Marokko – Regierung startet digitale Anlaufstelle für Bürger.

E-Goverment als Teil der nationalen Entwicklung.

digitale Anlaufstelle
Neue digitale Plattform für Beschwerden an der Regierungsarbeit und am öffentlichen Dienst.

Neue digitale Anlaufstelle nimmt Anregungen, Kritik und Beschwerden der Bürger zum Öffentlichen Dienst an.

Rabat – Marokko hat seit gestern, den 09. Januar 2018, eine neue Onlineplattform der Regierung. Unter dem Titel CHIKAYA (Beschwerde), soll es den Bürgerinnen und Bürger ermöglicht werden, jederzeit Anregungen, Kritik und Beschwerden hinsichtlich der Behörden und Regierungsstellen einzureichen. Die digitale Anlaufstelle ist auf allen Geräten erreichbar. So steht ein Zugang für PCs und Laptops, für Tablets sowie Smartphones zur Verfügung. Die Einreichungen müssen binnen 15 Tagen bestätigt und binnen 60 Tagen bearbeitet sein. Die zuständige Behörde muss eine direkte und individuelle Rückmeldung geben, die entweder eine Lösung für das benannte Problem darstellt oder weitere Hilfestellung beinhaltet. Alle Marokkanerinnen und Marokkaner im In- und Ausland können diese Plattform ab sofort nutzen. Die neue Plattform, die unter der Verantwortung von Minister Moulay Hafid Elamy (Industrie, Handel, Infrastruktur, Digitalisierung) entstanden ist, ist unter chikaya.ma zu erreichen und steht in Arabisch und Französisch zur Verfügung.

CHIKAYA
Startseite von CHIKAYA.ma

E-Goverment Teil des Kampfes gegen Korruption.

Wie auf der Website CHIKAYA.ma zu lesen ist, geht ihr Aufbau auf die Initiative und auf die Kritik von König Mohammed VI. an seinen Beamten und Parlamentarier zurück. In seiner Rede vom 14. Oktober 2016 machte er deutlich, dass die Beamten und Abgeordneten dazu da sind den Bürgern zu dienen – maghreb-post berichtete. König Mohammed VI. wies darauf hin, dass der Dienst am Bürger schon damit beginne, dass Beamte Fragen beantworten und Informationen bereitstellen. Die neue Plattform ist ein Teil der sog. E-Goverment – Strategie Marokkos. Durch digitale Angebote für die Bürgerinnen und Bürger soll der direkte Kontakt zwischen Mitarbeitern bzw. Beamten des öffentlichen Dienstes bzw. Behörden reduziert werden. Dadurch sollen die Effizienz steigen und Gelegenheiten für Korruption minimiert werden.

E-Goverment als Teil der nationalen Entwicklung.

Die E-Goverment – Strategie Marokkos verfolgt das Ziel immer mehr öffentlich – rechtliche Prozesse und Verwaltungsvorgänge zu digitalisieren. Die Bürgerinnen Bürger sollen immer mehr die Möglichkeit haben, ihre Angelegenheiten auf dem elektronischen Wege zu erledigen. Damit soll die Effizienz des öffentlichen Dienstes verbessert werden und auch mehr Transparenz entstehen. Gleichzeitig sollen damit auch entlegene Regionen Zugang zu allen Behörden bekommen. Marokko gehört zu einem der führenden Länder in Afrika bei der Digitalisierung der Verwaltung. Die neue digitale Anlaufstelle soll daher auch ein Zeichen für mehrt Transparenz werden. Daher weißt die Regierung auf der Website eine Statistik über die Anzahl der Einreichungen und dem Bearbeitungsstand aus.

Zugang nicht für alle Menschen möglich.

So sehr die Plattform ein positives Zeichen darstellen kann, sofern sie einigermaßen hält was sie verspricht, so sehr ist sie auch ein Symbol für die klaffende Kluft zwischen Bürgern und den Behörden. Sie ist aber auch ein Symbol für die Kluft zwischen Arm bzw. ungebildet und wohlhaben bzw. gebildet. Trotz Appelle, Strafen und öffentlichkeitswirksamen Entlassungen von Ministern glauben anscheinend die Regierung und König Mohammed VI. daran, dass man Bürger und Beamte durch digitale Plattformen verbinden und zugleich trennen muss. Trotz teils großzügigen Gehälter für Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst sowie sozialer Versorgung und guten Pensionen, scheint die Motivation der Beamtinnen und Beamten zur guten Arbeit und Dienst an seinen Mitmenschen nicht steigerbar – maghreb-post berichtete. Was bei solchen Plattformen, in einem nach wie vor Entwicklungsland, nicht bedacht wird, ist, dass nicht alle Menschen diese nutzen können. Viele Menschen besitzen kaum Bildung und auch der Zugang zu elektronischen Medien bzw. der Umgang mit ihnen ist nicht jedem möglich. Dadurch werden viele Menschen von solchen, sicherlich gut gemeinten Initiativen, nicht profitieren können. Investitionen in Bildung und in die digitale Infrastruktur müssen getätigt werden.

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