Marokko – Fés tritt in Wettbewerb gegen Marrakech an.

Wettbewerb zwischen Fés und Marrakech gewollt.

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Fés
Die Altstadt von Fés

Kulturelles Zentrum Marokkos will zum neuen touristischen Magneten werden.

Fés – Das nordafrikanische Königreich Marokko sieht im Tourismus einen wichtigen Eckpfeiler der wirtschaftlichen Entwicklung. Bisher konzentrierte sich der Tourismus vor allem auf Agadir, mit der Zielgruppe der Strandurlauber und auf Marrakech, als rote Königsstadt und Zugang zum vermeintlichen Orient. Andere reizvolle Städte wie Casablanca, Rabat und eben Fés wurde vor allem im Rahmen von Rundreisen besucht, besaßen für sich alleine aber keine ausreichende Anziehungskraft für größere Zielgruppen. Unter Gelehrten und vor allem an historischen Gegebenheiten interessierte Reisende galt aber Fés als wichtiges Ziel. Darauf will die Königsstadt am Rande des Hohen Atlasgebirges nun aufbauen. Dazu wurde bereits in den letzten Jahren viel in die Restauration der Altstadt aber auch der allgemeinen Infrastruktur investiert. Das soll sich jetzt lohnen und man möchte Marrakech spürbar Konkurrenz machen.

Fés hat einiges zu bieten.

Fés war lange Hauptstadt des Königreiches und ist bis heute eine von vier Königsstädte des Landes. Für ein eher kulturell geprägtes touristisches Angebot wirft die Stadt einiges in die Waagschale.

Es wurden über 9.000 historische Wohnhäuser, 11 ehemalige Koranschulen, 83 Mausoleen und 176 Moscheen restauriert oder renoviert. Weiteren 1200 Handwerkbetrieben hat man dabei geholfen, ihre Standorte zu erhalten. Darüber hinaus sind ungezählte Gassen und vor allem die berühmten Gerbereiwerkstätten, in denen bis heute traditionell Lederhäute, leider für die Menschen noch immer unter schwierigen Arbeitsbedingungen, hergestellt werden.  Auch die Betriebe des kunstvollen Keramik- und Metallhandwerks bekamen Unterstützung.

Gerberreien
Traditionelle Herstellung von Leder in den Gerbereien von Fés

Zweite Phase der Investitionen wurde gestartet.

Ca. sechs Jahre nach dem Start der ersten Investitionsphase, mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde marokkanische Dirhams (MAD) bzw. ca. 92,2 Millionen Euro*, startete der marokkanische König Mohamed VI. im April 2019 die zweite Phase der Arbeiten. Man investiert in die touristische Infrastruktur wie Hotels und in soziale- bzw. medizinische Einrichtungen. Nach dem im vergangenen Jahr ein neuer internationaler Flughafen eröffnet wurde, wird an Plänen gearbeitet, Fés an das neue Hochgeschwindigkeitszugnetz anzuschließen. Derzeit besitzt Marokko die einzige Hochgeschwindigkeitsstrecke Afrikas. Die Strecke Tanger – Casablanca wurde Ende letzten Jahres im Beisein des französischen Präsidenten Macron und König Mohammed VI. in Betrieb genommen.

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Wettbewerb zwischen Fés und Marrakech gewollt.

Dabei löst man in Rabat bewusst einen Wettbewerb zwischen Fés und Marrakech aus. Die sog. rote Stadt Marrakech kommt an seine ökologischen Grenzen, insbesondere bzgl. der Wasserversorgung. Marrakech besitzt, außer der Altstadt und dem nahe gelegenen Ausläufern des Atlasgebirges, keine geographischen Attraktionen, die Fés nicht ebenfalls hat. Auch Marrakech soll an das neue Zugnetz angeschlossen werden und erhielt ebenfalls im vergangenen Jahr einen neuen internationalen Flughafen.

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Für alle die den Jetset – Tourismus, der sich in Marrakech breitgemacht hat, nicht mögen und ein echtes Marokko erleben wollen, könnte Fés ein interessantes Angebot sein.

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