Algerien – Gedenken an Massaker vom 8. Mai 1945

Algerischer Veteran richtet Brief an Präsident Macron und fordert Schuldeingeständnis.

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Massaker
Massaker der Kolonialmacht Frankreich an algerischer Bevölkerung im Mai 1945

Kolonialmacht Frankreich tötet in einem Massaker bis zu 45.000 Algerier.

Algier – Am heutigen 8. Mai 2019 gedenkt Algerien einem der größten Massaker der Kolonialzeit in Afrika. Am 8. Mai 1945 starb der Algerier, Hilfsarbeiter Saâl Bouzid, als erstes an diesem Tag durch den Schuss aus einer mutmaßlichen französischen Polizeiwaffe. Zuvor demonstrierten von Rabat bis nach Hanoi die Völker aus den durch Frankreich noch immer besetzten Kolonien, die sich aber an dem Kampf gegen Nazi-Deutschland und Japan beteiligt haben. Sie beklagten, dass sie trotz ihres Blutzolles auf den Schlachtfeldern nicht von dem Sieg der Alliierten und Frankreichs im zweiten Weltkrieg profitieren würden. Sie erinnerten die Kolonialmächte an ihr Versprechen, dass man bei entsprechendem Einsatz den Status der Kolonien überdenken würde.

Forderung nach Unabhängigkeit lies Frankreich zur Gewalt greifen.

Der Hilfsarbeiter und seine Mitstreiter wagten es die Unabhängigkeit für Algerien zu fordern. Die damalige Kolonialmacht Frankreich begann die Demonstrationen mit Gewalt zu bekämpfen, um jede Bestrebung nach Freiheit und Unabhängigkeit möglichst im Keim zu unterdrücken. Bei dem Massaker an der algerischen Bevölkerung beginnend am 8. Mai 1945 sollen die französischen Besatzungstruppen bis zu 45.000 Menschen getötet haben. Heute erinnert in der Stadt Sétif ein Gedenkstein an Saâl Bouzid.

Frankreich ringt mit der kolonialen Vergangenheit.

Lange Zeit tat sich Frankreich mit den Gräueltaten in seinen Kolonien schwer. Man weigerte sich, die Taten von Soldaten und Polizisten sowie von Großgrundbesitzern offen anzusprechen. In dem maghrebinischen Staaten Algerien, Marokko und Tunesien herrschte Frankreich unterschiedlich lange. Zugleich gab es in allen drei Staaten teils unaussprechliche Gewalt gegen die einheimische Bevölkerung. Doch Algeriens Leid war deutlich länger und forderte mehr Opfer.

In jüngster Zeit versucht Präsident Macron mehr Licht in das dunkle Kapitel französischer Kolonialzeit zu bringen. Präsident Macron kündigte an, die Archive zu öffnen und somit Informationen für die Forschung bereitzustellen. Dabei stößt der französische Präsident gegen innenpolitischen Widerstand und auf weitergehende Forderungen aus Algerien. Zugleich kann Frankreich es nicht lassen, weiterhin Einfluss auf die Politik in den ehemaligen Kolonien zu nehmen. Sowohl wirtschaftlich, politisch wie auch militärisch ist Paris im Maghreb und Afrika aktiv.

Algerischer Veteran richtet Brief an Präsident Macron und fordert Schuldeingeständnis.

Anlässlich des Jahrestages sendete einer der letzten Zeitzeugen einen Brief an Präsident Macron, den die algerische – staatliche Nachrichtenagentur APS in Teilen zitierte. Der „Antikolonialist“ Henri Pouillot, ein Zeuge der Unabhängigkeitskämpfe, betont in dem Schreiben, dass die Generation Macrons und die Veteranen die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie Folter, Vergewaltigungen und Zwangsarbeit oder die Kriegsverbrechen, wie den Einsatz von Napalm, den Einsatz von VX- bzw. Senfgiftgas, die Massakern in Sétif, Guelma, Kherrata im Mai 1945 sowie die Gewalttaten vom 17. Oktober 1961 in Paris, als solche anerkennen und verurteilen müssen.

Das verordnete Schweigen – Was geschah 1961 mit algerischen Demonstranten.

Verbindungen zwischen Algerien und Frankreich weiterhin eng.

Trotz der belasteten Vergangenheit sind die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Algerien und Frankreich eng. Nach seinem Amtsantritt reiste Präsident Macron nach Algerien und wurde auch von der Bevölkerung freundlich begrüßt. In Frankreich leben heute ca. 2,5 Millionen Menschen mit algerischen Wurzeln. Darunter 772.000 Personen, die in Algerien geboren worden sind. Zahlreiche algerische Politiker und Wirtschaftsführer haben in Frankreich stets einen sicheren Hafen und in den meisten Familien Algeriens findet sich Verwandte in Frankreich.

Französischer Präsident Macron in Algerien.

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