Marokko – 50% der jährlich neu ausgebildeten Ärzte verlassen das Land.

Marokko droht weiterer Verlust von Leistungsträgern und Fachkräften - Reformen im Gesundheitswesen gefährdet.

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Attest
Untersuchung beim Arzt

Viele Ärztinnen und Ärzte ziehen Arbeitsstellen in Europa und Kanada vor und verlassen Marokko.

Rabat – Der Minister für Hochschulbildung nannte konkrete Zahlen zum Verlust von Ärztinnen und Ärzte, die jedes Jahr das nordafrikanische Königreich Marokko verlassen. Teils unmittelbar nach Beendigung der für sie meist kostenfreien medizinischen Ausbildung, verlassen diese so dringend benötigten jungen Menschen das Land. Die Tageszeitung Al Ahdath Al Maghribia zitiert, in ihrer heutigen Ausgabe (23. Juni 2022), den Minister für Hochschulbildung, wonach die Hälfte der 1.400 Ärzte, die jährlich an den medizinischen Fakultäten ausgebildet werden, Marokko verlassen, um sich in Europa und Kanada niederzulassen. Darunter auch Zahnmediziner und Pharmazeuten. Nach Angaben von Minister Miraoui sei der marokkanische Arzt in Europa gefragt.

Ärztemangel wird nicht durch mehr Studenten zu kompensieren sein.

Minister Miraoui, der vor der Ratskammer sprach, fuhr fort: „Um den großen Mangel an Ärzten zu beheben, reicht es nicht aus, die Zahl der Studienplätze zu erhöhen, sondern man muss die neuen Absolventen motivieren, damit sie in Marokko bleiben“. Der Minister, der die Verkürzung der Ausbildungszeit für Ärzte von 7 auf 6 Jahre verteidigt, betonte, dass die Regierung diese Frage mit Blick auf entwickelte Länder wie die USA und Kanada geprüft habe, in denen die Ausbildungszeit nicht länger als 4 Jahre dauert. Das Hochschulministerium hatte bereits zuvor angekündigt, dass die Ausbildungszeit verkürzt werden soll und dass man bereits ab dem nächsten Studienjahr die Plätze an den Fakultäten um 20% erhöhen und bis 2026 verdoppeln möchte.

Die Gewerkschaft der Privatärzte hatte zuvor darüber informiert, dass jedes Jahr etwa 300 Ärzte aus Marokko abwandern. Die meisten von ihnen entscheiden sich danach für Deutschland und Frankreich, wo sich mehr als 8.000 marokkanische Ärzte niedergelassen haben sollen, wie Al Ahdath Al Maghribia weiter berichtet.

Deutschland hatte während der Coronavirs Pandemie die Einreisevisa für Mediziner gelockert, aber nicht für marokkanische Ärztinnen und Ärzte, wie die Tageszeitung weiter anmerkt.

Marokko – Mediziner verlassen das Land – Menschenrechtsrat schlägt Alarm!

Marokko droht weiterer Verlust von Leistungsträgern und Fachkräften – Reformen im Gesundheitswesen gefährdet.

Das Land investiert seit Jahren in sein Bildungswesen, was weiterhin als ineffizient kritisiert wird. Doch die jungen Menschen im Land können von einem staatlichen Bildungssystem profitieren, dass weitestgehend bis zum ersten Studium kostenfrei ist, weltweit keine Selbstverständlichkeit.

Zwar werden die Schülerinnen und Schüler nicht in erster Linie zu selbständigen, innovativen und er Obrigkeit gegenüber kritischem Denken angehalten, aber die wissenschaftliche Ausbildung ist im Vergleich zu anderen afrikanischen und südamerikanischen Ländern auf einem guten Niveau. Zugleich sind alle ausgebildeten jungen Menschen mehrsprachig und sprechen als erste Fremdsprache Französisch und zunehmend auch Englisch. Entsprechend stammt die Bildungsliteratur in den naturwissenschaftlichen Bereichen aus Ländern mit den genannten Fremdsprachen und mit den entsprechenden Inhalten. Dies macht die Leistungsträger und Fachkräfte für das Ausland attraktiv.

Hinzu kommt, dass es bei den jungen Menschen ein großes Interesse zur Auswanderung gibt, da gerade Akademiker von Arbeitslosigkeit betroffen sind.

Dieser Mangel im medizinischen Bereich bedroht den Erfolg der neuen Gesundheitsreform und den Aufbau des allgemeinen Sozialsystems, dessen Kern eine allgemeine Kranken- und Rentenversicherung ist. Das Land erwartet eine steigende Nachfrage nach medizinischen Leistungen, wenn die Kosten keinen Bürger mehr vor einem Arztbesuch zurückschrecken lassen. Zugleich wird auch in Marokko die Gesellschaft immer älter und durch den steigenden Wohlstand auch immer kränker. So sind typische Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck auf dem Vormarsch, aber auch Krebserkrankungen werden immer häufiger festgestellt.

Marokko – 50.000 neue Krebspatienten pro Jahr

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