Marokko – Bourita zu Blitzbesuch in Rom

Strategischer Dialog soll mit Leben gefüllt werden.

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Außenminister
Quelle Außenministerium - Außenminister Bourita und italienischen Amtskollegen Luigi Di Maio kommen zu Gesprächen zusammen.

Marokko und Italien sprechen über bilaterale Themen und über die Ergebnisse des Libyen – Dialogs Bouznika II.

Rom – Nur einen Tag nach dem Ende der sog. Bouznika II Gespräche, bei denen die beiden libyschen Bürgerkriegsparteien in der marokkanischen Küstenstadt über die Machtaufteilung in Libyen verhandelten, reiste der marokkanische Außenminister Nasser Bourita nach Rom. Bei dem Treffen mit seinem italienischen Amtskollegen Luigi Di Maio sollen, nach offiziellen Stellungnahmen, vor allem bilaterale Themen besprochen worden sein. Aber die Situation in Libyen hat einen hohen Stellenwert in Italien. Die ehemalige libysche Besatzungs- und Kolonialmacht Italien hat neben wirtschaftlichen Interessen auch innenpolitische Themen zu bearbeiten, die eng mit der Bürgerkriegssituation vor Ort zusammenhängen.

Strategischer Dialog soll mit Leben gefüllt werden.

Der gestrige Besuch von Nasser Bourita (7. Oktober 2020) führte zu dem ersten bilateralen Treffen im Rahmen des kürzlich vereinbarten strategischen Dialogs zwischen den beiden Ländern.

Italien
Außenminister Bourita trifft italienischen Amtskollegen Luigi Di Maio

In einer gemeinsamen Pressekonferenz nach dem Treffen nannten die beiden Spitzendiplomaten die besprochenen Themen. Auf der Agenda standen irreguläre Migration, die Situation in der Sahelzone und die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Italien betrachtet Marokko verstärkt als Drehscheibe für den afrikanischen Kontinent. Beide bestätigten auch, dass über die Ergebnisse des am Dienstagabend zu Ende gegangenen Bouznika II Libyen – Dialogs gesprochen worden ist. Luigi Di Maio betonte, dass Italien Marokko als „einen zentralen Partner“ betrachtet. Er betonte den gemeinsamen Willen, eine bereits wichtige bilaterale Beziehung weiter auszubauen.

Marokko – Libysche Konfliktparteien unterzeichnen Vereinbarung in Bouznika.

Italien und Marokko wollen strategische Zusammenarbeit ausbauen.

Italien und das nordafrikanische Königreich Marokko wollen ihre Beziehungen zueinander verbessern. Dazu hat man 2019 intensive Gespräche aufgenommen. Im November 2019 wurde in Rabat ein Abkommen über den strategischen Dialog unterzeichnet, zwei Monate nach der Ernennung des neuen Außenministers Luigi Di Maio. Italien sucht nicht zuletzt für seine Autoindustrie neue Absatzmärkte und beobachtet die Entwicklung von Renault in Marokko genau. Das Königreich ist daran interessiert produzierendes Gewerbe zu Investitionen ins Land anzulocken. Italienische Automobilzuliefere und Maschinebauer sind teilweise schon in Marokko aktiv. Einen Hersteller wie FIAT neben Renault zu gewinnen, würde die Automobilproduktion breiter aufstellen und neue Arbeitsplätze schaffen. Zugleich plant man in Rabat eine eigene Rüstungsindustrie aufzubauen. Neben französischer und amerikanischer Unterstützung könnte auch italienisches Wissen von Interesse sein.

Viertgrößte Gruppe der MRE lebt in Italien.

Hinzu kommt, dass in Italien inzwischen mehr als 500.000 Menschen mit marokkanischen Wurzeln offiziell leben. Damit lebt in Italien die viertgrößte Gruppe der sog. MRE (Marokkaner mit ständigem Wohnsitz im Ausland). Nur in Frankreich, Israel und Spanien leben mehr marokkanische Staatsbürger und Staatsbürgerinnen. Die rechts-konservative Regierung Italiens nutzt innenpolitisch Vorbehalte gegen die Migration und will Marokko dazu motivieren, gegen Migrationsursachen vorzugehen. Dafür will man in Rabat Unterstützung in anderen Fragen aus Rom.

MREs
MREs vor allem in Europa und Israel.
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