Marokko – Demonstrative Harmonie zw. Frankreich und Marokko.

Spekulationen über Konflikte sollen entkräftet werden.

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Premierminister
Marokkanischer Premierminister Dr. Saâd-Eddine El Othmani (li) und französischer Premierminister Edouard Philippe (re.) 12-2019

Bei den 14. Regierungskonsultationen betonen beide Premierminister die „ausgezeichneten Beziehungen“ beider Länder in Paris.

Paris – Hochgeschwindigkeitszug, Standortverlagerung der Automobilindustrie, bilaterale Beziehungen, gemeinsame Sicherheitsstrategie im Anti-Terrorkampf, … Edouard Philippe und Dr. Saâd-Eddine El Othmani nutzten die Gelegenheit, bei den gestrigen Regierungskonsultationen, Harmonie zu demonstrieren.

Auf einer Pressekonferenz, am 19. Dezember 2019, in Paris, am Rande der 14. hochrangigen Regierungskonsultationen zwischen Frankreich und Marokko, stellten sich der marokkanische Regierungschef, Dr. Saâd-Eddine El Othmani und sein französischer Amtskollege, Edouard Philippe, den Medien.

Beider sprechen von „ausgezeichneten“ Beziehungen.

Die Beziehungen zwischen Frankreich und Marokko sind „ausgezeichnet“, so der marokkanische Premierminister El Othmani und der französische Premierminister Philippe. El Othmani antwortete auf eine Frage der Nachrichtenagentur AFP, nach „Spannungen oder Missverständnisse“ zwischen den beiden Ländern, über die in den letzten Monaten in der marokkanischen Presse berichtet wurde, und sagte, er sei zufrieden. „Zwischen uns beiden, den Verantwortlichen, gibt es keine Missverständnisse, denn wir haben verstanden, was bei diesen für beide Länder wichtigen Projekten auf dem Spiel steht“, sagte der marokkanische Regierungschef und bezog sich dabei insbesondere auf die Erweiterung des Schienennetzes und der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Casablanca und Marrakech bzw. Marrakech und Agadir. „Es gibt keine Befürchtungen“, sagte er weiter.

Spekulationen über Konflikte sollen entkräftet werden.

Seit Wochen spekulieren marokkanische Medien über eine angespannte Lage zwischen Paris und Rabat. Dies nicht völlig unbegründet. Frankreich will das Neubauprojekt „Al Boraq“ weiterführen. Dabei soll der erste afrikanische Hochgeschwindigkeitszug zukünftig nicht nur Tanger und Casablanca verbinden, sondern über Marrakech bis nach Agadir geführt werden, was ein Milliarden-Projekt wäre. Doch gerade für den Ausbau des Schienennetzes hat Frankreich mit China einen sehr ernstzunehmenden Konkurrenten. Zuletzt äußerte sich der französische Wirtschaftsminister, Bruno Le Maire, über das Engagement von PSA und Renault und regte an, dass die Konzerne die Produktion wieder nach Frankreich umsiedeln. Das wäre ein schwerer Schlag für die marokkanische Wirtschaft. Politische Beobachter sahen darin auch eine Drohung in Richtung Rabat, damit China beim Al Boraq Projekt nicht berücksichtigt wird. Auch der immer wieder verschobene Besuch von Macron in Marokko, wurde als Indiz für Spannungen gewertet.

Marokko – China an Zugstrecke Agadir – Marrakesch interessiert.

Marokkanischer Premierminister nennt französischen Amtskollegen „Freund“.

Wenige Minuten vor der Pressekonferenz hatte Premierminister El Othmani bereits in seiner Rede, die Bedeutung der „guten Beziehungen zwischen den beiden Ländern“ betont. Er sagte, dass sich diese Beziehungen „ausgezeichnet, stetig, ausgewogen und in einem Rahmen gegenseitiger Achtung“ befinden. Er fuhr fort: „Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um meinem Freund, dem französischen Premierminister, zu danken […] für den herzlichen Empfang, der uns bereitet wurde, und für das große Interesse, das diesem hochrangigen Treffen unter den Umständen entgegengebracht wurde, in denen wir wissen, wie beschäftigt der Premierminister in diesen Tagen in Frankreich ist“.

Französischer Premierminister stimmt zu und bleibt dennoch wage.

„Konnten Sie Ihren marokkanischen Amtskollegen in der Frage der Standortverlagerung oder der Umsiedlung von Autofirmen beruhigen, die in Marokko offenbar große Besorgnis ausgelöst haben“, fragte die AFP auch Edouard Philippe. Der französische Premierminister hat heute nur eine Teilantwort gegeben. Mit Blick zu seinem marokkanischen Amtskollegen sagte er:„Sie sagten auf Arabisch…, dass die Beziehungen zwischen den beiden Ländern ausgezeichnet sind, und Sie sagten es zweimal. Ich habe nichts zu korrigieren, zu berichtigen oder dieser Aussage hinzuzufügen“. Die Beziehungen sind ausgezeichnet. Die Atmosphäre während unserer Treffen heute Morgen war entspannt und freundlich. Ich habe keine Besorgnis wahrgenommen“, fuhr er fort und wandte sich nochmals an Saâd Eddine El Othmani. „Im Gegenteil, es bestand die Bereitschaft, mit Freunden zusammenzuarbeiten, mit Mitgliedern einer Regierung, die sich gemeinsam mit Themen von gemeinsamem Interesse befassen müssen“, ergänzte er.

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