Marokko – Hilfsgelder für informelle Arbeitnehmer werden erneut ausgezahlt.

Coronavirus – Krise deckt Größe des informellen Sektors auf.

2012
Hilfsgelder
Marokko zahlt erneut Hilfsgelder an Menschen im sog. informellen Sektor. Geld soll im Rahmen des Gesundheitsnotstands unterstützen.

Bis zu 4,3 Millionen Menschen sind vom informellen Sektor abhängig.

Rabat – Eine zweite Hilfsaktion zur Unterstützung von Haushalten im informellen Sektor, die durch den Gesundheitsnotstand ihr Einkommen verloren haben, wird am Donnerstag, dem 14. Mai, beginnen. Dies teilte das marokkanische Ministerium für Wirtschaft, Finanzen und Verwaltungsreformen in einer Presseerklärung mit, die über die staatliche Nachrichtenagentur MAP verbreitet wurde. Das Ministerium sieht darin eine Kontinuität der nationalen „Solidaritätsdynamik“ in dieser Zeit der Pandemie.

Die zweite Unterstützungsaktion stützt sich auf die bereits erfassten Anmeldungen und berücksichtigt die von der Verwaltung durchgeführten Kontrollen, betonte das Ministerium und wies darauf hin, dass das Verfahren für den Abruf der Hilfe mit dem der ersten Aktion übereinstimmt und insbesondere auf SMS-Nachrichten beruht, die an die Mobiltelefone der betroffenen Haushaltsvorstände gesendet werden.

Um eine Überlastung der Ausgabestellen zu vermeiden, werden die Meldungen während dieser Zeit auf mehrere Tage verteilt.

Marokko nutzt Mobilfunkverbreitung für staatliche Verwaltungsmaßnahmen.

Bereits im April zahlte das nordafrikanische Land an Menschen im sog. informellen Sektor Hilfsgelder aus. Zu Menschen in informellen Sektor gehören aus Sicht der Regierung alle die, die nicht im ersten Arbeitsmarkt tätig sind und in die allgemeine Sozialkasse CNSS Beiträge einzahlen. Ebenfalls sind diese Menschen nicht im sog. RAMED-System erfasst, dass zuvor die Bedürftigkeit geprüft hat. In dem informellen Arbeitsmarkt sind Personen beschäftigt, die die RAMED – Kriterien nicht erfüllen, weil sie Tagelöhner und als Soloselbständige in der Landwirtschaft oder z.B. auch im Dienstleistungssektor tätig sind. Diese Personenkreise konnten sich Online registrieren und ihren Bedarf anmelden. Bei berechtigtem Bedarf erhielten diese Menschen per SMS einen Bestätigungscode. Gemeinsam mit einer Kontrollziffer, die sich aus dem Personalausweis ergibt, konnten die Menschen zwischen 800 und bis zu 1.200 marokkanische Dirham an Geldautomaten teilnehmender Banken oder gar an mobilen Auszahlungsschaltern abheben.

Coronavirus – Krise deckt Größe des informellen Sektors auf.

Genaue Zahlen zu den Betroffenen Personen gab es bisher nicht. Zuvor hatte die Hohe Kommission für Planung, in verschiedenen Studien, die Zahl der im informellen Sektor tätigen bzw. von ihm abhängigen Menschen auf ca. 1,4 Millionen beziffert. Die aktuelle Coronavirus – Krise und die Onlineregistrierung decken eine Personengruppe von über 4,3 Millionen Menschen auf. „Die Zahl von 4,3 Millionen ist in der Tat sehr bedeutend und liegt über dem, was häufig in den verschiedenen Studien und Erhebungen festgestellt wird, insbesondere in denen, die von der Hohen Kommission für Planung (HCP) durchgeführt wurden“, sagte Abdellatif Komat, Dekan der Fakultät für Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hassan II in Casablanca, gegenüber dem Nachrichtenportal Le360. Am 30. April informierte der Innenminister Laftif das Parlament, dass 5,1 Millionen Menschen (inkl. RAMED und CNSS Registrierte) von Hilfsgeldern profitiert hätten.

Marokko – 5,1 Mio. Familien profitierten von Finanzhilfen während der Corona-Krise.

Finanzmittel kommen aus Corona- Sonderfonds

Die nun zum zweiten Mal ausgezahlten Hilfsgelder stammen aus dem Sonderfond zur Bekämpfung der Folgen der Coronavirus – Pandemie. Ein Fond, der zunächst auf 10 Milliarden marokkanische Dirham ausgelegt war und der inzwischen durch einen stattlichen Zuschuss von ca. drei Milliarden und durch Spenden aus der Wirtschaft und von Privatpersonen sowie gemeinnützigen Organisationen auf ca. 35 Milliarden MAD angewachsen ist. Aus diesem Fond werden medizinische Güter finanziert, die man größtenteils aus dem Ausland importieren muss, aber auch nationale Unternehmen, Kultureinrichtungen und Hilfsorganisationen unterstützt, die nachweislich durch den Gesundheitsnotstand finanzielle Einbussen erlitten haben. Allen Beteiligten ist klar, dass ein Betrag von 800 MAD bis zu 1.200 MAD pro Monat für eine dann vierköpfige Familie nicht alle Sorgen nimmt und es nicht selten nur der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein ist.

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