Währungsspekulation gegen den Dirham kosteten 15-24 Mrd. MDH.

Geringere Devisenreserven wirken sich auf die Absicherung des Dirhams aus.

MDH
Die marokkanische Zentralbank verlor 15-24 Mrd. Dirham MDH

Währungsreserven der Nationalbank geschwächt – Einführung des flexiblen Wechselkurses bleibt ausgesetzt.

Rabat – Marokko plant seit einiger Zeit die Einführung eines flexiblen Wechselkurses. Anfang Juni diesen Jahres sollte es dann soweit sein. Die Zentralbank des Landes sah sich ausreichend vorbereitet und hatte zur Absicherung der Währung hohe Devisenbestände angehäuft. Doch dann wurde in der Nacht zum 01. Juli die Einführung spektakulär abgesagt – maghreb-post berichtete. Gegen die Empfehlung von Abdellatif Jouahri, Chef der marokkanischen Zentralbank, beschloss der Ministerrat, unter der Leitung des Premierministers Saad-Eddine El Othmani, die Einführung des flexiblen Wechselkurses auszusetzen. Zunächst wurde lediglich davon gesprochen, dass man die Folgen des neuen Währungssystems nochmals bewerten möchte. Später stellte sich heraus, dass die inländische Finanzbranche sowie Großunternehmen von einem deutlichen Wertverlust nach Freigabe des Dirham MDH ausging und bereits seit Mai gegen die Landeswährung spekulierten.

Geschäftsbanken und Finanzinstitutionen entzogen der Zentralbank Devisen

Die Erwartungen und Absichten der Geschäftsbanken, Finanzinstitute und Unternehmen gingen von einem Wertverlust des Dirhams MDH aus. D.h. man schätzte die Landeswährung schwächer ein, als es der bisher staatlich festgesetzte Wechselkurs darstellte. Infolge dieser Einschätzung haben die Geschäftsbanken und Finanzinstitute sowie zahlreiche Großunternehmen Dirhams MDH bei der Zentralbank gegen Devisen (vornehmlich Euro und US-Dollar) eingetauscht. Die marokkanische Zentralbank ist verpflichtet Devisen zur Verfügung zu stellen, wenn Banken und Unternehmen diese für ihre Geschäftstätigkeit benötigen. Die Geschäftsbanken, Finanzinstitute und Großunternehmen tätigten sog. Sicherungsgeschäfte in Form von Termingeschäften. Die Banken kauften Wertpapiere in Euro und US-Dollar und die Unternehmen kauften im Voraus Waren und Dienstleistungen im Ausland, die ihren Bedarf bis zum Jahresende abdeckten. Damit entzogen sie der Zentralbank mehr als 12 % der Devisenreserven binnen weniger Wochen.

Geringere Devisenreserven wirken sich auf die Absicherung des Dirhams MDH aus.

Das gezeigte Verhalten am Markt drückte ein deutliches Misstrauen der marokkanischen Wirtschaft gegenüber der eigenen Währung aus. Gleichzeitig sahen wohl einige Finanzakteure eine Chance auf Arbitrage– bzw. Spekulationsgewinne. Vor diesem Hintergrund sah sich die Regierung gezwungen, die Freigabe des Wechselkurses zu verschieben. Die Annahmen der Wirtschaftsakteure drohte sich durch ihr eigenes Verhalten zu bewahrheiten.

Die Regierung El Othmani sah durch den Abfluss von Devisenreserven die Absicherung gefährdet und musste davon ausgehen, dass der Finanzmarkt auch ein gesteigertes Interesse an der Abwertung des Dirhams hatte, denn nur dann würden die Spekulationen auch Gewinne abwerfen. Aus Sicht der Regierung muss nun erneut das Vertrauen in die Währung gestärkt werden und sich die Devisenreserven erholen.

Die marokkanische Zentralbank verlor 15-24 Mrd. Dirham MDH

Die Umstände rund um die Einführung des flexiblen Wechselkurses haben zu einem Verlust bei der marokkanischen Zentralbank geführt. Genaue Zahlen wurden zwar nicht genannt, aber der zuständige Finanzminister Akhbar Al Yaoum gab im Juli im Rahmen einer Sitzung des Zentralbankrates bekannt, dass die aktuellen Devisenreserven nun für ca. sechs Monate reichen würden, um die nötigen Importe an Gütern und Rohstoffe zu finanzieren. Üblich sind sieben Monate. D.h. es entstand ein Verlust von ca. 15-24 Mrd. Dirham. Üblicher Weise hält die marokkanischen Zentralbank ca. 200 Mrd. Dirham an Devisenreserven vor.

Neuer Zeitpunkt der Einführung eines flexiblen Wechselkurssystems unklar.

