Eintritt Marokkos in die ECOWAS trifft auf Widerstand.

Ablehnung Marokkos wäre ein schwerer Rückschlag für die Süd-Süd-Strategie des Königreiches.

Eintritt Marokkos in die ECOWAS
Fischer - Moschee in Dakar Senegal - Senegals Wirtschaft gegen Eintritt Marokkos in die ECOWAS

Wirtschaft Senegals gegen einen Eintritt Marokkos in die ECOWAS.

Dakar – Marokkos Wunsch Mitglied der ECOWAS zu werden trifft auf weiteren Widerstand. Neben Nigeria meldet jetzt auch Senegal Bedenken an. Die senegalische Regierung wird durch Berufs- und Wirtschaftsverbände sowie Gewerkschaften unter Druck gesetzt, um sich gegen einen Eintritt Marokkos in die ECOWAS auszusprechen. Nach Ansicht des „Initiativausschusses für die Überwachung der Integration“ (CISI), dem die senegalesischen Arbeitgeber und Gewerkschaften angehören, könnte der Eintritt Marokkos in die ECOWAS „ganze Teile“ des produktiven Sektors im Senegal zerstören.

Kongress des CISI tagte zum Thema „negative Folgen“ des Eintritts Marokkos in die ECOWAS.

Bereits das Thema des letzten Kongresses des Dachverband CISI, am 27. Oktober 2017, zeigte deutlich wohin die Diskussion sich entwickeln würde. Vorab wurden erste Ergebnisse eine Studie bekannt, die der Dachverband zu einem möglichen Eintritt Marokkos erstellen ließ. Demnach zeigt sich, dass „Landwirtschaft im weitesten Sinne, Industrie, Handwerk, Handel, Dienstleistungen und der Bausektor zu den am stärksten betroffenen Sektoren gehören werden“. Laut dem Präsidenten der CISI, Diallo Kane, der der Dakar Press ein Interview gab, „fehlt es der ECOWAS an der Fähigkeit, ihre Abkommen auszuhandeln, während Marokko die besten Experten für Handels- und Wirtschaftsverhandlungen hat, was für den Privatsektor in der Region nichts Gutes verheißen dürfte“.

Enge Zusammenarbeit mit Marokko begrüßt, aber der Eintritt führt zu „unausgewogenen Verhältnissen“.

Der Präsident des CISI brachte am Rande der Konferenz zum Ausdruck, dass man auch im Senegal eine engere Zusammenarbeit mit Marokko begrüßen würde. Er glaube aber dennoch, dass der Eintritt Marokkos in die ECOWAS zu einem „unausgewogenen Verhältnis“ innerhalb der Organisation führen könnte. Diallo Kane befürchtet, dass Marokko die Volkswirtschaften der Länder der Zone übernehmen könnte, indem es Teile „der produktiven Sektoren zerstört“. Tatsächlich wäre Marokkos Volkswirtschaft, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Organisation, nach Nigeria. Der senegalesische Dachverband wies darauf hin, dass Marokkos Volkswirtschaft ca. 101 Milliarden US-Dollar größer ist, als die Volkswirtschaften von Senegal, Ghana und Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) zusammengenommen.

Arbeitnehmerverband Senegal stützt die Auffassung des CISI.

Der Exekutivdirektor des Nationalen Arbeitgeberverbandes Senegals ging in die gleiche Richtung und erklärte: „Marokko mit seiner Wettbewerbsfähigkeit und seinen Produkten, die nicht mit der Wettbewerbsfähigkeit oder den Produkten der ECOWAS-Länder vergleichbar sind, wird den senegalesischen Markt mit seinen Waren überschwemmen und kein Sektor wird verschont bleiben“.

Senegal bekommt Unterstützung durch Nigeria.

Der senegalesische Dachverband CISI ist nicht der erste Verband innerhalb eines ECOWAS – Mitgliedslands, der dem Eintritt Marokkos in die Westafrikanische Wirtschaftsorganisation kritisch gegenüber steht. Bereits im Vorfeld und unmittelbar nach Antragstellung auf Mitgliedschaft durch Marokko, signalisierte Nigeria bedenken. Im September dieses Jahres forderte der nigerianische Herstellerverband (MAN) die nigerianische Regierung nachdrücklich auf, „sich vehement gegen einen Eintritt Marokkos auszusprechen, da er den Verlust der produktiven Sektoren der nigerianischen Wirtschaft bedeuten würde“.

Ablehnung Marokkos wäre ein schwerer Rückschlag für die Süd-Süd-Strategie des Königreiches.

Auf dem letzten Gipfeltreffen der Organisation im Juni hatte Marokko eine grundsätzliche Einigung über seinen Antrag auf Eintritt in die ECOWAS erzielt. Die Mitglieder hatten „grundsätzlich“ einen Beitritt befürwortet. Dieses Abkommen könnte es dem Königreich ermöglichen der Westafrikanischen Gemeinschaft, auf seinem nächsten Gipfel im Dezember in Lomé Togo, beizutreten, sofern die Abstimmung zugunsten Marokkos verläuft. Sollte dies nicht so sein, dann wäre es ein herber Rückschlag für die strategische Planung des Königreiches und der „Masterplan des Königs“ (maghreb-post berichtete) wäre bedroht. Für Marokko ist der Eintritt in die ECOWAS von hoher Bedeutung. Neben rein wirtschaftlichen Interessen gilt es auch Sicherheitsinteressen zu berücksichtigen. Marokkos Interesse ist so groß, dass man bereit ist, erhebliche Anstrengungen auf sich zu nehmen. So hat Marokkos König auf seiner letztjährigen Afrikareise zahlreiche Projekte in Afrika initiiert und es wurden viele Milliarden US-Dollar investiert – maghreb-post berichtete. Um Nigeria für sich zu gewinnen, wurde auch ein Abkommen geschlossen, eine der größte Gas- und Erdölpipeline der Welt zu bauen, die von der Süd-Westküste Afrikas bis ans Mittelmeer reichen soll. Gleichzeitig hat sich Marokko bereits verpflichtet, im Falle der Einführung einer Einheitswährung, auf den marokkanischen Dirham zu verzichten und der Währungsunion beizutreten. Ein Versprechen nicht ohne erhebliches Risiko. Letztendlich wird sich auf der Tagung der ECOWAS im Dezember alles entscheiden.

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