Rede von König Mohammed VI. – Marokko erinnert an den „Grünen Marsch“

06. November 2017 sprach König Mohammed VI. in seiner Rede zu den historischen Hintergründen und der Bedeutung der Westsahara für Marokko.

Rede
Rede König Mohammed VI. anlässlich des 42. Jahrestag des "Grünen Marsches" - Westsahara

Vollständiger Text der Rede von König Mohammed VI. vom 06. November 2017 in einer deutschen Fassung, erstellt von Maghren-Post.

Rabat – am 06. November 2017 sprach König Mohammed VI. in seiner Rede zu den historischen Hintergründen und der Bedeutung der Westsahara für Marokko. Die Rede wurde live im Fernsehen und Radio ausgestrahlt.

„Gepriesen sei Gott (Allah), Friede und Erlösung dem Propheten, seinen Nachkommen und seinen Gefährten.

Geliebtes Volk,

Heute sind wir sehr stolz darauf, den 42. Jahrestag anlässlich des „Grünen Marsches“ zu begehen. In wenigen Wochen werden wir an den 60. Jahrestag der Rede von König Mohammed V., möge er in Frieden ruhen, in M‘ hamid al-Ghizlan erinnern.

Warum sprechen wir diese beiden historischen Ereignisse an? Und was ist die Verbindung zwischen ihnen?

Was diese beiden Ereignisse gemeinsam haben, ist der unerschütterliche Bund, der den Thron und das Volk verbindet, wenn es um die territoriale Integrität der Nation geht, insbesondere im Hinblick auf die marokkanische Sahara.

Die historische Rede von M‘ hamid al-Ghizlan ist aus mehreren Gründen von großer Bedeutung. Sie stellt nicht nur einen Meilenstein in der Vollendung unserer territorialen Integrität dar, sondern hat auch eine grundlegende Tatsache bestätigt, die niemand leugnen kann, nämlich die Marokkotreue zur Sahara und das unerschütterliche Engagement des marokkanischen Volkes für sein Land.

Die Rede erfolgte unmittelbar nach der Unabhängigkeit Marokkos und bevor die Frage der Sahara 1963 bei den Vereinten Nationen gestellt wurde, zu einer Zeit, als noch keine Forderungen nach einer Befreiung der Sahara gestellt wurden, außer den legitimen Forderungen Marokkos und noch bevor Algerien unabhängig wurde.

Vor dem Hintergrund dieser Tatsachen hatte unser Großvater in Gesprächen mit den Führen und Vertretern der Saharaui-Stämmen, die gekommen waren, um ihm die Treue zu geloben – der Beia-, die historischen und legitimen Rechte Marokkos gegenüber der Sahara bekräftigt.

Er erklärte in der Sache und wir zitieren: „Wir verkünden feierlich, dass wir unsere Bemühungen für die Rückkehr unserer Sahara fortsetzen werden, im Rahmen der Achtung unserer historischen Rechte und im Einklang mit dem Willen ihrer Bewohner…“. Ende des Zitats unseres Großvaters, Gott segne ihn.
Diese Aussage unter Berücksichtigung der Umstände dieser Zeit, ist eindeutig und kann von niemandem in Frage gestellt werden. Sie ist mehr als eine Verpflichtung, sie ist Ausdruck einer dauerhaften Allianz zwischen dem Thron und dem Volk.

Darüber hinaus zeugt diese Proklamation davon, dass die Sahara stets marokkanisch gewesen ist, lange vor der künstlichen Inszenierung eines übertrieben dargestellten Konflikts um diese historische Wahrheit. Die Sahara wird so lange marokkanisch bleiben, bis Gott das Land erbt – was auch immer an Opfern nötig sein mag.

Getreu diesem heiligen Bund und auf der Grundlage der oben genannten historischen und politischen Legitimität hat mein verehrter Vater, Seiner Majestät König Hassan II. – gesegnet sei seine Seele -, den „Grünen Marsch“ ins Leben gerufen, um unsere südlichen Provinzen wiederzugewinnen.

Wir wandeln auf den Spuren unseres Großvaters und unseres Vaters und haben uns vorgenommen, jetzt, da die Erde befreit ist, mit dem gleichen Engagement daran zu arbeiten, dass die Menschen in diesen Provinzen die Voraussetzungen für ein würdiges Leben haben und ihre Entwicklung gefördert wird. Wir sind auch entschlossen, unsere Söhne und Töchter in den Lagern zu befreien und sie und das vollständig befreite Gebiet in das Mutterland aufzunehmen.

