Marokko – Start einer Initiative gegen Gewalt an Frauen.

Initiative der Nationalen Union der marokkanischen Frauen (UNFM) will eine Anlaufstelle bieten.

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Kolonamaak
Nationale Union der marokkanischen Frauen (UNFM) starten Plattform "Kolonamaak" für Frauen, die Opfer von Gewalt und Missbrauch geworden sind

Plattform „Kolonamaak“ soll Kontakte zu Behörden und Hilfestellung anbieten.

Rabat – Immer wieder machen bedrückende Meldungen über Gewalt gegen Frauen Schlagzeilen in Marokko und sorgten teilweise für negative Berichterstattung im Ausland. Studien und Berichte nennen dabei unterschiedliche Opferzahlen. Ende Dezember 2019 machte die Ministerin für Soziales und Familie deutlich, das die Unterdrückung und die Gewalt gegen Frauen, die nationale Entwicklung hemmt. Auch die Zahlen des Arbeitsmarkts machen deutlich, dass Frauen zu den Opfern und Hauptverlierern der wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten sind. So werden sie nicht nur deutlich schlechter bezahlt, sonder sie sind mit Abstand stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als Männer. Wirtschaftlicher Druck und der Kampf um unterschiedliche Rollenverständnisse in der Gesellschaft führen oft zu angespannten familiären Situationen in den Partnerschaften, die nicht selten zu Gewalt führen. Hinzu kommen die Spannungen zwischen Tradition und dem Drang nach „persönlichen“ Freiheiten, gerade bei jungen Menschen.

Regierung und Initiativen wollen der Situation entgegentreten.

Die marokkanische Regierung versucht durch Gesetze die Frauen zu Stärken. So wurden neue Gesetze bei Gewalt in der Ehe verabschiedet. Auch Belästigungen auf offener Straße stehen unter einer erhöhten Strafandrohung. Doch noch immer ist die Beweisführung meist zu Lasten der Frauen formuliert und selbst unter den Frauen ist die Solidarität nicht ausreichend entwickelt. Doch die ohnehin konservative Regierung stößt bei Reformversuchen, auf gesellschaftlichen Widerstand durch noch konservativere Kreise. Ein Widerstand auf den selbst der König immer wieder stößt und teilweise vor ihm zurückweicht. Seit der für ein islamischen Land mutigen Reform des Familienrechtes 2005 und der Gleichstellung der Geschlechter in der Verfassung 2011 ist die formale Rolle der Freuen zwar gestärkt, wovon sie aber im Alltagsleben kaum etwas haben. Einige Initiativen versuchen hier Druck aufzubauen und bringen konkrete Projekte auf die Straße.

Marokko – Mehr als jede zweite marokkanische Frau Opfer von Gewalt.

Initiative der Nationale Union der marokkanischen Frauen (UNFM) will eine Anlaufstelle bieten.

Die Nationale Union der marokkanischen Frauen (UNFM) hat unter dem Vorsitz von Prinzessin Lalla Meryem eine digitale Plattform, mit dem Namen „Kolonamaak“ (Wir sind alle mit dir) für Frauen und Mädchen, die Opfer von Gewalt geworden sind, ins Leben gerufen. Die Plattform soll die Meldung von Missbrauch oder Gewalt gegen Frauen und Mädchen erleichtern und die Opfer an die zuständigen Behörden verweisen.

Meryem
Quelle MAP – Prinzessin Lalla Meryem von Marokko

„Kolonamaak“ bietet über eine direkte Telefonnummer mit der Nummer 8350 einen 24/7-Hilfe-, Hör- und Beratungsdienst an. Der Dienst steht seit Mittwoch, 29. Januar 2020, zur Verfügung.

Außerdem stellt die Initiative eine kostenlose mobile Anwendung zur Verfügung, die im Apple AppStore und Google PlayStore erhältlich ist und die Telefone der Opfer lokalisiert, ihnen die notwendige Hilfe bietet und sie zur Beratungsstelle leitet.

Initiative will Beraten und praktische Unterstützung leisten.

Die Initiative will nicht nur Opfern von physischer, psychischer oder sexueller Gewalt helfen, indem sie Betroffene an die zuständige Behörde weiterleitet, sondern will ihnen auch Beratung zu Beschäftigung, Ausbildung, Geschäftsgründungsmöglichkeiten und einkommensschaffenden Projekten bieten, auf lokaler und regionaler Ebene.

UNFM entwickelte die Plattform in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium, dem Ministerium für Solidarität, Frauen, Familie und soziale Entwicklung und dem Ministerium für Öffentlichkeitsarbeit.

Auch die Generaldirektion für nationale Sicherheit (DGSN), die Königliche Gendarmerie, das Amt für Berufsausbildung (OFPPT), die Nationale Agentur für Arbeitsförderung (ANAPEC) sowie die Nationale Post arbeiteten an der Initiative mit.

Meldedienst geht nicht an die Ursachen der Gewalt.

So lobenswert die Initiative der UNFM ist, und es ist zu befürchten, dass ohne den Vorsitz der Schwester des Königs auch die übrigen Behörden nicht unbedingt zu Teilnahme hätten bewegt werden können, so klar muss allen sein, dass hier nicht an den Ursachen für die Gewalt gearbeitet wird. In zahlreichen Ländern der Welt ist ein Anstieg der Gewalt gegen Frauen festzustellen. Dieser Anstieg geht meist mit der wirtschaftlichen Situation der Frauen einher. Diese wiederum ist Abhängig von den Bildungschancen und von den Chancen am Arbeitsmarkt teilzunehmen. An diesen Stellschrauben muss mehr gedreht werden. Hinzu kommt, dass es einen größeren Realismus für die tatsächlichen Lebensweisen in den Gesellschaften geben muss. Moralische Grenzen, die meist zu Lasten der Frauen gehen, bieten den Männern mehr Möglichkeiten Frauen und Mädchen zu kontrollieren, bei Verstößen zu erpressen und Druck auszuüben. Eine Situation, die durch unzureichende Gesetze und deren praktischen Ausübung verstärkt wird.

Marokko – Gewalt gegen Frauen behindert Entwicklung.

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