Tunesiens Wirtschaft wächst wieder stärker.

Wachstumsquote noch zu niedrig.

Tunesiens Wirtschaft
Tunesiens Wirtschaft soll wachsen- IWF und Weltbank geben Prognose ab.

Bericht der Weltbank und des IWF fällt für Tunesien positiv aus.

New York – In dieser Woche veröffentlichten die Weltbank (WB) und der Internationale Währungsfond (IFW) ihren Prognosebericht zur Weltwirtschaft. Für Tunesiens Wirtschaft geht man in New York im Bericht „Monitoring the Economic Situation (Oktober 2017)“ von einer ansteigenden Wachstumsrate für die Volkswirtschaft aus.

Wirtschaftswachstum steigt langsam aber stetig.

Das Wirtschaftswachstum in Tunesien lag 2015 bei 1% und 2016 bei 1,1%. Für das laufende Jahr 2017 geht man für Tunesien von einem Anstieg des Volkseinkommens um 2,3% aus, dank einer erhöhten Produktion in der Landwirtschaft und einer positiven Entwicklung auf dem Markt für Phosphat. Für das kommende Jahr 2018 geht man bei der Weltbank von einem Wirtschaftswachstum von rund 3% aus. Der Bericht enthält auch eine Prognose für das Jahr 2019. Danach soll sich Tunesiens Wirtschaft weiter erholen und um 3,5% wachsen.

Positive Rahmenbedingungen werden Tunesiens Wirtschaft beeinflussen.

Für die in den letzten Jahren gebeutelte Wirtschaft des nordafrikanischen Landes soll es aufwärts gehen, weil man davon ausgeht, dass die politische Stabilität und die Sicherheitslage sich weiter verbessern werden. Die Weltbank und der IWF gehen davon aus, dass sich auch die sozialen Gegebenheiten positiv entwickeln. All dies zusammengenommen schafft verbesserte Rahmenbedingungen für die heimische Wirtschaft und für Investitionen aus dem Ausland.

Wachstumsquote noch zu niedrig.

Obwohl die Prognose aus dem Bericht der Weltbank und des IWFs positiv ausfällt, so gibt es dabei doch einen Wehmutstropfen. Für ein Land wie Tunesien, und dies gilt auch für Algerien und Marokko, sind solche Wachstumswerte noch zu niedrig. Die Wirtschaft muss wesentlich stärker wachsen, damit der Effekt auch bei der Bevölkerung spürbar ankommt. Zugleich gingen in den vergangen Jahren die Produktionswerte im Bereich Industrie und Rohstoffgewinnung zurück, mit Ausnahme beim Phosphat. Das Wachstum stammt also kaum aus den Bereichen, die für die Menschen im Land neue Arbeitsplätze schaffen könnten. Vielmehr ist davon auszugehen, dass man hofft, dass der Tourismus sich wieder erholt und der Dienstleistungssektor sich weiterentwickelt.

Dafür spricht auch die Analyse des IWF. Danach basiert das bisherige Wachstum im ersten Halbjahr 2017 auf positive Werte in der Landwirtschaft und im Dienstleistungsbereich. Beide Sektoren wuchsen um jeweils 3,8%. Alle anderen Sektoren der tunesischen Wirtschaft wuchsen deutlich geringer oder schrumpften sogar.

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosigkeit ist weiterhin hoch, vor allem für Jugendliche, Frauen und Menschen auf dem Land. Der Bericht aus New York weist auch Werte zum Arbeitsmarkt und zur Preisentwicklung aus. Am Ende des Jahres 2017 soll die durchschnittliche Arbeitslosenquote bei ca. 13% liegen. Für das Folgejahr 2018 hofft man auf einen kleinen Rückgang auf 12%. Für 2019 gab es noch keine Prognose. Im Vergleich zum Jahr 2016, mit einer Arbeitslosenquote von 14%, ist ein schwacher positiver Effekt abzulesen. Die Arbeitslosenquote bei Hochschulabsolventen und Frauen liegt aber deutlich über den Durchschnittswerten. Bei den Hochschulabsolventen liegt diese bei über 30% und bei den Frauen über 20%.

Allgemeine Preissteigerung und Kerninflation

Ein geringes Wirtschaftswachstum und ein deutlicher Anstieg der öffentlichen Ausgaben, einschließlich der Löhne, zusammen mit Verzögerungen bei der Umsetzung wichtiger Reformen, haben die Defizite in der Haushalts- und Leistungsbilanz erhöht.

Die Inflation stieg im Juli 2017 auf 5,6%. Die Kerninflation (Nahrungsmittel, Energieträger usw.) stieg aufgrund des Anstiegs der importierten Waren und der Energiepreise auf 6,7%. Als zusätzlicher Effekt hat hier die Schwäche der Landeswährung gewirkt – maghreb-post berichtete.

Mit Bezug auf die Inflation hofft man auf eine relative Stabilisierung. Im Jahr 2017 ist abschließend mit einer durchschnittlichen Preissteigerung von ca. 4,5% zurechnen. Im kommenden Jahr soll kein weiterer Anstieg der Inflation eintreten, sondern diese sich auf ähnlichem Niveau stabilisieren und bei 4,4% liegen.