Marokko – Ausschreitungen in Jerada

Bis zu 80 Beamte verletzt.

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Ausschreitungen
Erste Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in Jerada

Polizei meldet erste ernsthafte Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.

Oujda – Es brodelt weiter im Nordosten Marokkos. Seit Dezember 2017 protestieren die Menschen in der ehemaligen Bergarbeiterstadt Jerada für bessere Lebensumstände und wirtschaftliche Entwicklung. Trotz intensiver Proteste und umfänglichen Demonstrationen gab es bisher kaum gewaltsame Zusammenstöße zwischen den Demonstranten und den Sicherheitskräften. Doch die Lage scheint sich nun zu verschärfen. Wie die marokkanisch-staatliche Presseagentur MAP meldet, kam es am gestrigen Mittwoch zu Ausschreitungen mit Sachschäden und Verletzten.

Bis zu 80 Beamte verletzt.

Eine Anzahl von eventuell verletzten Demonstranten wurde in den marokkanischen Medien nicht genannt. Die Polizeipräfektur von Oujda meldet ca. 80 verletzte Beamte. Einige der Beamten sollen auch schwerwiegend verletzt worden sein, so dass eine Behandlung im Universitätsklinikum von Oujda nötig ist. Ebenso soll es zu erheblichen Sachschäden an Regierungseigentum gekommen sein. Mindesten zwei Fahrzeuge der Sicherheitskräfte sollen angezündet worden sein.

Situation spitzt sich nach Erklärung des Innenministeriums zu.

Die Proteste haben sich in dieser Woche zugespitzt, weil auch die Regierung in Rabat ihr Verhalten verändert hat. In den letzten Wochen und Monaten hatten die Demonstranten nahezu uneingeschränkt die Möglichkeit zu protestieren und auch die Bezirksregierung hat ungenehmigte Demonstrationen nicht aufgelöst. Nach dem Generalstreik Anfang der Woche hat die Bezirksregierung darüber informiert, dass man ungenehmigte Demonstration in Zukunft nicht mehr dulden wird. Das Innenministerium hat darüber hinaus angekündigt, dass man, notfalls durch den Einsatz von Sicherheitskräften, die geltenden Gesetze durchsetzen wird. Entsprechend haben die Sicherheitskräfte die gestrigen Demonstrationen aufgelöst. Dabei sollen die Beamten mit Steinen und anderem Wurfmaterial angegriffen worden sein.

Erst am Wochenende wurden zwei bekannte Stimmen der Proteste in Jerade verhaftet. Die Verhaftungen sollen aber nicht im Zusammenhang mit ihren Aktivitäten in der Protestbewegung stehen.

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Regierung beklagt sich über mangelnde Anerkennung ihrer Bemühungen.

Das Innenministerium begründet die Ankündigung damit, dass sich die Regional– und Zentralregierung den Belangen und Forderungen der Demonstranten gewidmet und konkrete Pläne vorgestellt hat. In der Erklärung des Innenministeriums heißt es, dass trotz der Bemühungen des Staates, die in der Provinz Jerada aufkommenden Probleme zu lösen, „einige Parteien (Gruppen) diese Bemühungen weiterhin diskreditieren und mit allen Mitteln versuchen, die zum Ausdruck gebrachten legitime Forderungen zu nutzen, um die Menschen dazu zu verleiten kontinuierlich keinen Respekt vor dem Gesetz zu zeigen, etwas, das den normalen Verlauf des Lebens in der Region stört.“ Letztendlich ist nicht auszuschließen, dass sich unter die bisher besonnen und klug handelnden Demonstranten andere Kräfte gemischt haben. Gleichzeitig ist das Vertrauen der Menschen in Ankündigungen über anstehende Projekte begrenzt. Da möchte man den Druck entsprechend hoch halten.

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