Marokko – Landbevölkerung flüchtet wegen Dürre in die Stadt.

Weitere Städte im Norden Marokkos betroffen und haben Probleme mit der sozialen Situation.

1512

Hunderte Familien sind vom Umland in die Stadt Tanger gezogen, wegen Wassermangel in der Provinz Chaouen

Tanger – Auf der Suche nach einem besseren Leben ist weltweit eine Wanderung vom Land in die Stadt festzustellen. Seit 2018 leben, nach Angaben der UN DESA, mehr als 55% der Menschen in Städten und die Tendenz steigt. Noch im Jahr 1950 lebte weltweit nur 30% der Menschen in urbanen Umfeldern. Prognostiziert ist, dass bis 2050 68% der Menschen in Städten leben werden.

Neben der attraktiven Infrastruktur und einem meist vorhandenen regulären wie auch irregulären Dienstleistungssektor mit Job-Möglichkeiten können auch unsichere Sicherheitslagen eine Ursache für die Wanderungen sein. Ein Thema gerät zunehmen in den Blickpunkt, der Klimawandel.

So waren Dürreperioden schon immer der Grund für eine mehr oder weniger große Landflucht im Königreich Marokko. Das nordafrikanische Land ist in dieser landwirtschaftlichen Saison von einer ausgeprägten Dürre betroffen. Nach einem Bericht der Zeitung Al Akhbar in ihrer Ausgabe vom Montag, 12. September 2022, wird von einer aktuellen Landflucht an der Mittelmeerküste berichtet.

Familien verlassen ihre Dörfer in der Provinz Chaouen wegen Wassermangel.

Nach dem aktuellen Bericht haben hunderte von Familien beschlossen, ihre Dörfer in der Provinz Chaouen zu verlassen und sich in Tanger anzusiedeln, weil es aufgrund der Dürre, insbesondere durch das Austrocknen von Wasserspeichern und Brunnen, zu wenig Wasser gäbe. Diese doch größere Landflucht habe Anfang August begonnen und dauerte bis Anfang September. Es gebe jedoch keine offiziellen Statistiken oder Zahlen, mit denen diese Informationen belegt werden könnte. Der einzige Indikator sei die Zahl der Schülerinnen und Schüler aus der Provinz Chaouen, die derzeit in Tanger zur Schule gehen. Dies Zahl sei deutlich angesprungen und hat zu Auffälligkeiten in den Bildungseinrichtungen geführt. Derzeit suche man eine Lösung für die Überfüllung der Klassenräume, die durch den massiven Zustrom neuer Schülerinnen und Schüler verursacht worden sei.

Weitere Städte im Norden Marokkos betroffen und haben Probleme mit der sozialen Situation.

Dieses Phänomen sei nicht neu, habe aber in letzter Zeit zugenommen. Da sich die Städte schneller entwickeln, kämen jedes Jahr Hunderte von Arbeitssuchenden in die Stadt.

Ein ähnliches Phänomen lasse sich auch in Tétouan beobachten, wenn auch in geringerem Ausmaß. Diese Situation erhöht u. a. den Druck auf den Wohnungsmarkt und ebne den Weg für die Ausbreitung von (illegalen) Gebäuden und die Zunahme von negativen sozialen Effekten, wie Kriminalität und Delinquenz.

Die Lebensbedingungen haben sich durch den Wassermangel verschlechtert, was auch zu anderen Phänomenen wie Selbstmorden unter den Landwirten geführt habe, diese Anzahl ist in den letzten Jahren dramatisch gestiegen, so die Tageszeitung weiter.

Die Region habe ein enormes touristisches Potenzial. Wenn diese Aktivitäten entwickelt werden, könnten sie das Einkommen bzw. das tägliche Leben der Einwohner verbessern. Die Herausforderung bestehe nun darin, die Grundvoraussetzungen zu schaffen, von denen die Bewohner profitieren und in Würde leben können. Eine sichere Wasserversorgung, unabhängig von Wetterverläufen und Niederschlägen, z.B. durch Meerwasserentsalzung, ist eine dieser Voraussetzung. Hier kommen große Investitionen auf das Land zu.

Vorheriger ArtikelMarokko – 5 Coronavirus – Neuinfektionen gemeldet.
Nächster ArtikelMarokko – Mutmaßlicher Drohnenangriff tötet zwei mauretanische Staatsbürger