Wechselkurs – Marokkanische Banken erzielten 1.6 Mrd. US-Dollar Gewinn.

Börse in Casablanca am Vorabend der Wechselkursfreigabe kurz vor der Panik.

Banken
Gewinne aus Währungsspekulationen zu Lasten der Devisenreserven

Marokkanische Banken machten Gewinne mit der Angst vor der Freigabe des Wechselkurses des Dirhams.

London/Honkong – Immer mehr Details werden bekannt, über das was sich im Sommer, rund um die geplante Freigabe des Wechselkurses der marokkanischen Währung, abgespielt hat. Wie Maghreb-Post mehrfach berichtete, plante die marokkanische Regierung und die marokkanische Zentralbank, zum 1. Juli 2017, den Wechselkurs der Landeswährung Dirham zu liberalisieren. Wie der Premierminister in einem TV-Interview bestätigte, sollte der Wechselkurs innerhalb einer begrenzten Bandbreite von +/- 2,5% freigegeben werden. Doch daraus wurde nichts.
Wie nun eine Untersuchung der internationalen Rating-Agentur Fitch (FitchRatings) aufdeckte, begannen die marokkanischen Banken, Großunternehmen und Finanzdienstleister bereits Ende April darauf zu wetten, dass der Wert des marokkanischen Dirham fallen wird. Entsprechend wurden der Zentralbank für „Sicherungsgeschäfte“ Devisen abgezogen und damit der Dirham hinsichtlich seines Wertes unter Druck gesetzt. Somit beeinflussten die Finanzmärkte die Situation derart, dass ihre Wetten entsprechend aufgehen sollten.

Wechselkurs
Quelle: finanzen.net – Pro Euro müssen immer mehr Dirhams aufgewendet werden. Dirham verliert an Wert.

Börse in Casablanca am Vorabend der Wechselkursfreigabe kurz vor der Panik.

Noch am Vorabend der geplanten Wechselkursfreigabe erreichte die Spekulation gegen die eigene Landeswährung einen Höhepunkt. An der marokkanischen Börse wurde den Devisenhändlern zunehmen bewusst in welchem Ausmaß die Banken und Finanzinstitute spekulierten. Die Börse in Casablanca soll kurz vor einer Panik und damit vor einem Zusammenbruch gestanden haben. Der Ansturm auf die Devisenbestände soll ein unbekanntes Ausmaß erreicht haben. Die Finanzwirtschaft fürchtete, dass der Dirham nicht nur innerhalb der vorgegebenen Bandbreite an Wert verliert, sondern der Druck so groß wird, dass die Regierung nicht umher käme den Wert in kürzester Zeit nach unten anzupassen. Die Ereignisse in Ägypten aus dem November 2016 galten als Warnung. Ägypten hatte Ende 2016 ebenfalls den Wechselkurs freigegeben. Daraufhin verlor das ägyptische Pfund mehr als die Hälfte seines Wertes und damit seiner Kaufkraft. Marokkos Ministerrat, unter Vorsitz des marokkanischen Premierministers Saad-Eddine El Otmani, sagte die Freigabe am Vorabend und nach Börsenschluss ab. Offizielle Begründung war damals, dass man die Folgen einer Liberalisierung des Wechselkurses nochmals genauer untersuchen wolle. Tatsächlich hatten die Spekulationen an den Finanzmärkten aufgezeigt, dass das Vertrauen in die Landeswährung nicht ungetrübt war und dass die Devisenreserven bei der Zentralbank deutlich zurückgegangen waren. Die Zentralbank hatte kurz vorher einen radikalen Schritt eingeleitet. Es stoppte die Versorgung des inländischen Marktes mit Devisen und unterband damit alle weiteren Spekulationen. Ein bis dahin noch nie vorgekommener Akt des Markteingriffs.

Banken machten 1,6 Milliarden US-Dollar Gewinn mit Spekulationen gegen die eigene Währung.

Die marokkanischen Geschäftsbanken und Finanzinstitute sollen bei den Spekulationsgeschäften einen Gewinn von ca. 1,6 Milliarden US-Dollar bzw. 14,92 Milliarden marokkanische Dirham erzielt haben. Laut dem Bericht von Fitch stiegen die Fremdwährungsgeschäfte am Finanzmarkt um satte 56% alleine von Ende April bis Ende Juni 2017. Die Gewinne der Finanzbranche sind dabei fast vollständig zu Lasten der Zentralbank gegangen. Die sog. Netto-Währungsreserven Marokkos waren am 7. Juli um 14,3 Prozent auf US-Dollar-Basis geschrumpft. Damit sanken diese auf 20,9 Milliarden US-Dollar und damit auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren. Die aktuellen Devisenreserven des Königreiches decken die Importausgaben nun nur noch für fünf Monate. In der Regel sind es sechs bis sieben Monate.

Marokko erholt sich langsam aber stetig von den Folgen der Spekulationen.

Die marokkanische Zentralbank versucht nun ihre Devisenbestände wieder aufzustocken. Gerade die Sommermonate 2017 sind dabei hilfreich gewesen. Die gestiegenen Besucherzahlen durch Touristen und MREs spülten Devisen aus dem Euroraum und den USA ins Land. Bis Ende September sollen sich die Devisenreserven um 14 Milliarden marokkanischen Dirham erholt haben. Dennoch bleibt ein Schaden übrig. Neben der zeitlichen Verzögerung bezüglich der Liberalisierung des Wechselkurses, haben sich die Geschäftsbanken bereichert und das mangelnde Vertrauen in die eigene Landeswährung praktisch demonstriert und auch für die Zukunft suggeriert. Damit muss die marokkanische Zentralbank sich deutlich stärker mit Rücklagen ausstatten, wenn ein weiterer Versuch der Wechselkursfreigabe stattfinden soll. Das treibt die Kosten nach oben. Das es dazu kommen wird, davon ist auszugehen, da der IWF und die Weltbank dies zur Bedingung machen für weitere Kredite, auf die Marokko angewiesen ist. Die Ratingagentur Fitch sieht aber bereits jetzt die Notwendigkeit für Marokko die Schwankungsbreite für den Wechselkurs der Landeswährung zu vergrößern. Daher muss man davon ausgehen, dass man erneut von schwierigen Situationen am Finanzmarkt stehen wird. Ebenso ist davon auszugehen, dass der Dirham über die geplante Schwankungsbreite von +/- 2,5% pendeln wird. Wohl eher nach unten als nach oben.