Marokko – Wirtschaft wächst langsamer als erwartet.

Getreideernte entscheidend für die Volkswirtschaft.

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Getreide
Ernteergebnis bei Getreide

Niedrige Ernteerträge drücken das BIP – Wachstum auf 2,7%.

Rabat – Keine guten Nachrichten für die marokkanische Volkswirtschaft mussten die Chefs der sog. Hohen Kommission für Planung (HCP) verkünden. Auf einer Pressekonferenz am 9. Juli 2019 informierten Herr Ayache Khellaf und Herr Ahmed Lahlimi Alami darüber, dass ihr Institut die Wachstumsprognose des Brutto-Inlandsprodukts (BIP), für das laufende Wirtschaftsjahr 2019, nach unten korrigiert. Die HCP geht für 2019, statt wie bisher von ca. 3%, nur noch von einem Wachstum von 2,7% aus. Grund sei eine zu erwartende niedrigerer Getreideernte. Das HCP spricht davon, dass für das Erntejahr 2018/2019 mit einem „durchschnittlichen“ Ernteertrag zu rechnen sei, was aber bedeutet, dass der Ertrag ca. 40% unter dem Vorjahr liegen wird. Marokko ist vor allem ein Agrarland und entsprechend stellt die Landwirtschaft den Primär – Sektor da. Jeder Effekt in der Landwirtschaft hat großen Einfluss auf die Volkswirtschaft, der von anderen Sektoren nicht vollständig aufgehoben werden kann.

Getreideernte entscheidend für die Volkswirtschaft.

Der Getreideverbrauch ist in Marokko hoch und kann nicht durch die eigene Produktion gedeckt werden. Eine niedrige Ernte heißt meist, höhere Ausgaben für Importe aus Frankreich, den USA oder Osteuropa bzw. Vorderasien. Durch den Hitzesommer 2018 sowie relativ hoher Temperaturen im ersten Halbjahr 2019 in Europa wird auch in Frankreich eine geringere Weizenernte erwartet. In Osteuropa und Vorderasien sieht man sich einem intensiveren Wettbewerb mit Russland und vor allem mit China ausgesetzt. Das wird Einfluss auf die Preis in den Erzeugermärkten haben. Die in Marokko um 40% niedriger erwartete Getreideernte bedeutet eine Produktion von 61 Millionen Doppelzentner, gegenüber mehr als 100 Millionen Doppelzentner im Vorjahreszeitraum.

Anstieg des Handelsbilanzdefizits erwartet.

Obwohl die HCP ein höheres Wachstum in allen „nicht-landwirtschaftlichen Sektoren“ erwartet, von bisher 2,8% auf 3,2%, kann der Effekt im Primär – Sektor nicht kompensiert werden. Für die HCP haben sich Sekundär – Sektoren von dem Krisenjahr 2008 noch immer nicht vollständig erholt. Für Ayache Khellaf stellt der nicht-landwirtschaftliche Sektor „ein besonderes Problem für die Volkswirtschaft dar, da ein Neustart nach der Krise von 2008 schwierig bleibt“. Infolge dieser Bewertungen sieht man negative Effekte für das Handelsbilanzdefizit. Aus Sicht der Hohen Kommission wird das Handelsbilanzdefizit weiter wachsen. Es soll 2019 voraussichtlich 18,7% erreichen, gegenüber 18,6% im Vorjahr 2018. Der Chef der HCP beruhigte aber und betonte, dass Importe in allen Sektoren weiterhin die Inlandsnachfrage befriedigen werden, „wenn keine ausreichende Inlandsproduktion vorliegt.“

Handelsbilanz
Weltweiter Handel

Strukturelles Haushaltsdefizit schränkt Handlungsspielraum der Regierung ein.

In der Pressekonferenz mahnte die HCP nochmals davor, das Haushaltsdefizit des Staates zu unterschätzen. Die HCP geht davon aus, dass die Regierung das selbst gesteckte und mit dem IWF abgestimmte Ziel, eines Defizits von 3,3%, verfehlen wird. Nach den Prognosen der HCP ist ein Haushaltsdefizit des Staates von 3,7% zu erwarten, gegenüber 2018, in dem es bei 3,6% lag. Dies drohe auch dann, wenn man alle Privatisierungsvorhaben, wie den aktuellen Verkauf von Anteilen an der Maroc Telekom, umsetzen würde. Ohne die Privatisierungen würde das Haushaltsdefizit, nach Prognosen der HCP, bei ca. 4,5% liegen. Der Staat müsse sein strukturelles Haushaltsdefizit abbauen, was durch Verbesserungen auf der Einnahmenseite und der Senkung von Ausgaben, z.B. im Bereich der allgemeinen Subventionen, erreicht werden könne. Ein Anstieg des Haushaltsdefizits schränkt die Handlungsspielräume für den Staat ein.

Weltbank sieht weiterhin ein höheres BIP – Wachstum für Marokko.

Laut Prognose der Weltbank vom Oktober 2018 wird ein Wachstum von rund 3% für 2019 für die marokkanische Volkswirtschaft erwartet. Dies deckte sich bisher mit der Prognose der HCP. Das Finanz- und Wirtschaftsministerium geht im Haushalts- bzw. Finanzgesetz für 2019 von einem Wirtschaftswachstum von rund 3,1% aus. Noch hat weder die Weltbank noch die Regierung ihre Prognosen angepasst.

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