Geliebtes Volk,

Bei unserer Thronbesteigung schworen wir vor Gott und Ihnen, dass wir alles in unserer Macht stehende tun werde, um unsere territoriale Integrität zu verteidigen und dem Volk der Sahara die Bedingungen für ein freies und würdiges Leben zu ermöglichen.

Um dies zu erreichen, haben wir ständig dafür gesorgt, dass alle inneren wie äußeren Maßnahmen ergriffen werden, zur Verteidigung unserer legitimen Rechte und dies im Einklang mit den nationalen Entwicklungsanstrengungen sowie im Sinne der Solidarität und nationaler Einmütigkeit.

Auf internationaler Ebene setzt sich Marokko weiterhin für die von Seiner Exzellenz Antonio Guterres, dem Generalsekretär der Organisation der Vereinten Nationen, angestrebte Dynamik ein und arbeitet mit seinem persönlichen Gesandten zusammen, ohne dabei die Notwendigkeit außer Acht zu lassen, die damit verbundenen fest verankerten Prinzipien und Pflichten einzuhalten, auf denen die marokkanische Position beruht.

Hier sind einige davon:

Zum Ersten:

Die Sahara-Frage kann nur gelöst werden, solange Marokko nicht die volle Souveränität über seine Sahara und die Autonomieinitiative verliert, deren Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit die internationale Gemeinschaft erkannt hat.

Zum Zweiten:

Es sollten die Lehren aus der Vergangenheit gezogen werden, um über das Offensichtliche nachzudenken. Das Problem besteht nicht so sehr darin, eine Lösung für dieser Frage zu finden, sondern vielmehr darin, den Prozess zu definieren, der verfolgt werden muss, um sie hervorzubringen.

Es liegt daher an den Parteien, die an diesem Streitfall, der von Grund auf neu konstruiert wurde, beteiligt sind, ihre volle Verantwortung bei der Suche nach einer endgültigen Lösung zu übernehmen.

Zum Dritten:

Uneingeschränkte Achtung vor dem Mandat des Sicherheitsrats im Umgang mit diesem künstlichen regionalen Konflikt. Das Organ der Vereinten Nationen ist das einzige internationale Gremium, das für die Überwachung des Lösungsprozesses zuständig ist.

Zum Vierten:

Die völlige Ablehnung jeglicher Übertretung oder auch nur jedes Versuchs, die legitimen Rechte Marokkos oder seiner Interessen zu verletzen, verbunden mit der Ablehnung aller überholten Vorschläge, die darauf abzielen, den Streitbeilegungsprozess von dem festgelegten Mandat abweichen zu lassen oder andere Fragen einzuführen oder aufzuzwingen, die von anderen zuständigen Gremien behandelt werden.

Wie ich bereits mehrfach betont habe, werden wir national nicht darauf warten, dass die gewünschte Lösung gefunden wird. Stattdessen werden wir die Maßnahmen fortsetzen, die zur Förderung der Entwicklung unserer südlichen Provinzen und zur Sicherung eines freien und menschenwürdigen Lebens ihrer Bevölkerung ergriffen wurden. Daher werden wir parallel, zur Umsetzung der fortgeschrittenen Regionalisierung, das für diese Provinzen spezifische Entwicklungsmodell vorantreiben, das es den Einwohnern der Region ermöglichen soll, die demokratische Verwaltung ihrer Angelegenheiten sicherzustellen und zur Entwicklung ihrer Region beizutragen.

Die von uns eingeleiteten und in Kürze in Angriff genommenen Projekte, werden es der marokkanischen Sahara ermöglichen, sich als integriertes Wirtschaftszentrum zu etablieren, als Bindeglied zwischen Marokko und weiteren Ländern bis tief hinein nach Afrika. Sie werden auch dazu beitragen die Verbundenheit mit den afrikanischen Ländern und Region zu stärken.

Geliebtes Volk,

Wie ich bereits zuvor betont habe, geht es bei diesen Entwicklungsmodellen nicht nur um die Wirtschaft. Es handelt sich um ein integriertes gesellschaftliches Projekt, das darauf abzielt, die menschliche Erfüllung zu sichern, die Würde der Menschen zu wahren und dafür zu sorgen, dass der Mensch im Mittelpunkt des Entwicklungsprozesses steht.

