Algerien – Kongress der Polisario ruft zum verstärkten Kampf gegen Marokko auf.

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Der 16. Kongress der Frente – Polisario wird im Flüchtlingslager Dakhla in Algerien fortgesetzt. Aufruf von Brahim Ghali zur Einigkeit im Kampf gegen Marokko.

Der Westsahara-Konflikt zwischen Marokko und der von Algerien unterstützten Polisario-Front besteht seit dem Rückzug der ehemaligen Kolonialmacht Spanien im Jahr 1975. Die Unabhängigkeitsbewegung fordert ein Referendum zur Selbstbestimmung unter der Schirmherrschaft der UNO, während Rabat eine Autonomie unter seiner Souveränität vorantreibt.

Der Generalsekretär der Polisario und zugleich Präsident der 1976 selbsternannten Arabischen Republik Sahara (SADR), Brahim Ghali, sprach am Freitag zu den mehr als 2.000 versammelten Delegierten und rief auf: „zur Unterstützung, Einigkeit und für die nationalen Möglichkeiten gegen die niederträchtigen Verschwörungen und bösartigen Machenschaften Marokkos“ einzustehen, und betonte: „Die Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes war Ausdruck der festen Position der Ablehnung der Besatzung.“ … „Die Fortsetzung des bewaffneten Kampfes nach dem Bruch des Waffenstillstands durch die marokkanische Besatzungsmacht am 13. November 2020 hat die Westsahara-Frage wieder auf die internationale Bühne gebracht“, zitiert das Nachrichtenportal africanews Brahim Ghali. Der Kongress begann am 13. Januar und ist bis zum 17. Januar 2023 angesetzt.

Keine Lösung in Sicht.

Ende Oktober 2022 hatte der UN-Sicherheitsrat zu einer Wiederaufnahme der Verhandlungen aufgerufen. Auch ein neuer UN-Gesandter reiste in den letzten Monaten mehrmals in die Region, ohne Fortschritte zu erzielen.

Derzeit ist eine Lösung des Konflikts nicht in Sicht. Marokko baut Widerstände ab oder sammelt sogar zunehmend erfolgreich Unterstützung für die eigenen Position und den eigenen Hoheitsanspruch auf die Westsahara / marokkanische Sahara ein.
So stehen die meisten arabischen Länder, vor allem die Mitglieder des Golf-Kooperationsrates, sowie zahlreiche afrikanische Staaten zunehmend hinter Marokko.

Auch erste europäische Staaten haben ihren Widerstand gegenüber der marokkanischen Hoheit über die Region entweder zurückgefahren, aufgegeben oder gar in eine Unterstützung für den von Rabat vorgelegten Autonomieplan umgewandelt, darunter neben dem engen Verbündeten Frankreich nun auch Deutschland, Niederlande, Großbritannien und vor allem Spanien. Besonderes Gewicht hatte die vollständige Anerkennung der Westsahara / marokkanischen Sahara als Teil des Königreiches durch die USA und einem Dekret des ehemaligen Präsidenten Donald Trump.
Zugleich werden Milliarden von marokkanischen Dirhams MAD von Rabat in den Ausbau der Infrastruktur und verkehrstechnischen Verbindung mit dem Rest des Königreichs investiert.

Polisario wird vor allem von Algerien unterstützt.

Die Polisario wird vor allem durch die Republik Algerien aber auch Südafrika unterstützt, wobei sich die Unterstützung durch Algerien nicht nur in der Aufnahme von Flüchtlingen beschränkt, sondern das Nachbarland Marokkos und größter Rivale um Einfluss im Maghreb sowie in Afrika, stellt militärische Ausrüstung und Logistik zur Verfügung.

In Algerien ist die Unterstützung für die Polisario Staatsräson, obwohl man in Algier immer wieder betont, keine direkte Konfliktpartei zu sein und sich derzeit weigert, an möglichen Friedensgesprächen (Runder Tisch) teilzunehmen. Darauf besteht aber das Königreich Marokko.

Die Frente Polisario wird nicht müde, nahezu täglich von angeblichen oder tatsächlichen Kampfhandlungen gegen Marokko auf der eigenen Webseite und auf der Webseite der algerischen staatlichen Nachrichtenagentur APS zu berichten. Marokko und seine Medien erwähnen in der Regel Zusammenstöße nicht.

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