Marokko – Was Sie über die Schutzmasken wissen sollten!

Coronavirus - Schutzmasken aus heimischer Produktion. Bis zu 5 Mio. Masken pro Tag

3194
Schutzmasken
Quelle Facebook-Seite Ministerium für Handel und Industrie - Handels- und Industrieministers Moulay Hafid Alamy stellt Produktion von Schutzmasken vor.

Verfügbarkeit, Preise und Schutzwirkung führen zu teils verwirrenden Diskussionen.

Rabat – Seit vergangenem Montag (6. April 2020) gilt in Marokko eine allgemeine Pflicht in der Öffentlichkeit einen Mundschutz bzw. eine Schutzmaske zu tragen. Das nordafrikanische Land will jede Möglichkeit ausschöpfen, um das Coronavirus SARS-CoV-2 bei seiner Verbreitung zu behindern. Zum Schutz des Gesundheitssystems unternehmen die Regierung und König Mohammed VI. alles und greifen in die Freiheitsrechte der Bürgerinnen und Bürger erheblich ein. Es muss verhindert werden, dass das ohnehin sich in der jahrelangen Kritik befindliche Gesundheitssystem, an einer hohen Zahl von Infizierten, kollabiert. Neben Ausgangssperren, Grenzschließungen und Reiseverbot im Inland sowie der hastigen Aufrüstung von Krankenhäusern, bis zum Aufbau von militärischen Feldlazaretten, sollen jetzt auch Schutzmasken helfen, noch Schlimmeres zu verhindern. Allen ist bewusst, dass weder in Europa, den USA noch in Afrika der Höhepunkt der Pandemie bereits erreicht ist.

Marokko und seine Coronavirus – Schutzmasken aus heimischer Produktion. Bis zu 5 Mio. Masken pro Tag

Schon bei Ausbruch der Coronavirus – Pandemie in Marokko wurde der Einsatz von Schutzmasken diskutiert. Im Hintergrund war wohl die Entscheidung längst getroffen worden, dass diese an die Bürgerinnen und Bürger ausgegeben werden müssen. Aus Sicht Marokkos haben sich vor allem Länder mit Schutzmasken in der Öffentlichkeit besser gegen das Coronavirus schützen können. Doch im Land wurden keine hergestellt und auf dem internationalen Markt konkurriert man gegen wirtschaftlich stärkere Länder, um die meist in China hergestellten Masken. Binnen weniger Wochen hat man zumindest für die jetzt verpflichtenden Alltagsmasken eine heimische Produktion aufgebaut, die bereits in Europa auf Interesse gestoßen ist.

Produktion läuft rund um die Uhr.

Nach Angaben des Handels- und Industrieministers Moulay Hafid Alamy wird man in der Lage sein, bis zu fünf Millionen Schutzmasken pro Tag herzustellen, vorrangig für den heimische Markt aber wohl auch für den Export. Derzeit sind 10 Hersteller dabei, rund um die Uhr den heimischen Bedarf abzudecken. Erst wenn dieser gedeckt ist, werden Schutzmasken auch exportiert, so der Minister gegenüber Medienvertretern bei einem Pressetermin in einem Herstellungsbetrieb. Aus seiner Sicht schützen die Masken vor einer Infektion mit dem Coronavirus, denn die landesspezifische Herstellungsnorm „NMST21.5.200″ soll sicherstellen, dass die marokkanischen Schutzmasken qualitativ über denen aus dem Ausland liegen werden.

https://www.facebook.com/Medias24/videos/877746589316603/

Verschiedene Schutzmasken

Bei den an die Bevölkerung ausgegebenen Schutzmasken handelt es sich nicht um Masken, die im medizinischen Seuchenschutz oder im Operationssaal verwendet werden, sondern um ein Material, dass vor allem die Tröpfchenverteilung des Tragenden behindern soll. Damit soll ein potentiell Infizierter daran gehindert werden, das Virus weiterzugeben. Die für die Bevölkerung vorgesehenen Schutzmasken bestehen aus einem Vliesstoff, welcher der ober genannten Norm „NMST21.5.200″ entspricht. Die in der Medizin und im direkten Virenkontakt verwendeten Masken haben die Schutznorm FFP3. Diese schützen dann auch beim Einatmen mit einem hohen Wirkungsgrad gegen die Aufnahme von Viren. Eine dritte Form der Masken sind die allgemein bekannten Papiermasken, wie man sie bei Operationen im Krankenhaus her kennt. Auch diese dienen der Behinderung bei der Verteilung von Tröpfenchen, schließen aber die Schleimhäute und Atemwege nicht vollständig ab, so dass Viren eindringen können.

Ministerium und Apothekerverband informieren über die aktuelle Versorgung.

