Demonstrationen in Zagora – „Wir haben Durst“

Trinkwasser rationiert, zugleich in schlechter Qualität und die Infrastruktur mangelhaft.

Zagora
Demonstrationen in Zagora - Marokko - Wassermangel - Polizei verhaftet 23 Demonstranten.

Proteste gegen Wassermangel in Zagora – Polizei verhaftet 23 Demonstranten.

Zagora – Der Wassermangel im Süden Marokkos lässt die Menschen zunehmend auf die Straße gehen. Zahlreiche Menschen aus Zagora und Umgebung protestierten am vergangenen Sonntag, dem 8. Oktober 2017, gegen den Wassermangel und gegen die schlechte Trinkwasserqualität. Sie zogen vor den Sitz der Provinzregierung und belagerten das Gebäude. Wie das Nachrichtenmagazin Telquel, dass mit einem eigenen Team vor Ort gewesen ist, berichtet, begann die Demonstration am Abend mit einem friedlichen March durch die Stadt.

Demonstranten hielten leere Kanister, leere Wasserflaschen, die marokkanische Flagge und das Bild des Königs.

Diese Demonstration war nicht die erste dieser Art. Bereits seit einigen Wochen gehen vor allem die Frauen auf die Straße, die im Namen ihrer Kinder und Familien protestieren. Wie auch bei den Demonstrationen am 22. September und am 24. September 2017 streckten die Demonstranten leere Kanister und leere Wasserflaschen in die Höhe, sowie Wasserrechnungen als Symbol für die Lage in der Region Zagora. Gleichzeitig wurden marokkanischen Flaggen und das Bild des Königs Mohammed VI. vor sich hergetragen. Die Demonstranten machten deutlich, dass es ihnen um die aktuell schlechte Wasserversorgung geht und um keine politische Bewegung. Trotzdem soll es, laut Telquel, auch Ausrufe gegeben haben, die aus der „Hirak“- Bewegung, rund um die Region Al Hoceima, bekannt sind. Gleichzeitig wurde auch der Gouverneur der Region „Abdelghani Samoudi“ verbal angegriffen und für die Situation verantwortlich gemacht.

Trinkwasser rationiert, zugleich in schlechter Qualität und die Infrastruktur mangelhaft.

Die Menschen in Zagora leiden seit Monaten. Das Trinkwasser ist rationiert und wird lediglich für wenige Stunden pro Tag durch die Wasserbetriebe der Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig ist das Wasser von schlechter Qualität und scheint einen hohen Salzgehalt zu haben.

Die Demonstranten protestierten auch gegen die hohen Rechnungen, die für Wasser bezahlt werden müssen, das sie für untrinkbar halten. „Ich zahle monatlich 300 Dirhams, aber gleichzeitig muss ich Wasser kaufen, um zu trinken. Das ist eine doppelte Strafe“, beklagt ein Demonstrant.

Unter den Demonstranten waren mehrere Bewohner des „Widadiyate District (Amicales)“, vier Siedlungen, die in den frühen 1990er Jahren gebaut und noch immer nicht an das Versorgungsnetz angeschlossen wurden. Die Bewohner haben bis heute weder Strom- noch einen Trinkwasseranschluss. Dort sollen ca. 450 Familien wohnen. Der Vorort von Zagora wird bei der Bevölkerung als „El Hay Al 3atchane“ bezeichnet, was so viel heißt wie „Das Viertel des Durstigen“.

Polizei verhaftet 23 Demonstranten.

Gegen 20 Uhr begann sich die Hauptdemonstration zunächst friedlich aufzulösen. Die Polizei folgte den Demonstranten, wohl um anschließend kleinere Kundgebungen und Blockaden in der Stadt zu verhindern. Dabei soll es dann zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und vor allem jugendlichen gekommen sein. Die Jugendlichen sollen mit Steinen nach den Polizisten geworfen und Mülltonen entzündet haben. Nach Angaben von Telquel gab es insgesamt 23 Festnahmen. Danach wurden 11 Personen inhaftiert und weitere 12, vor allem Minderjährige, stehen unter gerichtlicher Aufsicht. Eine Frau sowie einige Polizisten wurden durch Steinwürfe verletzt. Weshalb es genau zu den gewaltsamen Zusammenstößen gekommen ist, ist unklar. Die Demonstration am letzten Sonntag fand am Vorabend des Prozessesbeginns gegen acht Demonstranten statt, darunter auch eine Minderjährige Person, die im Zusammenhang mit den Demonstrationen vom 24. September 2017 strafrechtlich verfolgt werden.

Marokko leidet unter Wassermangel.

Das nordafrikanische Königreich Marokko leidet zunehmend unter Wassermangel. Die Wasserreserven des Landes sind, nach Angaben des Premierministers El Othmani, in den letzten 40 Jahren um ca. 71% zurückgegangen – maghreb-post berichtete. Dies wirkt sich zunehmend deutlich auf die Bevölkerung aus. Innerhalb Marokkos ist der so wichtige Agrarsektor bedroht. Die Erntesicherheit geht zurück und das Ernteergebnis ist volatil. Aber nun droht zusätzlich eine Verödung ganzer Regionen, die die ohnehin vorhandene Landflucht verstärken wird. Marokko droht auszutrocknen – maghreb-post berichtete. Zagora ist nur eine von vielen Regionen in Marokko, die zunehmend bedrohliche Probleme bei der Wasserversorgung haben.