Algerien – Mehr Gas für Italien – Draghi in Algier erwartet.

Reise trotz Regierungskrise in Rom

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Quelle Ministerpräsident Italien - Algier, 04.11.2022 - Premierminister Mario Draghi mit dem Präsidenten der Demokratischen Volksrepublik Algerien, Abdelmadjid Tebboune, im Gebäude „El Mouradia“.

Italienischer Ministerpräsident Draghi reist zur Unterzeichnung eines weiteren Gas – Abkommens nach Algerien

Algier – Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi wird an diesem Montag in Algerien erwartet. Bei seinem Kurzbesuch in der algerischen Hauptstadt Algier geht es um ein neues Gas – Abkommen zwischen den beiden Ländern. Nach italienischen Medienberichten soll es um eine Aufstockung der bereits vereinbarten Gasmengen um weitere vier Milliarden Kubikmeter gehen. Neben der zusätzlichen Gasmenge sollen Italien und Algerien auch vereinbaren, in den Bereichen Umwelt und Wirtschaft weitere Projekte aufzulegen.

Für das Jahr 2022 wird Italien damit über sechs Milliarden Kubikmeter Gas aus Algerien beziehen. In der ersten Jahreshälfte sollen es bereits 13,9 Milliarden Kubikmeter Erdgas über eine direkte Pipeline über Tunesien gewesen sein. Das algerische Gas kommt, über die Trasnmed-Pipeline über Tunesien in Mazara del Vallo auf Sizilien an.

Abhängigkeit von russischem Gas soll verringert werden.

Bereits im vergangenen April besuchte Ministerpräsident Draghi Afrikas größtes Flächenland. Begleitet wurde er vom Vorstand des italienischen Energiekonzerns ENI, Claudio Descalzi, und dem Minister für den ökologischen Wandel, Roberto Cingolani. Das damalige Abkommen sah die Lieferung von bis zu 10 Milliarden Kubikmeter algerischen Gases bis zum kommenden Winter an Italien vor. Dies würde ca. 30% des bisher aus Russland bezogenen Erdgases entsprechen. Zugleich verpflichtete sich ENI bei der Suche oder Erschließung neuer Gas- und Ölvorkommen sowie der Modernisierung der Infrastruktur im Energiesektor zu engagieren.

Ob durch eine Hinwendung zu Algerien als Gaslieferant eine Unabhängigkeit vom Einfluss Russlands tatsächlich erreicht werden kann, sollte in Italien und anderen Ländern Europas kritisch hinterfragt werden. Für Algerien ist Russland der wichtigste Partner. Russland ist Algeriens Ansprechpartner im UNO – Sicherheitsrat und wichtigster Rüstungslieferant vor China und Deutschland. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Moskau im weiteren Verlauf des Konflikts mit der EU, der NATO und den USA im Kontext des Ukrainekriegs seinen Einfluss auf Algier nutzen könnte, alleine um Unsicherheiten z.B. in Italien auszulösen.

Reise trotz Regierungskrise in Rom

Wie italienische Medien berichten, hat der noch Ministerpräsident Draghi seine Reise nach Algerien verkürzt. Geplant sei ein zweitägiger Aufenthalt in Algier gewesen. Nun wird Mario Draghi wohl schon am frühen Dienstagmorgen nach Rom zurückkehren.

Seine Regierung befindet sich derzeit in einer Krise. Mario Draghi hatte bereits seinen Rücktritt angekündigt der vom Staatsoberhaupt Sergio Mattarella abgelehnt worden. Mario Draghi hatte am vergangenen Mittwoch eine Abstimmung zu einem Entlastungspaket für die Bürgerinnen und Bürger mit der Vertrauensfrage verknüpft. Sein eigener Koalitionspartner, die 5-Sterne Bewegung, war gegen das Paket und nahm an der Abstimmung im Parlament nicht teil. Zwar gewann die Regierung Draghi letztendlich die Abstimmung und damit auch die Vertrauensfrage im Parlament, doch die Koalition droht nun zu zerbrechen. Am kommenden Mittwoch wird sich Ministerpräsident Draghi zu seinen Plänen im Parlament äußern.

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