Marokko – Neues Wechselkurssystem ab Montag.

Wechselkurssystem weiterhin staatlich gelenkt. Vertrauen der Finanzmärkte begrenzt.

Wechselkurssystem
Unsicherheit im Markt zu groß. Ministerrat hat offene Fragen.

Wechselkurs kann jetzt im größeren Maße schwanken.

Rabat – Man ist geneigt auszurufen: „Auf eine Neues, der nächste Versuch bitte“. Doch dieses Mal scheint es ernst zu werden. Wie das Finanz- und Wirtschaftsministerium, unter Minister Mohammed Boussaid am gestrigen Freitag verlautbare lies, gilt ab kommenden Montag ein neues Wechselkurssystem in Marokko. Nach Monaten des Stillschweigens auf Seiten der Regierung und der Bank Al Maghrib, soll nun die Schwankungsbreite von +/- 0,3% auf  +/- 2,5% steigen. Dadurch fließt die Markteinschätzung stärker in den Wechselkurs ein.

Größerer Schwankungskorridor erhöht den Einfluss der Marktteilnehmer auf den Wechselkurs.

D.h. der Dirham stieg und fiel im Verhältnis zu einem Leitkurs. Dieser Leitkurs wird von der Bank Al Maghrib berechneten und ergibt sich aus dem Bestand der Devisen und dem Verhältnis der beiden Leitwährungen Euro und Dollar innerhalb der marokkanischen Devisenreserven. Veränderte sich der Wert dieses Währungskorbes nach unten dann viel auch der Wert des Dirham und umgekehrt. Das Marktvertrauen in die marokkanische Währung floss dabei nur innerhalb des bisherigen Schwankungskorridors ein. Die Zentralbank, und in Teilen auch die Geschäftsbanken, konnten dann innerhalb des Schwankungskorridors von maximal +/- 0,3% den Wechselkurs weiter anpassen und damit eigene Einschätzungen in den Markt einfließen lassen. Somit konnte sich die marokkanische Währung stets anpassen, aber die Ausschläge über die Anpassungen des Leitkurses hinaus, waren begrenzt. Dies wird sich nun ändern. Die Ausschläge können ab Montag im schlimmsten Fall bis zu 2,5% ausmachen.

Wechselkurssystem weiterhin staatlich gelenkt. Vertrauen der Finanzmärkte begrenzt.

Das bisherige System hatte den Vorteil, dass sog. externe Fiskaleffekte begrenz blieben und man die Währung langsam nach oben oder unten anpassen konnte. Der Nachteil besteht aber darin, dass ein staatlich festgelegter Wechselkurs an den Finanzmärkten wenig Vertrauen genießt. Dass das Vertrauen in den marokkanischen Dirham, der im Ausland nicht gehandelt wird, bei den inländischen Banken und Unternehmen begrenz ist, hat sich beim letzten Versuch einer Einführung der neuen Parität gezeigt. Bereits Wochen zuvor haben Banken, Versicherungen und Konzerne praktisch gegen die eigene Währung gewettet. Die Unternehmen gingen davon aus, dass der Dirham prinzipiell zu hoch bewertet ist und es daher zu einem Währungsabschlag kommen wird. Viele hatten das Beispiel Ägyptens noch vor Augen. Zahlreiche Unternehmen beschafften sich Devisen und gaben den Dirham an die Zentralbank zurück, in der Hoffnung, dass man nach einer Freigabe der neuen Parität die Dirhams ggf. billiger zurückkaufen könnte. Das Kalkül ging teilweise auf. Dieser klassische Spekulationsgewinn der Banken und Unternehmen verursachten im September einen Schaden von 15-24 Milliarden marokkanische Dirham – maghreb-post berichtete. Hinter vorgehaltener Hand geht man in Casablanca von deutlich höheren Beträgen aus. Es bleibt abzuwarten wie die Börse in Casablanca am kommenden Montag reagiert.

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