Marokko – Frauen organisieren sich gegen sexuelle Gewalt.

„Ich schweige nicht“ – marokkanische Frauen organisieren sich gegen sexuelle Gewalt.

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Masaktach
Quelle Twitter: Frauenbewegung gegen Gewalt und sexuelle Übergriffe in Marokko

Die marokkanische Variante der #MeeToo Kampagne heißt #Masaktach

Rabat – Weltweit wird die Gewalt gegen Frauen diskutiert. Seit den Enthüllungen rund um Schauspielerinnen in den USA und der #MeeToo Kampagne, hinter der sich vor allem Opfer sexueller Gewalt versammelt haben, wird das Ausmaß erschreckend deutlich.

Immer mehr betroffene Frauen wagen den Schritt in die Öffentlichkeit, um die Täte anzuprangern. Dabei spielt das Internet und die Sozialen Medien eine entscheidende Rolle. Dies gilt auch für den islamischen Raum und nicht zuletzt für das Königreich Marokko. Seit dem Arabischen Frühling 2010/2011 haben sich die Sozialen Netzwerke als Raum für Kritik gegen Herrschende und gesellschaftliche Missstände etabliert. Seit April läuft eine Boykottkampagne als Protest gegen hohe Lebenshaltungskosten. Nun hat Marokko eine eigene Kampagne gegen sexuelle Gewalt unter dem Namen #Masaktach.

„Ich schweige nicht“ – marokkanische Frauen organisieren sich gegen sexuelle Gewalt.

Leider und zur Schande der Männer ist Gewalt und gerade sexuelle Gewalt gegen Frauen ein ernsthaftes gesellschaftliches Problem in Marokko. Dabei beginnt diese nicht erst bei einer Handgreiflichkeit oder endet bei einer Vergewaltigung. Bereits deutlich vorher sind Frauen Opfer, nämlich wenn sie auf offener Straße belästigt und bedrängt werden. Aber auch wenn es zum Äußersten gekommen ist, geht es meist weiter. Oft wird den Frauen nicht geglaubt oder ihnen gar eine Mitschuld gegeben, womit sie zum Schweigen gedrängt werden, um der Familie keine „Schande“ zu bereiten. Doch nun gibt es eine immer größer werdende Bewegung von Frauen, die sich gegen das Schweigen im Land wehren möchten. Frauen sollen sich nicht mehr schämen müssen, wenn sie Opfer geworden sind. Das Thema soll von seinem Tabu befreit werden und die Opfer erfahren, dass sie nicht alleine sind. Die Kampagne steht unter dem Slogan #Masaktach, was soviel bedeuten wie „Ich schweige nicht“.

Fälle werden zunehmend öffentlich.

In den letzten Jahren und Monaten hat es bereits erste Veränderungen gegeben, die vor allem durch mutige Frauen ausgelöst wurden. Immer mehr Opfer wagen es, sich gegen ihre Täter zu wehren und sich an die Behörden zu wenden. Zwar reagieren die meist männlichen Beamten teils immer noch nicht mit der nötigen Sensibilität, doch immer mehr Fälle werden öffentlich und vor allem die Staatsanwaltschaften gehen Anzeigen und Verdachtsfällen mit größerem Nachdruck nach. So erschütterte zuletzt der Fall Khadija die marokkanische Öffentlichkeit und fand weltweite Aufmerksamkeit, die nach einem wochenlangen Martyriums jetzt gegen 12 Täter vor Gericht vorgeht.

Missbrauch
Opfer von brutaler sexueller Gewalt

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Staat hat Gesetze verschärft.

Der marokkanische Staat hat erst in diesem Jahr die Gesetze verschärft, um Frauen besser schützen zu können. Das Gesetz 103-13 hat die Straftatbestände, die unter Belästigung oder Gewalt gegen Frauen fallen, deutlich ausgeweitet und auch die Strafen angehoben. Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) stehen der Gesetzesnovelle, die im September 2018 in Kraft getreten ist, grundsätzlich positiv gegenüber, frei dem Motto „besser als nichts“, doch sie fordern weitere Änderungen in den Bereichen Frauenschutz, Ausbildung von Beamten sowie die Neufassung bei den Ermittlungsvorschriften. Auch in der Bildung müsse angesetzt werden.

Frauen
Gesetzesnovelle soll Frauen besser vor Belästigung und Gewalt schützen.

Noch befindet sich die Bewegung in den Kinderschuhen, doch sie hat Potential.

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