Marokko – Verkehrsverstoß erreicht Chef der Sicherheitsdienste.

Chef der marokkanischen Sicherheitsdienste schont seine Schwester nicht.

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Abdellatif Hammouchi,
Abdellatif Hammouchi, mitte

Hammochi lässt Hammochi Busgeld auferlegen.

Rabat – Eigentlich ist das Ergebnis einer ganz „normalen“ Verkehrskontrolle, kaum eine Nachricht wert, es sei denn, es sind Prominente oder hochgestellte Persönlichkeiten involviert.

Bei der Verkehrskontrolle am letzten Freitag auf dem Autobahnring der marokkanischen Hauptstadt Rabat ist wohl dem Verkehrspolizisten der Blutdruck in die Höhe geschossen.

Leila Hammouchi, die Schwester des obersten Chefs alle marokkanischen Sicherheitsbehörden und Geheimdienste DGSN – DGST, und ihr Fahrer wurden am vergangenen Freitag, den 14. Juni, auf dem Rabat-Ring, wegen Geschwindigkeitsüberschreitung von der Verkehrspolizei gestoppt.

Leïla Hammouchis Auto, das von ihrem Fahrer gefahren wurde, soll mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen sein und fuhr in eine Radarmessung. Das Fahrzeug war wohl nicht gesondert gekennzeichnet und die Polizei stoppte es. Die Überraschung und Unsicherheit war bei den Polizisten groß, als sich herausstellte, wer da im Fahrzeug gesessen hat, die Schwester ihres obersten Chefs.

Abdellatif Hammouchi stellt sich hinter die Beamten.

Die Verkehrspolizisten zogen es, nach Angaben des Nachrichtenportals Le360, vor, ihre Vorgesetzten zu informieren. Die Information erreichte binnen weniger Minuten schließlich Abdellatif Hammouchi, einem engen Vertrauten des Königs und einem der mächtigsten Männer im Königreich. Dieser hat umgehend reagiert und soll keinen Augenblick gezögert haben. Seine Entscheidung entsprechend deutlich: „Der Fall muss wie jeder andere aufgenommen werden“, befahl er und legte auf. Nun droht seiner Schwester, die ebenfalls eine hohe Funktion innerhalb der Sicherheitsdienste innehaben soll, ein Bußgeld zwischen 700 – 1400 marokkanische Dirham.

Vorgang noch vor wenigen Jahren undenkbar.

Noch vor wenigen Jahren wäre ein solcher Vorgang noch undenkbar gewesen. Kein einfacher Polizist hätte es gewagt, ein Regierungsfahrzeug oder ein teures Auto anzuhalten. Er hätte sich abgewendet, um nichts sehen zu müssen. Auch die Verhaltensweise des Verkehrspolizisten, sich zunächst abzusichern, zeugt noch von den Machtverhältnissen, zwischen den Hierarchien, in einem Land, in dem der Rechtsstaat noch entwickelt werden muss. Doch gerade Abdellatif Hammouchi hat in den letzten Jahren, seit Antritt seines Amtes, demonstrativ das Gesetz über den Status gestellt. Es ist nicht das erste Mal, dass der Status oder der Bekanntheitsgrad einer Person kein Vorteil gewesen ist. Insbesondere bei Verfehlungen seiner Beamten geht er unnachgiebig vor.

Ob es für ihn jetzt ein besonderes Vergnügen war, weil es um seine Schwester ging, wurde nicht bekannt. Aber bekanntlich muss „Mann“ für vieles bei anderer Gelegenheit büßen. Da hilft es dann auch nichts, wenn man der Chef des Geheimdienstes und der Bundespolizei ist.

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