Marokko – DGSN veröffentlicht Zahlen zur Kriminalität.

Aufklärungsquote bei 92%

Kriminalität
Polizei in Marokko

Sicherheitsbehörden geben Jahresbericht zur Kriminalität in Marokko heraus.

Die marokkanischen Sicherheitsbehörden haben ihren Jahresbericht zur Kriminalität in Marokko veröffentlicht. Die Zahlen sind beeindruckend niedrig, wenn sie denn das ganze Bild darstellen. Bereits Ende November informierte der Staatssekretär im Innenministerium Noureddine Boutayeb das Parlament und das Repräsentantenhaus darüber, dass die Sicherheitsbehörden in Marokko effektiv und effizient arbeiten. Nach Angaben des Staatssekretärs hat Marokko eine der niedrigsten Kriminalitätsraten der Welt. Gleichzeitig hat Marokko eine der höchsten Aufklärungsquoten. Nun hat die DGSN (Direction Général de Surêté Nationale (Generaldirektion für nationale Sicherheit)) die aktuellen Werte für 2017 veröffentlicht.

Aufklärungsquote bei 92%

Wie die DGSN gegenüber den Medien angibt, wurden allen Sicherheitsbehörden zusammen 559.035 Straftaten zur Anzeige gebracht. Die Ermittlungen führten zur Anklage von 538.344 Personen. Vor Gericht mussten sich 38.358 Frauen und 22.236 Minderjährige verantworten. Alle anderen Straftaten wurden von Männern verübt. Besonders stolz scheint das DGSN auf die landesweite Aufklärungsquote zu sein. Diese konnte nochmals, im Vergleich zum Vorjahr, um 2% Punkte gesteigert werden und liegt bei 92%. Die Anzahl der verhafteten Personen stieg im gleichen Zeitraum um 4,5%.

Anstieg der angezeigten Taten um 7%.

Die DGSN stellt fest, dass die Zahl der vorgebrachten Anzeigen um 7% gestiegen ist. Allerdings geht man bei den Sicherheitsbehörden davon aus, dass dieser Anstieg auf die neuen Methoden bei der Zusammenarbeit mit den Bürgern zurückzuführen ist. Die Menschen haben jetzt mehr Möglichkeiten die Polizei oder andere Sicherheitskräfte zu kontaktieren. Auch hat sich bei den Sicherheitsbehörden intern ein Wandel vollzogen, so dass die Polizisten auch psychologisch geschult wurden, womit gerade im Bereich der Gewalttaten mehr Opfer identifiziert werden konnten.

Der Anteil der schweren Gewalttaten geht zurück.

Schaut man sich neben den absoluten Zahlen auch die Zusammensetzung an, dann stellt die DGSN fest, dass der Anteil der schweren Gewalttaten rückläufig ist. Gewaltverbrechen haben einen Anteil von 9,72% an allen Straftaten. Das ist ein relativer Rückgang von 18% bzw. 1,75% Punkten. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Quote für Mord, Körperverletzung und tödlicher Körperverletzung um 3% sowie bei sexuellen Übergriffen und gewalttätigen Raubüberfällen um 4%.

Kampf gegen Drogen weitet sich aus.

Die Drogendelikte werden in Marokko zahlreicher, weshalb die Sicherheitskräfte hier einen neuen Schwerpunkt ihrer Tätigkeit sehen. So erreichte die Zahl der Festgenommenen im Zusammenhang mit Drogen 97.688 Personen, was einem Anstieg von 4% entspricht. Nach Angaben der DGSN wurden 2.844 Tonnen Kokain beschlagnahmt. Damit wurden 1,5 Tonnen Kokain mehr beschlagnahmt als 2016. Des Weiteren wurden 60 Tonnen Haschisch und 21.842 kg Heroin beschlagnahmt, was einem Anstieg von 35% entspricht. Große Sorge bereitet die Verbreitung von künstlichen und chemisch hergestellten Drogen. Insgesamt wurden 939.424 Tabletten wie Ecstasy aus dem Verkehr gezogen.

Gefühlte Sicherheit und Vertrauen zu den Sicherheitsbehörden passt nicht zu den offiziellen Daten.

Trotz der beeindruckenden Erfolgszahlen der aktuellen Kriminalstatistik der DGSN bleiben Zweifel. Nach diesen Zahlen müsste Marokko ein Sicherheitsraum darstellen, den man anderswo kaum wiederfinden kann. Jedem Kriminellen müsste klar sein, dass er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gefasst wird. Doch das Sicherheitsempfinden der Menschen passt nicht so recht zu den Zahlen. Insbesondere beim Vertrauen in die Sicherheitsbehörden gibt es Entwicklungspotential. Gerade die normalen Polizisten stehen für mangelnden Einsatzwillen, Korruption und sind häufig kein leuchtendes Beispiel für den Dienst am Volk. Wiederholt gab es auch Vorwürfe wegen Polizeigewalt. Auch repräsentieren die Sicherheitskräfte, neben den Beamten in den Amtsstuben, die immer wieder angeprangerte Willkür des Staates.

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