Marokko – Ministerrat zum Gesundheitsnotstand abgesagt.

Minister haben noch keinen gemeinsamen Standpunkt.

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Regierungsrat
Quelle Premierminister - Regierungsrat in Zeit der Coronavirus - Pandemie als Videokonferenz.

Entscheidung über mögliche Verlängerung oder Lockerungen um 24 Stunden verschoben.

Rabat – Der für heute angesetzte Regierungsrat, unter Vorsitz von Premierminister Dr. Saad-Eddine El Othmani, soll nach Medienberichten abgesagt worden sein. Nach jetzigen Informationen soll der Rat sich am morgigen Dienstag zusammenfinden. Seit der Verhängung der Ausgangssperre am 20. März, als Teil der ergriffenen Maßnahmen im Kampf gegen die Coroanavirus SARS-COV 2 Pandemie, finden die Sitzungen als Videokonferenzen statt. Das war auch für heut so geplant.

Entscheidung über Verlängerung oder Lockerung des Gesundheitsnotstands um 24 Stunden verschoben.

Die marokkanischen Bürgerinnen und Bürger sowie alle noch im Königreich verbliebenen Touristen warteten mit großem Interesse auf die für heute vorgesehene Sitzung. Wichtigster Tagesordnungspunkt ist der Gesundheitsnotstand. Seit der letzten Verlängerung vor drei Wochen hofft das ganze Lands auf ein Ende oder zumindest wesentliche Lockerungen der Ausgangssperre und der zahlreichen Zwangsmaßnahmen gegen Betriebe und Geschäfte. Offiziell endet der Gesundheitsnotstand am kommenden Mittwoch, 10. Juni 2020 (Abends) bzw. dann für den 11. Juni 2020 (Tag).

Militär
Marokkanisches Militär sichert Ausgangssperre und öffentliche Ordnung ab.

Minister haben noch keinen gemeinsamen Standpunkt.

Offensichtlich scheint es innerhalb der Regierung und unter den Ministern noch keine gemeinsame Haltung zu geben. So plädieren die wirtschaftsnahen Minister für eine baldige und schrittweise Rückkehr zu wesentlichen volkswirtschaftlichen Aktivitäten. Darunter auch Aktivitäten im Tourismussektor. Der Tourismus leidet sehr unter den Schließungen der Grenzen und des Luftraums. Man befürchtet ein verlorenes Jahr, insbesondere da Tunesien bereits angekündigt hat, wieder Touristen ins Land zu lassen. Marokko könnte seine Gäste an das maghrebinische Land verlieren, wenn es keine Lockerungen der Einreisebestimmungen gibt. Der Minister für Finanzen- und Wirtschaft sowie der Industrieminister plädieren ebenfalls für eine schrittweise Rückkehr zur wirtschaftlichen Tätigkeit. Denen gegenüber stehen der Gesundheitsminister und der Premierminister, beides Mediziner, die die aktuelle Entwicklung der Pandemie für noch zu risikoreich bewerten. Nun will man sich weitere 24 Stunden Zeit nehmen, um zu einem gemeinsamen Standpunkt zu kommen.

Menschenleben vor Wirtschaft

Das nordafrikanische Land verfolgt seit dem Ausbruch der Coronavirus – Pandemie und der lebensbedrohlichen COVID-19 Erkrankung ein umfassendes Eindämmungsprogramm. Gleich zu Beginn der Seuchenbekämpfung legte der marokkanische König Mohammed VI. fest, dass Menschenleben Vorrang vor wirtschaftlichen Belangen haben müssen. Demnach könnte die Ministergruppe um den Premierminister und den Gesundheitsminister sich mit Rückenwind aus dem Palast durchsetzen, sofern der König ihrer Risikoeinschätzung zustimmt. Dann droht eine weitere Verlängerung des Gesundheitsnotstands, um mindestens zwei Wochen. Tatsächlich sind die Daten zur Pandemie zweideutig. Zum einen gibt es in den meisten Provinzen des Landes keine oder nur noch wenige Neuinfektionen mit SARS-COV 2. Zugleich stieg die Anzahl der Neuinfektionen ausgerechnet in den wirtschaftlichen Zentren des Landes in den letzten Tagen wieder an.

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