Aus diesem Grund legen die Modelle besonderen Wert auf die Bewahrung des kulturellen Erbes der Sahara. Wir persönlich wissen, wie viel dieses Erbe den Menschen in der Region bedeutet. Deshalb kümmern wir uns sehr um die Kultur der Hassani und sorge dafür, dass sie sich angemessen präsentieren kann, indem wir die erforderlichen kulturellen Orte und Einrichtungen zur Verfügung stellen, künstlerische Initiativen und Veranstaltungen fördern und die Männer und Frauen, die sich mit Kultur, Kreativität und Kunst beschäftigen, ehren.

Selbstverständlich sind wir sehr daran interessiert alle Elemente unserer einheitlichen marokkanischen Identität zu fördern. Unserer Ansicht nach macht es keinen Unterschied um welche Region Marokkos es sich hinsichtlich der Kultur oder einer sprachlichen Besonderheit handelt – gleich ob es um die Sahara oder der Region Sousse, dem Region Rif, dem Atlas-Gebirge oder dem östlichen Teil des Landes handelt.

Die Sorge um das kulturelle Erbe der Region bedeutet jedoch nicht, Intoleranz oder Isolation zu fördern, und sollte auch kein Vorwand für Extremismus oder Separatismus sein. Vielmehr ist die Förderung des lokalen Erbes ein Mittel, um zu zeigen, wie stolz wir auf unsere kulturelle Vielfalt und auf alle Bestandteile unserer nationalen Identität in diesem Land sind, das die Verbundenheit seiner Regionen fördert. Es ist unsere kollektive Pflicht, dieses nationale kulturelle Erbe zu schützen, seine Bestandteile zu bewahren und den Austausch wie auch das Zusammenwirken zwischen diesen Teilen zu fördern, während wir gleichzeitig offen sind für universelle Werte, andere Gesellschaften und die Wissens- und Kommunikationsgesellschaft dieser Welt.

Geliebtes Volk,

Anlässlich des Gedenken an den Jahrestag des „Grünen Marsches“ und in Erinnerung an die Rede von M‘ hamid al-Ghizlan, sollten wir uns von den Idealen des wahren Patriotismus, vom Geist der Treue zu den heiligen Werten der Nation und vom Opfer für die Heimat inspirieren lassen.

Diesen Werten und der allgemeinen nationalen Mobilisierung ist es zu verdanken, dass Marokko in der Lage war, nicht nur seine südlichen Provinzen wieder zugewinnen, sondern auch seine Bemühungen um Fortschritte voranzutreiben und weiter voranzubringen.

Wir müssen uns heute an diese Werte erinnern und sie überall – in der Schule, in den Familien und in der Gesellschaft – leben, um die inneren und äußeren Herausforderungen unseres Landes zu meistern.

In diesem Zusammenhang möchten wir zum Ausdruck bringen, wie stolz wir auf unsere Königlichen Streitkräfte und alle unsere Sicherheitsdienste sind und wie sehr wir ihr Handeln, ihre Opfer und ihre ständige Bereitschaft, unter unserer Führung, schätzen, um die territoriale Integrität unserer Nation zu verteidigen und Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten.

Für uns ist dies eine Gelegenheit, unser Engagement zu erneuern, den Geist der gemeinsamen Anstrengungen zu stärken und letztlich die Dynamik der umfassenden Entwicklung in allen Regionen Marokkos, insbesondere in den südlichen Provinzen, anzuregen. Diese Bemühungen werden im Rahmen eines vereinigten Marokkos unternommen, das allen seinen Kindern Freiheit, Würde und soziale Gerechtigkeit garantiert.

Ich kann mir kein besseres Andenken an die Helden der Befreiung und der Unabhängigkeit vorstellen – allen voran im Gedenken an unseren ehrwürdiger Großvater, Seine Majestät König Mohammed V. –möge er in Frieden ruhen –  noch gibt es einen erhabeneren Ausdruck des Bekenntnisses zum Schwur des „Grünen Marsches“ sowie gegenüber seinem Architekten, meinem verehrten Vater, Seiner Majestät König Hassan II.

Wassalamou alaykoum wa rahmatoullahi wa barakatouh“