Marokko – Fall von Gruppenvergewaltigung erschüttert die Menschen.

Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen.

Missbrauch
Opfer von brutaler sexueller Gewalt

17-Jährige über Wochen festgehalten, missbraucht und gefoltert.

Marrakech – Ein Fall von Missbrauch, Entführung und schwerer Körperverletzung an einer jungen Marokkanerin bewegt die Menschen im Königreich und lässt die Diskussion über Gewalt gegen Frauen neu aufflammen. Das 17-jährige Mädchen Khadija wurde zwei Monate lang im Oulad Ayad Douar, in der Region Fqih Bensaleh entführt, vergewaltigt und gefoltert. Die junge Frau half dabei ihre Peiniger zu stellen und beschreibt in einem Interview ihr Martyrium.

Gruppenvergewaltigung durch mindestens 14 Männer

Was Khadija berichtet, erschüttert jeden, der das Video ansieht. Im Interview berichtet sie, dass sie in der kleinen Ortschaft, nur 40 km von Bni Melal und nur 150 km von Marrakech, auf dem Rückweg von ihrer Tante entführt wurde. Die Entführung ereignete sich im für Muslime heiligen Monat Ramadan. Zwei mutmaßliche und dringend tatverdächtige Männer sollen sich mit einem Motorrad angenähert und mit vorgehaltener Waffe die Frau überwältigt haben. Von da an musste Khadija unvorstellbares durchleiden. In den nächsten zwei Monaten wurde sie ungezählte male missbraucht, nicht nur von den zwei mutmaßlichen Entführern, sondern von derzeit 14 Tatverdächtigen. Die Entführer sollen die junge Frau gegen Bezahlung zum Missbrauch angeboten haben. Neben der Vergewaltigung wurde die junge Frau mit Schmähsymbolen und Sprüchen tätowiert sowie geschlagen und mit Zigaretten verbrannt.

Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen.

Die genauen Umstände der Befreiung sind noch im Detail unklar. Nach bisherigen Erkenntnissen gelang es der jungen Frau, nach mehrfachen und erfolglosen Fluchtversuchen, ihre Peiniger davon zu überzeugen, mit ihrem Vater in Kontakt zutreten. Wenn der Vater zusichern würde nicht die Behörden einzuschalten, würde man Khadija freilassen. Dies soll dann auch geschehen sein. Khadija soll sich aber entschlossen haben doch die Behörden einzuschalten. Die Sicherheitsbehörden haben daraufhin die Mehrzahl der dringend Tatverdächtigen, im Alter von 20 bis 30 Jahren, verhaftet. Einige dringend Tatverdächtige sollen sich noch auf der Flucht befinden. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen. Die gefassten mutmaßlichen Täter sollen zwischen dem 6. September und 11. September 2018 dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.

Frauenrechtler und NGO beklagen Gewalt gegen Frauen.

Khadija zeigt sich im Interview gefasst und scheint Zukunftspläne zu haben. Aber sie hat auch konkrete Forderungen an de Justiz. „Ich möchte, dass Gerechtigkeit geschieht und [sie] für das bezahlt, was sie mir angetan haben, wie so vielen Frauen, die aus Angst vor diesem Hchouma [Schande] weiter schweigen“, sagte sie im Interview.

Der Fall von Missbrauch und Gewalt gegen Khadija wirft ein erneut bedrückendes Licht auf die Situation von Frauen in Marokko. Darauf machen auch NGOs aufmerksam. Bouchra Abdou, eine Aktivistin, Feministin und Direktorin des Tahadi-Zentrums, hat diese „brutalen und erniedrigenden Praktiken der Gewalt gegen Frauen“ in einer Erklärung gegenüber Morocco World News scharf verurteilt.

„Die Verbände, die sich mit Frauenthemen befassen, sorgen sich um die Zukunft unserer Töchter und Frauen.“ Das Gesetz 103-13 zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen wurde erst Anfang des Jahres reformiert und verschärft. Doch die NGO fordern weitere und höhere Strafen gegen die Täter und eine Sensibilisierungs- und Aufklärungskampagne im öffentlichen Raum.

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