Marokkanische Parlamentarier wollen Steuererhöhung für Softdrinks.

Zusätzlicher Abbau der Subvention auf Zucker.

Steuererhöhung
Kampf gegen Fettleibigkeit und Diabetes - Studien zeigen auf, dass Handlungsbedarf besteht.

Kampf gegen zu viel Zucker in Getränken durch Steuererhöhung und Subventionsabbau.

Rabat – Sechs Parlamentarier reichten parteiübergreifend einen Antrag ein, damit die Regierung die Verbrauchssteuer (Mehrwertsteuer) auf zuckerhaltige Getränke erhöht. Die Abgeordneten wollen den Kampf gegen die zunehmende Fettleibigkeit und vermehrt auftretende Diabetes vorantreiben. Die Mehreinnahmen aus der Steuererhöhung sollen helfen die Ausgaben im Gesundheitswesen zu finanzieren.

Höhe der neuen Steuerlast ist abhängig vom Zuckergehalt.

Die insgesamt sechs Parteien wollen „die Steuern auf kohlensäurehaltige und stille Getränke mit hohem Zuckergehalt sowie Süßstoff erhöhen“. Im Einzelnen schlägt der Änderungsantrag vor, die inländische Verbrauchssteuer von 30 marokkanische Dirhams (MAD) auf 50 MAD pro Hektoliter zu erhöhen. Betroffen wären Getränke die einen Zuckergehalt von mehr als 50 g pro Liter enthält. Für Getränke mit weniger als 50 g Zucker pro Liter, soll die inländische Verbrauchssteuer 40 MAD pro Hektoliter betragen, aktuell liegt diese ebenfalls bei 30 MAD.

Zusätzlicher Abbau der Subvention auf Zucker.

Der Zweck der parteiübergreifenden Initiative ist nicht nur auf den Gesundheitsbereich beschränkt. Durch eine Novellierung des Steuergesetzes, soll auch der Subventionsabbau für Zucker vorangetrieben werden. Von den aktuellen Subventionen für Zucker profitieren auch Hersteller von Soft- und Süßgetränken in Marokko. Aktuell liegt die Subvention bei 1 MAD pro Kilogramm Zucker. Jedes Jahr wendet der Staat ca. 70 Millionen MAD auf, um den Preis für Zucker künstlich niedrig zu halten. Davon profitieren nicht nur Endverbrauchen, sondern auch Unternehmen, die kaum lebensnotwendige Produkte herstellen.

Studien zeigen auf, dass Handlungsbedarf besteht.

Durch die Initiative der Abgeordneten soll auf Informationen der Hohen Planungskommission Marokkos HCP reagiert werden. Die Abgeordneten verweisen auf eine Studie der HCP aus dem Jahre 2011. Danach verursachen Süßgetränke einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden, in dem ihr Konsum Fettleibigkeit und Diabetes begünstigt. Die Studie geht davon aus, dass ca. 10,3 Millionen marokkanische Erwachsene fettleibig oder vorfettleibig sind. Dabei sind Frauen stärker betroffen als Männer. Die Frauen halten von den 10,3 Millionen einen Anteil von 63,1%. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat in einem Bericht aus dem Jahr 2016 ebenfalls auf die Gefahren von übermäßigen Zuckerkonsum hingewiesen. Danach sind bereits 14% der Kinder fettleibig. Der Bericht der WHO schlägt als mögliche Gegenmaßnahme vor, eine Erhöhung der Verbrauchsteuer auf gesüßte Getränke. Das Beratungshaus McKinsey hat für Marokko errechnet, wie hoch die Kosten bei der Behandlung von durch Fettleibigkeit beeinflusste Krankheiten sind. Das Beratungshaus geht davon aus, dass die Folgen des übermäßigen Zuckerkonsums ca. 24 Milliarden MAD pro Jahr betragen.

Regierung und Parlament beraten über den Antrag.

Noch müssen das Parlament und die Regierung über die Initiative abschließend beraten. Sollte es zu einer Umsetzung kommen, dann würde Marokko erneut eine Vorreiterrolle einnehme, ähnlich wie beim Verbot von Plastiktüten – maghreb-post berichtete. Marokko würde sich Ländern wie Frankreich, dem Vereinigten Königreich und Mexiko anschießen, die ähnliche Maßnahmen ergriffen haben.

Steuererhöhung
Marokkanischer Tee meist sehr süß getrunken.

Um aber hier weitere Erfolge bei der Vermeidung von Erkrankungen im Zusammenhang mit Zucker zu erreichen, bedarf es auch Aufklärung. Die marokkanischen Konsumenten bevorzugen süße Produkte. Darunter fällt auch der Konsum von Kaffee und dem berühmt-berüchtigten marokkanischen Tee. Beide Getränke werden gern und übermäßig gesüßt.

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