In der Frage der Verfügbarkeit betont das Ministerium, dass die heimische Produktion in der Lage ist, den Bedarf des Inlandsmarktes zu decken und diesen zu übertreffen, um den Überschuss zu exportieren. Es bleibt die Frage der Verteilung, deren geographische Abdeckung seit vergangenem Montag schrittweise verbessert wird.

Vorratskäufe (Hamsterkäufe) durch die Bürger sorgen für Engpässe.

Während der Markt nach und nach versorgt wird, kaufen die Bürger massenhaft und viel mehr als ihren tatsächlichen Bedarf ein, was den Eindruck einer momentanen Knappheit noch verstärkt. Die Verkaufsstellen fanden sich teilweise nach einer Stunde nach Öffnung ohne Schutzmasken wieder. „Diese Situation wird sich in wenigen Tagen wieder normalisieren“, versicherte der Minister bei seiner Stellungnahme in den nationalen TV-Sendern am vergangenen Dienstag. Um sicherzustellen, dass die Masken möglichst bürgernah verfügbar sind, hat die Regierung beschlossen, sie in organisierten Handelsketten (Supermärkte und Hypermärkte), aber auch im traditionellen Handelsnetz, d.h. in Lebensmittelgeschäften und Nachbarschaftsläden, zum Verkauf anzubieten.

Verwirrung um Verkaufspreis

Die Verfügbarkeit ist nicht nur geografisch organisiert, sondern auch finanziell geregelt. In Marokko gilt für die neue Schutzmaske ein einheitlicher und staatlich festgesetzter Verkaufspreis. Zwischenzeitlich kursierten Preise von 2 marokkanischen Dirham MAD oder gar 2,50 MAD. Diese Preise stammten aus einem Gesetzesentwurf, der je nach Produktionsmenge einen nicht subventionierten Preis in der genannten Spanne vorsah. Dieser entsprach einem am 2. April bekanntgewordenen Erlass. Nach marokkanischen Medienberichten hat König Mohammed VI. interveniert und einen geringeren Verkaufspreis angeordnet. Deshalb wurde dieser, durch Gelder aus dem Corona-Solidaritätsfonds subventioniert und auf 0,80 MAD pro Stück staatlich festgelegt. Am 6. April wurde ein Erlass in diesem Sinne veröffentlicht, der den Erlass vom 2. April aufhob. Es gibt mit aktuellem Stand auf dem Markt nur einen Preis für Schutzmasken aus Vliesstoff, die der Norm „NMST21.5.200″ entsprechen, nämlich 0,80 MAD pro Stück. Jeder, der diese Maske zu einem höheren Preis verkauft, verstößt gegen das Gesetz.

König
König Mohammed VI. trägt bei Terminen die neue marokkanische Schutzmaske gegen das Coronavirus COVID-19

Kein Vertrieb der Schutzmasken über Apotheken

In Marokko gab es auch schon Vorfälle, bei denen Masken über den genannten Preis verkauft wurden. Hier ist die Polizei auch tätig geworden und die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Mehrere Bürgerinnen und Bürger haben versucht Atemschutzmasken in Apotheken zu erwerben. Dort wurden ihnen auch Masken verkauft, die wesentlich teurer waren, weil es sich nicht um die allgemeinen staatlichen Schutzmasken gehandelt hat, sondern um rein medizinische Masken. Die Behörden und der Apothekerverband machten deutlich, dass die Schutzmasken der Norm „NMST21.5.200″ derzeit nicht in Apotheken erhältlich sind. Die Unkenntnis über diesen Tatbestand hat ebenfalls zu mehreren Konfliktsituationen in Apotheken geführt. „Wir sind vom Staat nicht gebeten worden, uns dem Verteilerkreis anzuschließen“, sagt Hamza Guedira, Präsident des Rates des Apothekerverbandes gegenüber Media24.

Folgende Masken sind bei Apotheken erhältlich

In den Apotheken sind nach Verfügbarkeit Masken für medizinische Zwecke, die als in Apotheken verkaufte medizinische Geräte gelten.

Darunter fallen FFP3-Masken, mit doppelte Filterung der Luft von innen und von außen. Ausdrücklich empfohlen für Personal im Gesundheitswesen,

Chirurgische Masken, mit Filtration von innen nach außen. Empfohlen für Patienten und Verdachtsfälle,

Schutzmasken für die breite Öffentlichkeit, die unabhängig der staatlichen Maßnahmen verkauft werden. Letztere kann es in verschiedenen Qualitäten geben, und ihr Preis ist frei, wenn sie nicht dem Standard „NMST21.5.200“ entsprechen.

Wie überall auf der Welt sind medizinische Masken auch in Marokko sehr eingeschränkt erhältlich, da alle Staaten versuchen, ihr medizinisches Personal voranging zu versorgen.

Empfohlener Artikel