Prognosen zum Wirtschaftswachstum in Marokko liegen vor.

Abweichungen der einzelnen Prognosen nicht sehr groß.

Prognosen
Prognosen zum Wirtschaftswachstum in Marokko für 2018

Institute und Regierung veröffentlichen ihre Schätzungen für 2018.

Rabat – Seit Anfang der Woche liegen nun alle Prognosen, für das zu erwartende Wirtschaftswachstum im Jahr 2018, für Marokko vor. Die Zentralregierung in Rabat geht von einem Wachstum von ca. 3,2% aus. Der Regierungschef Saâd-Eddine El Othmani erwartet im kommenden Jahr, dass der allgemein positive Trend der letzten Jahre beibehalten werden kann. Auch wenn das Wirtschaftswachstum unter dem des aktuellen Jahres liegen wird, so bleibt die Wachstumsdynamik im „nichtlandwirtschaftlichen“ Bereich auf dem Niveau von 3,6% im Plus. Nach Einschätzung der Zentralregierung zeigt sich im kommenden Jahr, dass die eingeleiteten Strukturreformen und Investitionen wirken. Infolge des erwarteten Wirtschaftswachstums geht die Regierung davon aus, dass man das Haushaltsdefizit auf 3% senken kann und auch die Staatsverschuldung bei ca. 60% liegen wird (Die Schulden der Zentralregierung liegen aktuell bei 64%, Gesamtschulden aller öffentlichen bzw. öffentlich-rechtlichen Träge liegt bei über 81% der BIP – maghreb-post berichtete).

Hohe Planungskommission ist pessimistischer als die Regierung.

Die Hohe Planungskommission (HCP) erwartet für 2018 eine Wachstumsrate von 2,9%. Damit liegt die Schätzung unter der der Regierung und ist daher pessimistischer. Insbesondere für den Primärsektor der marokkanischen Wirtschaft, der Landwirtschaft, geht man nur noch von einem gerade durchschnittlichen Erntejahr aus. Das laufende Erntejahr 2016/2017 ist eher ein überdurchschnittliches Erntejahr. Hier geht man für 2017/2018 von einem kleinen Plus von 1,1% aus (2016/2017 war es ein Plus von 15,1%). Die HCP geht von einer Stagnation bei den Steuereinnahmen für den Staat aus und erwartet ein Außenhandelsdefizit von 18,9%. Für den „nichtlandwirtschaftlichen“ Wirtschaftssektor geht man von einen Wachstum in Höhe von 2,9% aus bei einer Inflationsrate von ca. 1,6%. Insgesamt ist man also bei der HCP etwas vorsichtiger beim Blick in die Zukunft.

Marokkanische Zentralbank Bank Al Maghrib sieht positive Effekte bei den Staatseinnahmen.

Die marokkanische Zentralbank ist etwas optimistischer als die Hohe Kommission für Planung (HCP) aber pessimistischer als die Zentralregierung. Die Prognose der Bank Al-Maghrib (BAM) bzgl. des Wirtschaftswachstums 2018 liegt bei 3,1%. Die Finanzexperten gehen davon aus, dass sich der „nichtlandwirtschaftliche“ Sektor positiv entwickeln wird. Im kommenden Jahr soll das Wachstum im Sekundärsektor bei 3,5% liegen (2017 voraussichtlich bei 2,9%). Allerdings glaubt man, dass die Landwirtschaft sogar einen Verlust von ca. 1% verkraften muss. Was die öffentlichen Finanzen betrifft, so wird für 2018 mit einer Verbesserung des Haushaltsdefizits auf 3,2 % gerechnet.

Marokkanisches Institut für Konjunkturforschung ist optimistisch, unter Vorbehalt.

Als letzte der marokkanischen Institutionen hat auch das marokkanische Institut für Konjunkturforschung (CMC) seine Einschätzung vorgestellt. Insgesamt geht man von einem Wirtschaftswachstum im Königreich von ca. 3,7% für das kommende Jahr aus. Dieses kann aber nur erreicht werden, wenn der Primärsektor keine Einbrüche erlebt und sich die übrigen Wirtschaftsbereiche stärker positiv entwickeln. Sollte es bei der Landwirtschaft signifikante Einbußen geben, dann werden, aus Sichert der CMC, die übrigen Sektoren nicht in der Lage sein die Verluste zu kompensieren. Die große Abhängigkeit der marokkanischen Wirtschaft von der Landwirtschaft macht es für Marokko noch immer schwierig, eine stabile und sich selbst tragende wirtschaftliche Dynamik zu erzeugen. Entsprechend bezeichnet die CMC das gesamte Wirtschaftswachstum als „fragil“.

Weltbank und IWF sehen Marokkos Wirtschaft in Abhängigkeit zur Eurozone. Prognosen liegen nahe beieinander.

Auf der internationalen Eben haben die Weltbank (WB) und der Internationale Währungsfond (IWF) ebenfalls ihre Einschätzungen veröffentlicht. Die Weltbank geht davon aus, dass die marokkanische Wirtschaft um ca. 3,1% wachsen wird. Für den Primärsektor geht man von einem Plus in Höhe von 3% aus. Da man die Bedeutung der Landwirtschaft sehr hoch einschätzt, ist die Entwicklung bei der Ernte auch ausschlaggeben für die Gesamtentwicklung. Einfluss auf die marokkanische Wirtschaft wird auch die Entwicklung in der Eurozone haben. Die Weltbank sieht die wirtschaftlichen Aussichten für das Euro-Gebiet nicht sehr optimistisch, und die Gefahr einer Verschlechterung der geopolitischen Lage in der Region könne die Konjunktur im Königreich bremsen.

Der IWF ist da ähnlicher Meinung und liegt bei seinem Prognosewert bei 3%. Erst in seinem Halbjahresbericht hat der IWF seine Prognose für 2018 nach untern korrigiert.

Abweichungen der einzelnen Prognosen nicht sehr groß.

Die Prognosen weichen voneinander ab, weil jedes Institut seine eigenen Berechnungsmodelle hat und unterschiedliche mathematische Verfahren zur Anwendung kommen. Auch bei der Risikoeinschätzung kann es zu Abweichungen kommen. Dennoch fällt auf, dass die relevanten Institute und Institutionen recht nahe beieinander liegen. Ebenfalls deutlich wird erneut, die Abhängigkeit Marokkos von der Landwirtschaft. Diese Abhängigkeit ist risikobehaftet, weil Marokko vom Klimawandel bereits sichtbar betroffen ist und es in einzelnen Regionen regelrecht zu Wasserkrisen gekommen ist – maghreb-post berichtete. Die Landwirtschaft ist aber der größte Verbraucher der Wasservorkommen im Land. Wenn Marokko sicher und stetig wachsen möchte, muss weiter an den anderen Wirtschaftssektoren gearbeitet werden. Die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Jahre wird davon abhängen, dass es dem Königreich gelingt neben der Landwirtschaft weitere relevante Standbeine aufzubauen.