Marokko – Überraschungsbesuch des Königs hat Folgen für Tourismuskomplex.

Errichtete Bauten weichen vom genehmigten Plan ab.

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König
König Mohammed VI. von Marokko

König lässt Rohbauten am Tourismuskomplex Taghazout Bay wegen ungenehmigter Arbeiten und Umplanungen abreißen.

Agadir – König Mohammed VI. befindet sich seit einigen Tagen in der Region Sous Massa (Agadir), um die Wichtigkeit dieser Region für die Sub-Sahara Strategie zu unterstreichen. Dabei gab er für mehrere Projekte den offiziellen Startschuss und eröffnete soziale wie wirtschaftliche Einrichtungen (Maghreb-Post berichtete). Gewöhnlich ist jedes Auftreten durch ein umfangreiches Gefolge und Protokoll geprägt.

Aus den Anfängen seiner Regentschaft ist bekannt, dass der König auch mal völlig unangekündigt und teilweise getarnt umherfährt oder mit einem kleinen Expertenteam aus dem königlichen Kabinett ein Projekt inspiziert. Nach einem Bericht der Tageszeitung Al Massae scheint der König diese Praxis in der Region um Agadir wiedermal angewendet zu haben. Dabei hat es nun den sich im Umbau befindlichen Tourismuskomplex Taghazout Bay getroffen.

Afrikas derzeit größter im Bau befindlicher Tourismuskomplex.

Auf einer Fläche von 615-650 Hektar und einer Länge von 4,5 km entlang der Atlantikküste wird, nur rund 20 km südlich von Agadir, ein Tourismuskomplex errichtet, der auf den gehobenen Touristen ausgerichtet ist. Entsprechend sind bereits jetzt Golfanlagen und Luxushotels vorhanden. Weitere Apartments und Villen sollen das Angebot erweitern. Unter anderem bietet die internationale Hotelkette Hyatt Regency Aufenthaltsmöglichkeiten und Unterkünfte an.

Tourismuskomplex
Tourismuskomplex Taghazout Bay nahe Agadir

Eine Woche nach dem Überraschungsbesuch beginnen Abrissarbeiten.

Vor einer Woche tauchte unangekündigt König Mohammed VI. auf der Baustelle auf und soll sich ca. vier Stunden vor Ort aufgehalten haben. Was er dabei gesehen hat, scheint das Missfallen des Monarchen auf sich gezogen zu haben. Es wurden Anweisungen gegeben, die Bauarbeiten zu stoppen und Gebäude, Villen und einen Teil eines Hotels abzureißen. Grund sei, dass die Bauten städtebaulichen Vorschriften nicht entsprechen und teils ohne Genehmigung errichtet wurden. Weitere schwerwiegende „Unregelmäßigkeiten“, wie ungenehmigte Planungsänderungen und Erweiterungen wurden auf der Baustelle festgestellt. Alles deutet darauf hin, dass ein echtes „Erdbeben“ mit diesem Ferienort als Epizentrum wahrscheinlich mehrere hochrangige lokale Beamte und öffentliche Akteure, unter der Leitung des CDG, das eines der wichtigsten Partner dieses Projekts ist, hinwegfegen wird“, schrieb die Tageszeitung Al Massae in ihrer Ausgabe vom Montag, dem 17. Februar 2020.

Hauptinvestor ist der CDG

Die Caisse de Dépot et de Gestion ist ein staatliches Finanzinstitut, das in Marokko langfristige Ersparnisse verwaltet. Aufgrund seines beträchtlichen Vermögens tritt es auch als großer Investor im Land auf, insbesondere im Tourismussektor. In dem Projekt stecken daher Gelder aus Pensionskassen und Lebensversicherungen. Das geschätzte verwaltete Vermögen durch CDG soll bei ca. 15 Milliarden marokkanische Dirham liegen. Entsprechend einflussreich ist der Finanzinvestor. Die Verwaltung des gesamten Projekts ist der 2011 gegründeten Société d’aménagement et de promotion de la station Taghazout (SAPST) anvertraut, deren Kapital zwischen Madaef, einer Tochtergesellschaft der CDG (45%), Ithmar Al Mawarid (25%), Sud Partners (25%) und Smit (5%) aufgeteilt ist.

Errichtete Bauten weichen vom genehmigten Plan ab.

Alles soll am Samstag, dem 8. Februar, begonnen haben, berichtet Al Ahdath Al Maghribia in ihrer Ausgabe vom selben Tag. Der König, der Agadir besuchte, beschloss für alle überraschend, den Komplex für einen Zwischenstopp aufzusuchen. Er war offensichtlich nicht zufrieden mit dem Fortschritt der Arbeiten. Acht Tage später, so fährt die Tageszeitung fort, verließen die Bulldozer das Hauptquartier des Bezirks Taghazout in Richtung Tourismuskomplex mit der Anweisung, alles einzuebnen, was nicht mit dem städtebaulichen Vorschriften und den ursprünglichen Plänen des Projekts übereinstimmt. Zuvor hatte ein Inspektionsteam und die örtlichen Behörden die Pläne und den tatsächlichen Stand der Bauarbeiten verglichen und eine schriftliche Order an die Investitionsgesellschaft versendet, alle rechtswidrig errichteten Gebäude binnen 48h abzureißen. Betroffen sind Erweiterungen des Hyatt Regency Hotels, 28 Villen bzw. Bungalows, technische Anlagen, Gebäudeteile, die größer ausgefallen sind als zuvor angegeben und noch vieles mehr.

Behörden vor Ort stehen unter Druck.

Unterdessen waren die Mitarbeiter der Ämter der Region und der lokalen Behörden nach diesem königlichen Zorn in einem Zustand der totalen Mobilisierung übergegangen, schreibt die Tageszeitung Akhbar Al Yaoum, die sich in ihrer Ausgabe vom selben Tag mit dem Thema befasst. Tatsächlich soll der Monarch an Ort und Stelle schnell bemerkt haben, dass das, was da gebaut worden war, nicht dem Projekt entsprach, das ihm einige Jahre zuvor, als die Arbeiten an dem Komplex aufgenommen wurden, vorgelegt worden war. Hochrangige Persönlichkeiten, darunter der Innenminister Abdelouafi Laftit und der IGAT-Generalinspektor, besuchten den Standort ebenfalls. Genug, um die ganze Präfektur in Aufruhr zu versetzen. Zahlreiche Videos und Fotos in den sozialen Medien zeigen die Abrissarbeiten. Vom Erscheinen des Königs gibt es aber keine Bilder.

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