Marokko – Fall Raissouni erneut vertagt.

Angeklagte und Verteidiger bestreiten weiterhin die Anklagepunkte.

217
Hajar Raissouni
Journalistin Hajar Raissouni verhaftet.

Antrag auf vorläufige Freilassung soll bis zum 19. September beraten werden.

Rabat – Die junge Journalistin Hajar Raissouni, die mit ihrem Partner wegen einer mutmaßlichen „illegalen Abtreibung“ und einer „sexuellen Beziehungen außerhalb der Ehe“ strafrechtlich belangt werden soll, wird mindestens bis zum 19. September in Haft bleiben. An diesem Tag wird der Richter des Gerichts in Rabat, in der ersten Instanz, über den von ihren Anwälten formulierten neuen Antrag auf vorläufige Freilassung, entscheiden. Das gab das Gericht bei der gestrigen Anhörung bekannt. Die Anhörung hatte zunächst gegen 14.00 Uhr begonnen. Vor dem Gericht versammelten sich erneut, nach Medien Berichten ca. 50 Personen, die sich mit Hajar Raissouni solidarisch erklärten. Unter den Demonstranten sollen sich Menschenrechtsaktivisten und Journalisten befunden haben, die die Freilassung von Hajar Raissouni und die Aufhebung der Gesetze zur Kriminalisierung der Abtreibung forderten.

Anklage und Verteidigung stellten Anträge, um Beweismittel ablehnen zu lassen.

Die Verhandlung, die im Gerichtssaal 1 eröffnet wurde, wurde wegen technischer Probleme schnell unterbrochen und ab 15:00 Uhr im Saal 2 fortgeführt. Die Staatsanwaltschaft nutzte die Zeit, um einen Antrag auf Abweisung von vorgelegten Beweismittel der Verteidigung zu stellen. Insbesondere ging es um Berichte und Gutachten, die von einer unrechtmäßigen und fehlerhaften Beweisführung der Polizei sprachen. Die Verteidiger von Frau Raissouni beantragten daraufhin die Streichung aller Anklagepunkte und die Freilassung von Hajar Raissouni und den vier anderen Angeklagten – ihrem Verlobten, dem der Handlung beschuldigten Arzt, seiner Sekretärin und einer Arzthelferin.

Angeklagte und Verteidiger bestreiten weiterhin die Anklagepunkte.

Die Angeklagte und ihre Anwälte bestreiten weiterhin die Abtreibung und die Behauptung der Polizei, dass Frau Raissouni praktisch während der Tat und in der Praxis verhaftet wurde. Laut Rechtsanwalt Me Nouidi fand die Verhaftung von Hajar Raissouni auf der Straße statt, also in der Öffentlichkeit und nicht in der Klinik. „Es gibt keine Aufzeichnung, in der Hajar Raissouni die Abtreibung bestätigt. Nur ein Polizeibericht, den sie nicht unterschreiben wollte, spricht von Abtreibung. Dieser kann daher nicht berücksichtigt werden“, argumentierte er. Die nächste Anhörung wurde auf den 23. September 2019 angesetzt.

Marokko – Journalistin wegen „illegaler Abtreibung“ angeklagt.

Empfohlener Artikel