Marokko – AU – Gipfel Schauplatz der Rivalität zwischen Algerien und Marokko.

Marokkos Punktsieg gegen Algerien in Addis Abeba

AU - Gipfel
30. Gipfel der Afrikanischen Union

Marokko neues Mitglied des afrikanischen Friedens- u. Sicherheitsrates und Algerien verliert dessen Vorsitz.

Addis Abeba – Algerien und Marokko tragen ihre diplomatischen Auseinandersetzungen auf der Bühne der Afrikanischen Union (AU) aus. Gestern ging der 30. AU – Gipfel, der am 28. Und 29. Januar in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba stattfand, zu ende. Dieser AU – Gipfel stand ganz im Zeichen des Kampfes gegen die Korruption. Marokko setzte, kaum ein Jahr nach seiner Rückkehr in die afrikanische Organisation, seine diplomatische Agenda offensiv fort.

Marokkos Afrika – Agenda ist offensichtlich.

Die marokkanische Afrika – Agenda besteht im Wesentlichen aus drei Teilen. Zum einen die Öffnung Afrikas für die Umsetzung der marokkanischen Wirtschaftsstrategie, die daraus besteht, sich als internationaler Hub (Dreh- und Angelpunkt) für Afrika zu positionieren. Von Marokko aus sollen marokkanische wie internationale Konzerne Afrika erobern können. Für die marokkanischen Konzerne ist die Sub-Sahara-Region und damit der ECOWAS – Beitritt wichtig.

Zum zweiten soll die politische Achillesferse Westsahara (marokkanische Sahara) besser aus der Schusslinie genommen, wenn nicht gar final geschützt werden. Dazu ist es wichtig, dass die Unterstützung für die Saharauische Arabische Demokratische Republik (SADR) geringer wird. Die Saharafrage soll auf der Bühne der UNO geklärt werden, wo sich Marokko mehr Zustimmung für den eigenen Autonomieplan ausrechnet.

Zum dritten wird versucht den Einfluss des Nachbarn und Rivalen Algerien in Afrika zurückzudrängen. Dabei hängen die letzten beiden Punkte eng zusammen.

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Marokko zum Mitglied im Friedens- und Sicherheitsrat (PSC) gewählt

Obwohl König Mohammed VI. nicht selbst nach Addis Abeba reiste, so war die diplomatische Offensive deutlich zu sehen. Neben dem Außenminister Nasser Bourita entsandte der Monarch auch seinen Premierminister zum AU – Gipfel.

Saad-Eddine El Othmani
Marokkanischer Premierminister Saad-Eddine El othmani

Es ging um einen weiteren Punktsieg Marokkos gegen seine Kritiker, hier vorweg gegen Algerien. Im Vorfeld des AU – Gipfels hatte Marokko deutlich gemacht, dass man für mindesten zwei Jahre Mitglied im Friedens- und Sicherheitsrat (PSC) der Afrikanischen Union sein möchte. Der „Peace and Security Council“ ist das Gremium, in dem alle inner-afrikanischen Konflikte beraten werden. Mit 39 Ja-Stimmen und 16 Enthaltungen konnte sich Marokko über diesen ersten Erfolg seit seiner Rückkehr in die AU freuen. „Der Beitritt zum PSC war unser Hauptziel für das vergangene Jahr“, sagt Bourita im Gespräch mit „Lemonde“. „Dies ist von grundlegender Bedeutung, denn hier werden wichtige Fragen für Marokko behandelt, insbesondere im Hinblick auf die Sahara.

Bourita
Marokkanischer Außenminister Nasser Bourita

Marokkos Punktsieg gegen Algerien in Addis Abeba

Die Wahl Marokkos in dieses so wichtige Gremium stellt auch einen weiteren taktischen und diplomatischen Punktsieg im Konflikt mit Algerien da. Seit seiner Gründung hielt Algerien den Vorsitz im PSC. Nicht nur dass Algerien die Rückkehr Marokkos in die AU nicht verhindern konnte, Algerien konnte auch den Eintritt Marokkos in den PSC nicht unterbinden. Zu allem Überfluss hat Algerien den Vorsitz in dem Gremium abgegeben, indem es seine Kandidatur kurz vor der Abstimmung zurückzog. „Wir zogen es vor, unsere Bewerbung für das Jahr 2019 vorzubereiten und eine dreijährige Amtszeit anzutreten“, sagte der Leiter der algerischen Diplomatie, Abdelkader Messahel. Durch den Verzicht Algeriens verliert die SADR eine laute Stimme der Unterstützung an einflussreicher Stelle. Kein Wunder, dass die marokkanischen Diplomaten mit sich zufrieden sind. Sie werten die Mitgliedschaft im PSC als Punktsieg auch in der diplomatischen Auseinandersetzung mit Algerien.

Messahel
Algerischer Außenminister Adelkader Messahel

AU einzige Bühne für eine direkte diplomatische Konfrontation.

Algerien besitzt innerhalb der afrikanischen Union noch immer einen guten Ruf, da es den Algeriern gelungen ist, sich als Vertreter von Freiheit und Selbstbestimmung der afrikanischen Nationen zu positionieren. Die Afrikanische Union AU ist der letzte wirkliche Ort der direkten diplomatischen Konfrontation zwischen Marokko und Algerien. Die SADR ist dabei lediglich Spielball. Für Marokko ist die SADR unsichtbar und von Algerien offen unterstützt. Trotz des diplomatischen Punktsieges für Marokko wird Algerien sicher eine eigene Strategie entwickeln und auf eine Gelegenheit warten, seine eigene Position zu stärken. Ob dies hilfreich für eine wünschenswerte Annäherung ist, bleibt fraglich.

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Ansehen der marokkanischen Diplomaten beschädigt.

Trotz der positiven Abstimmungsergebnisse, die die marokkanische Diplomatie immer wieder für sich einfahren konnte, sinkt das Ansehen der marokkanischen Diplomaten. Dabei beschädigen die Abgesandten des Königs ihren Ruf selbst. Die offen betriebene Interessenspolitik, die auch die Instrumente des Drucks kennt, und das als arrogant wahrgenommene Auftreten einiger hochrangiger Vertreter aus dem Umfeld des Außenministers, lassen die Sympathie für Marokkos Engagement schwinden. Wie „Lemond“ berichtet wird sich schon hinter vorgehaltener Hand beschwert, dass sich die Marokkaner für etwas Besseres und sich für überlegen halten. Die ersten afrikanischen Diplomaten wettern schon, dass dies nicht lange gut gehen kann. Die Kritik ist auch in Marokko selbst angekommen. Hier muss Marokko offensichtlich vorsichtig sein, denn die Öffnung der afrikanischen Märkte für Marokko kann nur gelingen, wenn man das Vertrauen Afrikas gewinnt. Dies gilt auch für die noch immer wackelige Bewerbung als ECOWAS – Mitglied.

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