Marokko – Flaggenverbrennung bei Hirak – Demonstration in Paris.

Rat der Marokkanischen Gemeinschaft im Ausland verurteilt die Flaggenverbrennung.

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Flaggenverbrennung
Verbrennung der marokkanischen Flagge während einer Demonstration von Hirak - Aktivisten in Paris

Hirak – Bewegung sieht sich Kritik gegenüber, und ist um Schadenbegrenzung bemüht.

Paris – Am vergangenen Samstag gedachten in mehreren Städten, im In- und Ausland, Gruppen von Demonstranten dem Tod des Fischhändlers Mouhcin Fikri und den darauf folgenden Unruhen im Nordosten Marokkos. Die Proteste gegen die wahrgenommenen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Defizite im Königreich und in der Rif – Region wurden als Hirak bekannt. Der Tod von Fikri gilt als Auslöser und sein Gedenken jährte sich am 26. Oktober zum dritten Mal. Bei den Protesten in Paris kam es im Laufe der Veranstaltungen zu Szenen, über die man sich in Marokko derzeit aufregt und die dem eigentlich fallen gelassenen Vorwurf einer „separatistischen Bewegung“ neue Kraft verleihen. In Paris wurde von Teilen der Teilnehmer marokkanische Landesflaggen niedergetrampelt und verbrannt.

Unterschiedliche Interessen unter den Demonstrationsteilnehmern.

In Paris nahmen nach aktuellen Schätzungen rund 1.000 Teilnehmer teil, unter ihnen Familien mit Kleinkindern. Bei der Demonstration wurden vornehmlich Flaggen des Rif, Fotos von Mouhcin Fikri und Nasser Zefzafi gezeigt. Es gab aber auch Teilnehmer, die sich mit der Separatismusbewegung in Katalonien solidarisch zeigten und sowohl die katalonische Flagge trugen, wie auch Transparente mit Slogans zur Rif – Republik.

Marokko – Aktivisten gedenken Tod von Mouhcin Fikri

Die meisten Teilnehmer wollten an die sozialen und politischen Forderungen der Region erinnern, die auch von der marokkanischen Regierung als „legitim“ bezeichnet wurden.

Andere forderten die Freilassung von verurteilten Aktivisten, unter ihnen Nasser Zefzafi.

Doch es gab auch Kräfte, die deutlich machten, dass sie sich gegen den Machtanspruch des marokkanischen Staates und der Monarchie im Rif stellen. Ihr deutlichstes Zeichen für ihre Haltung war die Flaggenverbrennung.

Hirak
Flaggenverbrennung als akt der Ablehnung gegen den marokkanischen Staat und dessen Machtanspruch im Rif

Rat der Marokkanischen Gemeinschaft im Ausland verurteilt die Flaggenverbrennung.

Der Rat der Marokkanischen Gemeinschaft im Ausland (CCME) verurteilte am Sonntag die Handlungen einiger Personen, die bei einer Demonstration am Samstag in Paris die Nationalflagge verbrannt haben, und betonte, dass dieser „infantile und feige“ Akt eine „schwere Verletzung eines der Symbole der nationalen Souveränität und der Würde der Marokkaner“ sowohl im Königreich als auch anderswo darstellt.

In einer Erklärung der CCME, die auch über die marokkanische staatliche Nachrichtenagentur MAP verbreitet wurde, sagte ihr Generalsekretär Abdellah Boussouf, dass „die Entweihung der Nationalflagge eine Straftat ist, die nichts mit Meinungsfreiheit zu tun hat“.

Hirak – Aktivisten bemühen sich um Schadenbegrenzung

Bei der Demonstration wurde auch deutlich, dass große Teile der Teilnehmer sich von der Verunglimpfung der Landesflagge distanzieren. Sie verließen die Kundgebung, als die marokkanische Flagge verbrannt wurde. Einige Wochen zuvor hatte der Vater von Nasser Zefzafi einen Aufruf seines inhaftierten Sohnes Nasser verbreitet, der zur Teilnahme, insbesondere an der Kundgebung in Paris aufgerufen hatte. Nun bemüht man sich bei den Organisatoren darum, den Schaden für den Hirak (Bewegung) zu begrenzen, in dem man sich von separatistischen Forderungen distanziert. Die Organisatoren sehen sich aber aktuell Fragen gegenüber, wie es sein konnte, dass solche „vermeintliche Randgruppen“ eine entsprechende Präsenz bei der Veranstaltung in Paris erhalten konnten, zumal auch auf den Bühnen bei der Veranstaltung Erklärungen verlesen wurden, die den Gegnern des Hiraks neue Argumente liefern werden.

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