Marokkos erster Satellit erfolgreich ins All geschossen.

Luft- und Raumfahrtindustrie für Marokko Teil der technologischen Entwicklung. Die Investition könnte sich schnell rechnen.

Marokkos erster Satellit
Marokkos erster Satellit im All ausgesetzt.

Marokkos erster Satellit dient der Erdbeobachtung, aber steht unter Kontrolle des Militärs.

Rabat – Für das Nordafrikanische Königreich war der heutige frühe Morgen ein spannender und historischer. Gegen 01:42 Uhr marokkanischer Zeit (02:42 Uhr MEZ) startete eine Rakete des Typs Vega vom Raumfahrtbahnhof Kourou in Französisch Guyana. An Bord Marokkos erster Satellit mit dem offiziellen Namen „Mohammed VI.-A“. Der Start der Rakete wurde im Internet und im marokkanischen Fernsehen live übertragen. Nach bisherigen Berichten lief der Start und das Aussetzen erfolgreich. Für Marokko ist der Start des Satelliten ein bedeutendes Ereignis, da das Königreich damit zum dritten afrikanischen Land mit einem eigenen Satellitensystem wird. Neben Marokko besitzen nur Ägypten und Südafrika eigene Satellitensysteme.

Marokkos erster Satellit ist nur einer von zweien.

Das bisher nur einem kleinen Kreis bekannte Projekt wurde 2013 von König Mohammed VI. und dem damaligen französischen Präsidenten François Hollande vereinbart. Gebaut wurde der ca. 1,1 Tonnen schwere Satellit vom europäischen Raumfahrt- und Rüstungskonzern Airbus Defense & Space und dem französisch-italienischen Raumfahrtunternehmen Thales Alenia. Das ca. 500 Millionen Euro umfassende Projekt beinhaltet, neben dem nun ins All geschossenen, einen zweiten Satelliten, der im kommenden Jahr fertiggestellt werden soll – maghreb-post berichtete.

Marokkos erster Satellit soll der Erdbeobachtung und Erdvermessung dienen.

Die offizielle Mission des Satelliten „Mohammed VI.-A“ ist es, bei der Kartierung und Landvermessung, der Regionalentwicklung, der landwirtschaftlichen Überwachung, der Verhütung und Bewältigung von Naturkatastrophen, der Überwachung von Umweltveränderungen und der Beobachtung der Wüstenbildung sowie der Grenz- und Küstenüberwachung zu helfen. Dazu ist der Satellit mit hochauflösenden Kamerasystemen ausgestattet. Darunter auch Wärme- und Infrarotsysteme, die Beobachtungen bei Nacht und schlechtem Wetter ermöglichen.

Sorge der Nachbarstaaten vor einer militärischen Nutzung.

Der erste marokkanische Satellit sorgt bei den Nachbarstaaten und in der arabischen Welt für Aufmerksamkeit und teils Sorge. Gerade Spanien und Algerien gehen davon aus, dass die technischen Systeme des Satelliten auch zu militärischen Zwecken eingesetzt werden. Neben der Grenzüberwachung zu Algerien und Mauretanien kann der Satellit auch das Mittelmeer überwachen. Die Nachbarländer fürchten, dass Marokko nun auch tief in das jeweilige Landesinnere sehen kann. Für Spanien brachte ein General gegenüber der Tageszeitung El Pais seine Bedenken zum Ausdruck. Die spanischen Militärs sehen die eigene technische Überlegenheit, damit das militärische Abschreckungspotential gegenüber Marokko, deutlich reduziert – maghreb-post berichtete. Trotz enger und freundschaftlicher Beziehungen zwischen Marokko und Spanien gibt es einige Grenzkonflikte zwischen den beiden Ländern.

Algerien befürchtet, dass Marokko nun die Truppenbewegungen im Nachbarland genauer beobachten wird und die Polisario geht davon aus, dass der Satellit zur Beobachtung der Flüchtlingslage in Tindouf zum Einsatz kommt.

Marokkanische Raumfahrtbehörde untersteht dem Militär.

Die marokkanische Raumfahrtbehörde (Royal Center for Remote Sensing Space (CRTS)), und damit auch das Satellitensystem, untersteht dem Militär. Das marokkanische Verteidigungsministerium hat in der Nähe des Hauptstadtflughafens Rabat/Salé eigens ein Kontrollzentrum errichtet. Damit hat Marokko die volle und uneingeschränkte Kontrolle über das eigene System. Welche Eigenschaften der für 2018 erwartete zweite Satellit hat, ist noch nicht bekannt.

Luft- und Raumfahrtindustrie für Marokko Teil der technologischen Entwicklung. Die Investition könnte sich schnell lohnen.

Im ersten Moment scheint die Investition von 500 Millionen Euro, für ein Land wie Marokko, eine seltsame zu sein. So gibt es kurzfristig gesehen zahlreiche Sorgen und Nöte, die gelindert werden müssen und für die man einen solchen Betrag eher einsetzen müsste. Doch die Investition könnte sich schnell für Marokko rechnen. Marokko ist nach wie vor ein Agrarland und ist zugleich dem Klimawandel ausgesetzt. Die marokkanische Volkswirtschaft ist von der landwirtschaftlichen Entwicklung abhängig. Der Klimawandel hat das Ernterisiko aber deutlich erhöht. Die Technologie der Satelliten könnte dabei helfen die landwirtschaftlichen Strukturen besser zu organisieren. Insbesondere wären Projekte im Kampf gegen die Ausbreitung der Wüste genauer strukturierbar, Infrastrukturprojekte durch sog. Typografische Karten besser planbar und der Bau von Bewässerungssystemen effizienter umzusetzen. Nur wenige Prozent an Effizienzsteigerung in der Landwirtschaft lassen die Investition bereits rentabel werden. Darüber hinaus versucht die marokkanische Regierung, Marokko als Standort für die Luft- und Raumfahrtindustrie attraktiv werden zu lassen. Bereits Boing und Bombardier haben beschlossen sich in Marokko zu engagieren – maghreb-post berichtete. Gespräche mit Russland und China laufen schon. Für Marokko wird es daher ein Standortvorteil sein, wenn man im eigenen Land Offenheit oder gar Kompetenz vorweisen kann. Auch für die Süd-Süd-Strategie in Richtung ECOWAS und Afrikanische Union entstehen interessante Dienstleistungsmodelle. So besteht für Marokko die Möglichkeit Dienstleistungen, im Rahmen der technischen Möglichkeiten des Satelliten „Mohammed VI.-A“ anzubieten und sich nochmals als positiver Partner der afrikanischen Gemeinschaft zu positionieren.

Marokko bereits vor 16 Jahren an einem Satelliten beteiligt.

Marokko hat bereits vor 16 Jahren begonnen erste Erfahrungen mit Satelliten zu sammeln. Unter dem Namen Maroc-Tubsat wurde 2001 ein Satellit ins All gebracht. Maroc-Tubsat ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen dem Institut für Luft- und Raumfahrt (ILR) der TU Berlin und des CRTS in Marokko. Auch hier sollte das System in erster Linie der Erdbeobachtung und Aufklärung dienen. Gleichzeitig diente der Satellit als Schulungsmöglichkeit.

Gesamtübertragung des Starts und des Aussetzens des Satelliten.