Algerien – Weiterhin Massendemonstrationen im ganzen Land.

Regime geht verstärkt gegen Massendemonstrationen vor.

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Demonstrationen
Demonstrationen in Algerien

Algerierinnen und Algerier demonstrieren nun in der 13. Woche und treffen auf verstärkte Sicherheitskräfte.

Algier – Seit nun mehr 13 Wochen demonstrieren Algerierinnen und Algerier für politische und soziale Reformen in ihrem Land. Auch am vergangenen Freitag und an diesem Wochenende gingen tausende auf die Straßen der algerischen Hauptstadt Algier sowie in zahlreichen weiteren Städten des nordafrikanischen Landes. Gerade zu Beginn des Ramadans haben die Behörden mit einer weiteren Intensivierung der Demonstrationen gerechnet. Daher treffen die Demonstranten auf ein verstärktes Aufgebot von Sicherheitskräften. Diese wurden auch mit zusätzliche Ausrüstung ausgestattet. Darunter Panzerfahrzeuge und Kampfschilden.

Regime geht verstärkt gegen Massendemonstrationen vor.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP soll es gestern, an symbolträchtigen Orten in Algier, zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen sein. Dabei sollen die Sicherheitskräfte auch Tränengas eingesetzt haben. Vor der Stadt soll die Polizei auch Kontrollen an den Einfallstraßen in die Hauptstadt eingerichtet haben. In der Hauptstadt wurden Absperrungen vor wichtigen Plätzen und Gebäuden errichtet, so dass sich die Demonstranten nicht versammeln konnten. Ähnliche Maßnahmen wurde an den Zugangswegen nach Bordj Bou Arreridj ergriffen, einem Ort, 150 km südöstlich der Hauptstadt, der seit Beginn der Proteste am 22. Februar 2019 und laut algerischen Medien besonders aktiv ist.

Forderungen nach politischen und sozialen Reformen halten an und wenden sich zunehmend gegen das Militär.

Zu Beginn der Demonstrationen stand der Amtsverzicht des rund 20 Jahre lang regierenden Präsidenten Abdelaziz Bouteflika, verbunden mit der Forderung nach politischen, wirtschaftlichen und sozialen Reformen, im Fokus der Menschen. Nach dem durch das Militär erzwungenen Rücktritt von Bouteflika hat aber ein Vertrauter des Regimes, Übergangspräsident Bensalah, und indirekt der Generalstabschef Gaïd Salah, die Macht übernommen. Es wurden, entsprechend der algerischen Verfassung, binnen 90 Tage Präsidentschaftswahlen verkündet.

Demonstranten fordern umfassende Reformen und eine Entmachtung des bisherigen Regimes.

Trotz des Rücktritts von Bouteflika und den verkündeten Präsidentschaftswahlen, endeten die Demonstrationen nicht. Die Menschen fordern weiter echte Reformen. Aus ihrer Sicht haben zwar die Köpfe gewechselt, der Einfluss des Regimes und des Militärs besteht aber weiterhin. Entsprechend halten sie die angekündigten Präsidentschaftswahlen, am 4. Juli 2019, nur für einen weiteren Versuch das alte Regime mit neuen Gesichtern zu legitimieren. Sie appellieren an ihre Mitbürger die Wahlen zu boykottieren und weiterhin auf den Straßen des Landes echte Reformen einzufordern. Traditionell steigt die Bereitschaft im für Muslime heiligen Fastenmonat Ramadan sich zu engagieren.

Demonstranten mit klaren Parolen

Bei den neuerlichen Demonstrationen skandierten eindeutige Parolen, der Algerierinnen und Algerier, die ihre Forderungen widerspiegeln, darunter „Nein zu Wahlen“ und „Kein Militärstaat“ sowie „Gaïd Salah, verschwinde von hier!“. Die Demonstranten fordern die Absetzung aller mit Bouteflika verbundenen Personen, darunter der Übergangspräsident Abdelkader Bensalah und Premierminister Noureddine Bedoui, beide Vertreter des bisherigen Machtzirkels, aber auch General Gaïd Salah soll von der Macht lassen.

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