Über zwei Millionen MREs sind in Marokko eingereist.

Auslandmarokkaner weiterhin mit starker Bindung an Marokko.

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MREs
Wieder mehr MREs in Marokko eingereist.

Wieder mehr Auslandmarokkaner (MREs) nach Marokko eingereist.

Rabat – Seit Beginn der sog. „Willkommen“-Aktion „Marhaba“ Anfang Juni sind über zwei Millionen im Ausland lebende Marokkaner (MREs ) in Marokko eingereist. Darüber informierte die Mohammed V. Stiftung für Solidarität in Rabat über die marokkanische Presseagentur MAP. (Anmerkung des Autors auf mehrfacher Nachfrage: Maroc Résidant l’Etranger = Marokkaner Aufenthalt im Ausland)MREs Marhaba 2017

Mohammed V. Stiftung für Solidarität

Dieses Jahr reisten mehr MREs nach Marokko ein, als im Vorjahr.

Alljährlich koordiniert die Mohammed V. Stiftung, unter der Schirmherrschaft von König Mohammed VI., die zusätzliche Betreuung der einreisenden Marokkaner in den Sommermonaten. Dazu gehören bereits Ansprechpartner auf den Anreiserouten in Europa an Flughäfen und vor allem Autoraststätten. Ebenso werden zusätzliche Fährkapazitäten für die Überfahrt über das Mittelmeer angemietet und bereitgestellt. In diesem Jahr sollen es 27 Fährschiffe gewesen sein.

Schwerpunkt ist die Betreuung an den Grenzübergängen.

Schwerpunkt ist aber die Betreuung der sog. MREs an den Grenzübergängen. Dort werden die Auslandmarokkaner bei den Zollformalitäten unterstützt oder können sich mit Sorgen und akuten Problemen an abgestellte Ansprechpartner wenden. In diesem Aktionszeitraum kamen 4,26% mehr MREs nach Marokko, als im Vorjahr.

Die Einreise via Flugzeug und Auto sind beliebt.

Die Einreisemöglichkeiten sind trotz Mittelmeergrenze zahlreich. Rund 40% der im Ausland lebenden Marokkaner nutzen das Flugzeug. Das sind über 780.000 Einreisende im gemessen Zeitraum.

MREs per Flugzeug
Auslandsmarokkaner reisen per Flugzeug nach Marokko

Über die verschiedenen Seehäfen Marokkos wurden über 270.000 Autos eingeführt. Haupteinreisezeit war die erste Woche des Augustes. Die meisten MREs reisten in die Region Nador und Al Hoceima. Der Hafenkomplex von Nador betreute ca. 215.000 Passagiere und fast 40.000 Fahrzeuge. Ebenso war Tanger Port ein Schwerpunkt für die Einreise.

Auslandmarokkaner weiterhin mit starker Bindung an Marokko. Gleichzeitig sind MREs von wirtschaftlicher Bedeutung.

Die starke Bindung der Auslandmarokkaner an das Königreich scheint weiter zu bestehen. Dabei hat sich die Zusammensetzung der sog. MREs doch sehr verändert. Die Anzahl der ersten Generation der Auswandere verringert sich und Marokko hatte lange Zeit die Sorge, dass die zweiten und mittlerweile dritten (bis zur vierten) Generationen sich weniger eng an das Königreich gebunden fühlen. Dies hätte bedeutet, dass auch weniger Gelder transferiert oder investiert werden. In Teilen hat sich dies auch bewahrheitet. Aber in der Zwischenzeit gibt es nicht mehr nur die Auswanderergeneration der 1960 er und 1970 er Jahre, sondern immer wieder neue Auswandererwellen, vor allem nach Südeuropa. Ebenfalls wuchs die Anzahl der Studenten. Diese neuen Gruppen haben natürlich eine viel engere Bindung an ihr „Heimatland“, weil sie noch einen große Teil ihrer Jugend in Marokko verbracht haben.

Für die starke Bindung der Auslandmarokkaner an das Heimatland bzw. Heimatland ihrer Eltern und Großeltern ist auch die misslungene Integrationspolitik in Europa ursächlich. Viele fühlen sich in Ländern wie Holland, Belgien, Frankreich oder Deutschland wenig angenommen und immer noch als Ausländer. Durch die Bindung an Marokko wird versucht zumindest eine „wirklich“ Heimat vorzuweisen. Leider gelingt dies ebenfalls mehr schlecht als recht.

Unruhen in der Region Rif und Al Hoceima beeinflussten die Reisebereitschaft nicht.

Die marokkanischen Unternehmen und die Politik hatten schon Sorge, dass die seit Monaten andauernden Demonstrationen im Land Einfluss auf die Einreise der MREs haben könnte. Dies scheint nicht so zu sein. Gerade weil viele MREs aus der Rif-Region stammen (bis zu 80% in Deutschland lebende Marokkaner stammen aus dem Rif) und weil Al Hoceima der Brennpunkt für die politische Protestbewegung ist, war die Sorge groß.

Auslandmarokkaner transferierten über 62 Milliarde MDH (ca. 6 Milliarden Euro) in 2016.

Insgesamt flossen im Vorjahr Transfergelder in einer Höhe von über sechs Milliarden Euro ins Königreich (über 62 Milliarden MDH) – maghreb-post berichtet. Neben dem Hauptexportgut Phosphat stellen diese Transfergelder eine der wichtigsten Einnahmequellen für Marokko da (Devisen). Dazu kommen die nicht bewertbaren sozialen Transferleistungen in Form von bereitgestellten Immobilien für Familienangehörige oder Sachleistungen. Marokko hat also guten Grund sich um die MREs zu kümmern.

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