Marokkanische Regierung warnt vor Separatismusbewegung im Rif.

Region Al Hoceima seit dem Tod von Mohcine Fikri in Aufruhr.

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Separatismusbewegung
Wiederkehrende Demonstrationen in der Region Al Hoceima

Wiederkehrende Demonstrationen in der Region Al Hoceima – Regierung warnt Separatismusbewegung im Rif.

Seit Monaten kommt die Region um Al Hoceima nicht zur Ruhe. Die Demonstranten in der Rif – Region prangern besonders die ineffiziente Bürokratie, Behördenwillkür und Mängel im Bildungswesen an. Ebenso wird auf die immer noch schwieriger wirtschaftliche Lage hingewiesen.

Gerade die jungen Menschen treibt die empfundene Perspektivlosigkeit auf die Straße, dies nicht nur friedlich. Das Rif – Gebiet fordert nicht nur Veränderungen und Autonomie, sondern zunehmend wird noch hinter vorgehaltener Hand auch von Separatismus gesprochen.

Regierung in Rabat warnt vor einer Separatismusbewegung im Rif.

Die Regierungskoalition unter der Leitung der PJD hat die Demonstranten in der Rif – Region gewarnt, eine Separatismusbewegung aufzubauen und voranzutreiben.

Führende Mitglieder der Koalitionsparteien, darunter der Innenminister Abdelouafi Laftit, trafen sich am letzten Sonntag um die Situation in der Küstenstadt Al Hoceima und ihren umliegenden Gebieten zu beraten. Nach der Besprechung trat der Regierungschef vor Pressevertreter.

Er sagte „Demonstrationen werden nach geltenden Gesetzen bewertet. Die Demonstranten sind aufgefordert privates und öffentliches Eigentum zu respektieren sowie separatistische Bestrebungen nicht zu verfolgen.“

Er fügte hinzu, dass die Demonstranten vorsichtig sein sollten, „hinsichtlich der Auslandkontakte oder Themen externer Politiker bzw. ausländischer Unterstützung.“ Ein deutlicher Hinweis auf mögliche Kontakte zum Nachbarland Algerien mit dem Marokko seit Jahrzehnten in einem gespannten Verhältnis lebt. Im weiteren Verlauf der Erklärung wies El Othmani darauf hin, dass die Regierung die Belange aller Regionen und Bevölkerungsgruppen berücksichtigen müsse. Dies müsse auch die Bevölkerung der Region Al Hoceima beachten. Es solle keine Regionen benachteiligt werden.

Weitere Regierungsmitglieder sind weniger diplomatisch.

Rachid Talbi Alami, Mitglied der Parteiführung der RNI sagte: „Die Situation in Al Hoceima war zu Beginn nachvollziehbar. Nun aber zeichnet sich eine negative Entwicklung ab, die von einer kleinen Gruppe auswärtiger Agitatoren beeinflusst wird. Nach Alami ist jeder Dialogversuch gescheitert.

Für die Mitglieder der Verfassungsunion bezeichnete der Parteiführer Mohamed Sajid, die Proteste als „einen Ausdruck legitimer Forderungen, bis zu dem Zeitpunkt, in dem es zu Handlungen kam, die die territoriale Integrität Marokkos bedrohten.

Sajid forderte die Anwendung des Gesetzes gegen „Agitatoren“ auf die Aktivisten in der Region Al Hoceima.

Khalid Naciri, Mitglied der Parteiführung der Partei „des Fortschritts und des Sozialismus“ (PPS), wurde in seiner Wortwahl noch deutlicher. Naciri verriet, dass der Innenminister einen Bericht vorlegte, der aufzeige, dass „die roten Linien überschritten ist“ und fügte hinzu, dass „soziale Forderungen“ nur „vorgeschoben“ seien.

Region Al Hoceima seit dem Tod von Mohcine Fikri in Aufruhr.

Die Situation in Al Hoceima und den benachbarten Gebieten ist seit dem Oktober 2016 und dem Tod von Mohcine Fikri angespannt.- maghreb-post berichtete. Der Fischverkäufer wurde in einem Mülltransporte tödlich verletzt, als sein illegaler Fischfang von Beamten vernichtet wurde – maghreb-post berichtete.

Warnung noch ohne Androhung konkreter Konsequenzen

Die Regierungsvertreter haben zwar erste Warnungen ausgesprochen und durch den gemeinsamen Auftritt auch Geschlossenheit demonstriert. Allerdings wurden keine konkreten Konsequenzen angedroht. Bisher haben sich die Sicherheitskräfte bedingt zurückgehalten und keine tödlichen Waffen eingesetzt. Die Zentralregierung in Rabat hat bisher versucht das Risiko einer weiteren Eskalation zu minimieren, was auch zu zahlreichen Verletzten unter den Sicherheitskräften geführt hat. Man wollte alles vermeiden, was an die Ereignisse in Tunesien 2011 erinnern könnte, die bekanntlich zum sog. arabischen Frühling führten. Ob sich dies nun ändert bleibt abzuwarten.

Ebenso könnte eine Reduzierung der Investitionsneigung in die Region drohen. Aktuell stehen zahlreiche Projekte an, die die wirtschaftliche Situation des Rifs verbessern könnten. Sowohl in Nador als auch in Al Hoceima sollen neue Häfen entstehen und Industrie angesiedelt werden. Auch die Initiative „Region Oriental“, die erst im März auf einer Tour durch Europa mit Zwischenstopp in Düsseldorf für Investitionen warb, möchte auf die Potentiale hinweisen. Diese Projekte könnten wegen der zunehmend unsicheren politischen Situation gefährdet sein.

Immer wieder Aufstände im Rif – meist blutig niedergeschlagen.

Die Bevölkerung des Rifs hat sich immer wieder gegen Fremdherrschaft oder zentralistische Regierungen erhoben. Anfang des letzten Jahrhunderts gegen Spanien und Frankreich unter der Führung von Abdel Krim –maghreb-post video.

Aber auch in den Jahren 1958 und 1959 wandte man sich gegen die Regierung von König Mohammed V., welche von Frankreich unterstützt wurde. Unter Führung von Kronprinz Hassan II. und General Oufkir marschierten ca. 20.000 Soldaten in das Rif – Gebiet ein und schlugen den Aufstand nieder. Auch 1984 kam es zu Protesten, die dazu führten, dass König Hassan II. sich in einer TV-Rede an die Demonstranten wandte und klar machte, dass er einen Bann gegen die Region verhängen würde.

Erst König Mohammed VI. ging wieder auf die Bevölkerung des Rif zu, investierte in Infrastruktur und siedelte in der Region von Tanger bis Nador Industrie an.

Auslandsmarokkaner weiterhin besorgt

Die im Ausland lebenden Marokkaner sind zunehmend besorgt. Es gibt eine langfristige Besorgnis hinsichtlich Stabilität und Frieden im Land. Die Folgen von Aufständen in der arabischen Welt sind allen noch präsent. Diese Erfahrungen möchte man Marokko gerne ersparen. Ähnlich den Aussagen von Rachid Talbi Alami und Mohamed Sajid können die sog. MRE die Forderungen nach sozialen und politischen Veränderungen nachvollziehen, aber nicht zu lasten einer möglichen Spaltung zwischen den Bevölkerungsgruppen des Landes. Jeder Einsatz für Veränderungen soll möglichst gewaltfrei stattfinden. Unter den in Deutschland lebenden Marokkanern machen die Berber aus dem Rif ca. 80% aus. Daher wird die Lage in der Region genau beobachtet.