Marokkos Außenhandelsdefizit steigt um 5 Mrd. MDH.

Ebenfalls Anstieg der Exporte , aber deutlich geringer als die Importe.

Außenhandelsdefizit
Marokkos Importe steigen schneller als die Exporte.

Ende August verzeichnete Marokko ein Außenhandelsdefizit von 127,2 Mrd. MDH.

Casablanca – Marokkos Außenhandelsdefizit ist im ersten Halbjahr 2017 nochmals angestiegen. Das Außenhandelsdefizit betrug 127,2 Milliarden marokkanische Dirham (MDH) ca. 11,38 Milliarden Euro. Damit liegt es um fünf Milliarden MDH höher, als im gleichen Zeitraum des Jahres 2016.

Nach den jüngsten Daten des Amtes für Devisenhandel betrug der Anstieg des Außenhandelsdefizits damit ca. 4%.

Außenhandelsdefizit ist eine Belastung für die Devisenreserven.

Dieser Anstieg ist hauptsächlich auf den deutlichen Anstieg der Importe zurückzuführen. Marokko importiert mehr Waren und Dienstleistungen, als es exportieren kann. Für das Jahr 2017 wird ein Anstieg der Importe um 5,5% erwartet. Das wären Mehrausgaben für ausländische Produkte in Höhe von 14,8 Milliarden MDH. Nach Angaben des Finanzministeriums ist ursächlich für das wachsende Defizit der Anstieg bei den Energieträgern. Darunter vor allem Treibstoffe und Erdgas, aber auch Kohle. Alleine die Ausgaben für Energieträger werden um 10 Milliarden MDH steigen. Damit fallen 70% des Wachstums des Außenhandelsdefizits auf diese Importgüter. Weitere Treiber des Defizits sind allgemeine Konsumgüter (ca. +2,3 Milliarden MDH), sonstige Rohstoffe (+1,7 Milliarden MDH) und Halbfabrikate bzw. Vorprodukte (+0,9 Milliarden MDH).

Ebenfalls Anstieg der Exporte , aber deutlich geringer als die Importe.

Marokko hat nicht nur mehr importiert, sondern konnte auch mehr exportieren. Diese erfreuliche Tatsache hilft dem Königreich nur bedingt. Der Anstieg bei den Exporten konnte den Anstieg bei den Importen nicht ausgleichen. Dies bedeutet, dass das Außenhandelsdefizit in Summe steigt.

Die Exporte stiegen um ca. 9,9 Milliarden MDH. Daraus ergibt sich die Differenz von fünf Milliarden MDH, um die das Defizit angestiegen ist. Marokko konnte vor allem bei Produkten aus der Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie (+2,8 Milliarden MDH), beim Rohstoff Phosphat und seinen Derivate (+2,2 Milliarden MDH) sowie bei Textilien und Lederprodukten (+1,1 Milliarden MDH) mehr exportieren. Diese drei Sektoren machten 60,9% des gesamten Exportwachstums aus.

Außenhandelsdefizit setzt Devisenreserven weiter unter Druck.

In der Regel muss Marokko seine Importgüter durch Devisen bezahlen. Dort wo Produkte nicht durch Rohstoffe oder Dienstleistungen ausgeglichen werden können, muss in harter Währung bezahlt werden. Ein Anstieg des Außenhandelsdefizits bedeutet damit auch ein Anstieg der Devisenabflüsse. Die Devisen müssen letztendlich beschafft werden. Eine wichtige Quelle sind Kredite bei den Lieferanten in Fremdwährung. Die Auslandsschulden des Königreichs steigen damit langfristig. Eine weitere Quelle für Devisen sind die im Ausland lebenden Marokkaner. Durch ihren stetigen Finanztransfer aus dem Ausland stellen sie eine wichtige Beschaffungsquelle für Devisen da – maghreb-post berichtete. Als letzte wichtige Gruppe sind die Touristen zu nennen. Auch sie sind wichtige Devisenquellen. Langfristig muss Marokko es schaffen mindestens eine ausgeglichene Außenhandelsbilanz zu erreichen. Im Idealfall wird ein Überschuss erzielt, der dazu führen würde, dass die Devisenreserven steigen und Schulden abgebaut werden können. Das setzt voraus, dass es dem Königreich gelingt Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die im Ausland gefragt sind, weil sie wettbewerbsfähig sind. Genau an dieser Stelle hat erst vor kurzem die „Hohe Kommission für Planung“ bei ihrer Wachstumsprognose für 2018, deutliche Warnungen ausgesprochen – maghreb-post berichtete.