Marokko – Rückholaktion für ausländische Staatsbürger beendet.

Europäische Staaten holten ihre Bürgerinnen und Bürger zurück. Immer noch Deutsche und Marokkaner mit deutschem Wohnsitz im Königreich.

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Rückholaktion
Deutschland holt seine Bürgerinnen und Bürger zurück. Wegen der Cornavirus Pandemie gilt eine weltweite Reisewarnung

Marokkanisches Außenministerium beendet Sonderregelungen am gestrigen Sonntag.

Rabat –  Das Ministerium von Nasser Bourita verkündete am 22. März das Ende der Sonderregelung zur Erleichterung der Rückkehr von Touristen in ihre Herkunftsländer. Die Sonderregelung, die in den letzten Tagen für die Rückholaktionen ausländischer Touristen in ihre Länder eingeführt wurde, ist laut einer Pressemitteilung des Außenministeriums zu Ende gegangen. Diese Sonderregelung, so betont das Kommuniqué, wurde nach der Entscheidung des Königreichs Marokko getroffen, „bis auf weiteres“ alle internationalen Passagierflüge von und nach seinem Hoheitsgebiet auszusetzen. Praktisch war es schon seit Freitag 18:00 Uhr kaum mehr möglich das nordafrikanische Königreich zu verlassen. Marokko schottet sich, im Rahmen der Bekämpfung des Coronavirus COVID-19, ab. Dabei verzichtet das Land sogar darauf eigene Staatsbürger (Touristen), z.B. aus Spanien, zurückzuholen. Sie werden lediglich vor Ort von den marokkanischen Botschaften eingeschränkt unterstützt.

Europäische Staaten holten ihre Bürgerinnen und Bürger zurück.

In breit angelegten Maßnahmen und Aktionen holten zahlreiche europäische Länder ihre Staatsbürger zurück. Die größte Gruppe stellten französische Staatsbürger da. Insgesamt sollen 25.000 Französinnen und Franzosen Marokko verlassen haben. Auch Deutschland holte ihre Staatsbürgerinnen und Bürger sowie Marokkanerinnen und Marokkaner mit entsprechenden Aufenthaltstiteln zurück. Für Deutschland war es, nach Aussage von Außenminister Maas in der ARD, die größte Rückholaktion seiner Geschichte. Nach dem das deutsche Auswärtige Amt eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen hatte, galt es ca. 200.000 Menschen zurück zu holen. Mit Stand heute sollen 120.000 Staatsbürger zurückgeholt worden sein.

Deutsche Botschaft in Rabat im Krisenmodus

Unter der Führung des deutschen Botschafters Dr. Götz Schmidt-Bremme in Rabat und seinem Team wurden Evakuierungsflüge organisiert. An mehreren Tagen wurden Flüge von Agadir (für Südmarokko), Marrakech (für Zentralmarokko) und Casablanca (für Nordmarokko) zur Verfügung gestellt. Als Partner fungierte vor allem die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa. Aber auch die Condor führte Flüge durch. Aufgrund der sich ständigen Veränderungen und Vorgaben der marokkanischen Behörden sowie technischer bzw. logistischer Anforderungen der Lufthansa kam es zu einigen Planungsänderungen, die teilweise sehr kurzfristig erfolgten und die Ausreisewillige vor große und nicht selten unlösbare Herausforderungen stellte. So konnte nicht jeder marokkanischer Flughafen genutzt werden. Unter anderem konnte der ursprünglich eingeplante Flughafen Rabat nicht genutzt werden und man musste auf Casablanca umstellen, da der von der Lufthansa eingesetzte Flugzeugtyp Airbus A321 entsprechende Zugangsrampen benötigte.

Rückholaktion
Flughafen Casablanca – Deutsche und Marokkaner mit Aufenthaltstitel werden evakuiert.

Immer noch Deutsche und Marokkaner mit deutschem Wohnsitz im Königreich.

Trotz der umfangreichen Rückholaktion befinden sich noch immer deutsche Staatsbürger und Marokkaner mit deutschem Wohnsitz in dem Königreich. Während der Kommunikation zur Rückholaktion kam es zu unglücklichen Formulierungen, so dass viele Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft oder einem Aufenthaltstitel zunächst vermutetet, dass sie nicht mit einbezogen werden. Das hat die Botschaft in einem Facebook-Post schnell korrigiert. Die konkrete missverständliche Formulierung ist aber noch auf der offiziellen Webseite des Auswärtigen Amts vorhanden. Im Nord-Osten und im tiefen Süden Marokkos sind aber deutsche Bürger und Marokkaner mit Aufenthaltstitel noch immer gestrandet. Es erreichen Maghreb-Post weiterhin Emails und Facebook-Nachrichten, die auf die Situation der betroffenen aufmerksam machen und darüber berichten, dass sie sich von der deutschen Botschaft in Rabat im Stich gelassen fühlen. Auch sind viele mit dem PKW oder dem Wohnmobil in Marokko unterwegs. Die Empfehlungen der deutschen Botschaft nach einem Stellplatz zu suchen und sich vorab mit den Behörden vor Ort abzustimmen und sich dann an einem Flughafen zur Ausreise einzufinden, kaum 12 Stunden vor Abflug einer Evakuierungsmaschine, wurden als wenig praktikabel bewertet.

Keine weiteren Evakuierungsflüge.

Jeder der bis letzten Freitag es geschafft hatte, einen der genannten Flughäfen zu erreichen, wurde auch ausgeflogen. Doch nicht jeder schaffte es rechtzeitig. Dabei organisierten deutsche Beamte den Transport und die Abwicklung an den Flughäfen. Die marokkanischen Polizisten, die direkt dem DGSN unterstellt waren, unterstützten zwar organisatorisch, in dem sie die Wartenden „bewachten“, verhielten sich aber fast wie unbeteiligt. Am Flughafen Casablanca reichten insgesamt fünf von Deutschland entsandte Personen (zwei Frauen, drei Männer, darunter ein Polizist) und einige Mitarbeiter der Botschaft in Rabat, um die ganze Aktion zu organisieren und abzuwickeln. Das war beeindruckend.

Casablanca
Rückholaktion Casablanca – Deutsche übernehmen Organisation vor Ort

Von Seiten Marokkos gab es nicht mal Trinkwasserflaschen, als Zeichen der Gastfreundschaft und Unterstützung für die teils stundenlang in Schlangen stehenden Menschen. Eigenversorgung war auch nicht möglich, da durch die Einschränkungen alle Geschäfte und Cafés geschlossen waren. Durch die Sperrung des Luftraums und nach der Erklärung des marokkanischen Außenministeriums stehen keine weiteren Evakuierungsflüge nach Deutschland an. Möglichkeiten zur eigenorganisierten Ausreise gibt es auch nicht, da alle Grenzen, selbst zwischen Ceuta und Melilla, geschlossen sind. Wer derzeit in Marokko ist, muss dort ausharren oder bei Gelegenheit die Eigeninitiative ergreifen.

Marokko – Deutschland starten Rückholaktion aus Marokko

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