Marokko – König Mohammed VI. würdigt jüdische Gemeinde in Essaouira.

Marokko ein Land der Vielfalt. Kritik aus Islam-konservativen Kreisen

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Essaouira
Quelle MAP - König Mohammed VI. besucht jüdische Gedenkstätte in Essaouira - Tora und Quran nebeneinander.

Königlicher Besuch von Mohammed VI. in der restaurierten jüdischen Gedenkstätte Bayt Dakira.

Essaouira – Der marokkanische König Mohammed VI. besucht in diesen Tagen die Stadt Essaouira an der Atlantikküste. Bei seinem Besuch gab er für zahlreiche Infrastruktur- und Sozialprojekte in der Region den Startschuss.

Am gestrigen Mittwoch besuchte er eine jüdische Gedenkstätte. Die jüdische Gedenkstätte Bayt Dakira, oder das Haus der Erinnerung, ist ein Zentrum, das dem Erbe des Judentums in Essaouira gewidmet ist.

Jüdisch
Jüdische Gedenkstätte in der Altstadt von Essaouira

Das kürzlich renovierte Museum und die Andachtsstätte aus dem 19. Jahrhundert erinnern an die Rolle des Judentums im nationalen Erbe Marokkos.

Die marokkanische Monarchie ist für ihre fürsorgliche Beziehung zur jüdischen Bevölkerung im Land bekannt, und der Besuch des Königs im spirituellen und kulturellen Zentrum Bayt Dakira soll als Ausdruck seines Engagements für den Erhalt der religiösen Vielfalt und der Toleranz in Marokko gewertet werden, so die offizielle Lesart.

Reden durch Vertreter der jüdischen Gemeinde würdigen den König und Marokko.

Andre Azoulay, selbst Anhänger des jüdischen Glaubens, Präsident der Vereinigung Essaouira-Mogador und bereits unter dem verstorbenen König Hassan II. enger Berater des Königshauses, empfing den König Mohammed VI. Auch Marokkos Oberrabbiner David Pinto und Casablancas Oberrabbiner Joseph Israel begrüßten den König bei seiner Ankunft. Gemeinsam betrat man die 1892 erbaute und nun vollständig sanierte Synagoge von Bayt Dakira.

König
Quele MAP – König Mohammed VI. trifft Marokkos Oberrabbiner David Pinto und Casablancas Oberrabbiner Joseph Israel in Essaouira

Der Oberrabbiner von Casablanca sprach für König Mohammed VI. einen Segen aus. Herr Azoulay folgte dem Segen des Rabbiners mit einer Rede, in der er betonte, dass der Besuch des Königs in Essaouira die Wiederbelebung der Stadt beflügelt habe.

Marokko ein Land der Vielfalt.

„Der Besuch symbolisiert die Prägung unseres Jahrtausende alten und weltoffenen Marokkos, das in der Lage war, die sehr große Vielfalt zu schützen, die den zentralen Reichtum unseres Landes ausmacht“, zitierte die Maghreb Arab Press Andre Azoulay.

„Dieses Haus ist das Haus der Erinnerung und der Geschichte“, fuhr Azoulay fort. „Es ist auch das Haus des marokkanischen Kompasses, den die Welt heute braucht, eine Welt auf der Suche nach Orientierungspunkten, eine Welt, die sich von all jenen Werten abwendet, die die Werte unseres Landes unter der Führung von König Mohammed VI. sind“.

Kritik aus Islam-konservativen Kreisen

Trotz der überwiegend sehr positiven Medienresonanz in Marokko teilen nicht alle gesellschaftlichen Kräfte die vom Königshaus vorgelebte Toleranz gegenüber anderen Religionen. Marokkos Staatsoberhaupt, dass auch religiöses Oberhaupt der Marokkanerinnen und Marokkaner ist (Amir El Mouminin = Prinz oder Anführer der Gläubigen) verordnet dem Land eine tolerante Auslegung des Islams, der auch die kulturelle wie auch religiöse Vielfalt im Land berücksichtigen soll. In der Gegenseitigen Akzeptanz sieht König Mohammed VI. die Grundlage für ein friedliches und dem Fortschritt dienlichem Zusammenleben. Zugleich soll die gelebte Toleranz den radikalen Islamisten und potentiellen Terroristen die Grundlage in der Bevölkerung entziehen. Doch es gibt auch Kritiker. Vor allem Islam-konservative lehnen diesen Kurs ab. Für Sie ist Marokko nicht ein hauptsächliches sondern ein rein islamisches Land, das die Ausübung anderer Religionen ablehnen sollte. Gerade die Annäherung zum Judentum ist innenpolitisch nicht unproblematisch für den König.

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