% bis 30%. Gleichzeitig streicht die Regierung die Zollbefreiung für z.B. Butter. Butter war in den letzten sechs Jahre von Zöllen befreit. Das wird sich im kommenden Jahr ändern. Dann fallen Zölle in Höhe von 2,5% an. Auch hier werden die Bürger die Anhebungen spüren.