Die Einführung eines neuen Wechselkurssystems wurde über Jahre vorbereitet. In enger Abstimmung mit dem IWF, der Weltbank sowie mit der Afrikanischen Entwicklungsbank wurden die Maßnahmen geplant und umgesetzt. Die Einführung eines flexiblen Wechselkurssystems gilt als Voraussetzung für weitere Kredite. Nun muss die marokkanische Regierung und die Zentralbank das Vertrauen in die Landeswährung stärken. Dazu sind mindesten zwei Dinge nötig.

Erholung der Devisenreserven

Zum einen müssen die Devisenreserven wieder aufgebaut werden. Wahrscheinlich nicht nur auf die Höhe vor den Spekulationen im Mai und Juni 2017, sondern signifikant darüber. Sie müssen höher sein, weil das bisherige Niveau offensichtlich nicht ausreichen hoch gewesen ist, um den Finanzsektor und die Großunternehmen von Sicherungsgeschäften abzuhalten. Da sich die Devisenreserven, laut Zentralbankbericht, aktuell mit ca. 1% pro Monat erholen, würde man mindesten ein Jahr benötigen, um auf das alte Niveau zu kommen. Entsprechend mehr Zeit, um ein höheres Niveau zu erreichen.

Weiterentwicklung der Fiskalpolitik – Reduzierung des Haushaltsdefizits

Zum anderen muss der Staat seine Finanzen sanieren und das Vertrauen in seine Fiskalpolitik stärken. Einer der Auslöser für die Spekulationen lag in der unterschiedlichen Werteinschätzung gegenüber dem Dirham zwischen Regierung und Finanzmarkt. Der Wert einer Währung ergibt sich aus seiner Wertschätzung der Wirtschaftsakteure (Unternehmen und Bürger). Diese Wertschätzung ergibt sich wiederum aus dem Vertrauen in die Stabilität und Stärke des Wirtschaftsraumes und der politischen Rahmenbedingungen. Marokko leidet, trotz hohem Wirtschaftswachstum, unter einem Haushaltsdefizit. Der marokkanische Staat gibt mehr aus, als er erwirtschaftet. Daher muss der Staat entweder seine Einnahmen erhöhen und/oder seine Ausgaben verringern. Die marokkanische Regierung gerät damit aber in eine Zwickmühle. Um mehr Einnahmen zu erwirtschaften (Steuereinnahmen) investiert Marokko gerade massiv in die eigene Infrastruktur und in die Sub-Sahara-Region um Investoren anzulocken und sich neue zusätzliche Märkte zu eröffnen. Gleichzeitig fordert das marokkanische Volk Investitionen in die eigene soziale und politische Entwicklung des Landes. Gerade in dieser Zeit würden deutliche Einsparungen die politische Stabilität gefährden können und eventuell das Wirtschaftswachstum schwächen.

Externe Effekte der Weltwirtschaft sind in dieser Einschätzung noch nicht berücksichtigt. So könnte ein Anstieg der Rohstoffpreise (Öl, Gas, Kohle) oder eine negative wirtschaftliche Entwicklung in Europa, Asien und Russland für Marokko problematisch sein. Vor diesem Hintergrund ist zu erwarten, dass die Einführung eines flexiblen Wechselkurssystems mindesten um viele Monate zurückgeworfen wurde.

Haushaltsentwurf der Regierung El Othmani für 2018 erwartet.

In diesen Wochen wird im marokkanischen Parlament der Haushaltsentwurf für das Jahr 2018 erwartet und diskutiert werden. Die finanziellen Herausforderungen sind groß. In zahlreichen Regionen des Landes muss investiert werden. Neben der Rif-Region, in der es seit Monaten Proteste gibt, gelten die Regionen um Khenifra und Midelt als Armenhaus des Landes. Um hier ähnliche Protestentwicklungen wie rund um Al Hoceima zu vermeiden, muss in politische, soziale und wirtschaftliche Projekte investiert werden. Dabei handelt es sich meist um Projekte, die zunächst Ausgaben bedeuten und keine direkten Einnahmen für den Staat erzeugen. Der Kampf gegen den Extremismus, durch die Modernisierung der Sicherheitsorgane aber auch durch Investitionen in Bildung und Aufklärung, muss ebenfalls finanziert werden. Auch die Eroberung des afrikanischen Marktes und der Beitritt zur ECOWAS wird Geld kosten. Noch ist das Wirtschaftswachstum hoch, doch es wird unterstützt durch niedrige Preise bei Rohstoffen und niedrigen Zinsen am internationalen Kapitalmarkt. Auch kann sich Marokko auf einen stetigen Finanztransfer der im Ausland lebenden Marokkaner stützen maghreb-post berichtete. Dennoch sind die Unsicherheiten groß, nicht zuletzt vor den aktuellen politischen Spannungen in Asien.

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