Marokko – Deutscher Botschafter vor Abberufung.

Auswärtiges Amt bestätigt Abberufung des deutschen Botschafters in Rabat.

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Quelle marokkanisches Finanzministerium - Deutscher Botschafter Götz Schmidt-Bremme und Finanzminister Mohamed Benchaâboun 22 Juli 2020 in Rabat

Spekulationen über Abberufung von Dr. Götz Schmidt-Bremme, deutscher Botschafter in Rabat.

Berlin/Rabat – Die gegenwärtige politische Stimmungslage zwischen Deutschland und Marokko ist weiterhin von Spannungen und einer eingeschränkten direkten Kommunikation geprägt. Am 1. März 2021 verhängte das marokkanische Außenministerium für alle Ministerien einen Abbruch jeder Kommunikation mit der Deutschen Botschaft in Rabat. Zunächst gab es offiziell keine Begründung von Seiten Marokkos für diese Maßnahme, doch aus informierten Kreisen in Rabat war schnell zu erfahren, dass sich über Monate die Verärgerung im Außenministerium aufgebaut hat. Aus Sicht Marokkos lässt die deutsche Regierung die nötige Wertschätzung und den angebrachten Respekt für die diplomatische Rolle des Königreichs in der Befriedung des libyschen Bürgerkriegs vermissen und lässt es zugleich zu, dass die territoriale Integrität, die aus Sicht Rabats ausdrücklich die Westsahara mit einbezieht, durch die deutsche Diplomatie und einzelne Parteien in Frage gestellt wird.

Abberufung des deutschen Botschafters soll bevorstehen.

Offiziell reagierte Deutschland mit Unverständnis auf die diplomatische Eskalation und Sprach bei der Bundespressekonferenz am 3. März 2021 von traditionell engen, freundschaftlichen und spannungsfreien Beziehungen zwischen beiden Ländern und versuchte zugleich, mit Verweis auf Entwicklungshilfen, Druck in Richtung Rabat auszuüben.
Doch in der marokkanischen Hauptstadt scheint man wenig beeindruckt gewesen zu sein. Stattdessen berichten erste deutsche Institutionen und Unternehmen über spürbare Behinderungen und Einschränkungen ihrer Aktivitäten und übten von sich aus Druck auf Deutschland aus, Bewegung in die Angelegenheit zu bringen.

Nun meldet das Nachrichtenportal Africa intelligence, dass Berlin ein Signal in Richtung Marokko senden würde, in dem es in Kürze den deutschen Botschafter, Dr. Götz Schmidt-Bremme, abberufen werde. Die Abberufung soll den Dialog wieder verbessern.

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Deutscher Botschafter in Marokko – Dr. Götz Schmidt-Bremme

Auswärtiges Amt bestätigt Abberufung des deutschen Botschafters in Rabat.

Auf Nachfrage von Maghreb-Post bestätigte das deutsche Auswärtige Amt in Berlin am heutigen Nachmittag, die Abberufung von Botschafter Dr. Götz Schmidt-Bremme in nächster Zeit. Dabei würde es sich, aber lediglich um eine turnusmäßige Beendigung seiner Amtszeit handeln. Auf einen möglichen Zusammenhang zu den aktuellen diplomatischen Spannungen wird nicht eingegangen.

In der Erklärung des deutschen Außenministeriums heißt es:

„Der Botschafterposten an der Botschaft Rabat wird – wie an zahlreichen anderen Auslandsvertretungen weltweit – zum Sommer 2021 regulär und turnusgemäß nach Ablauf der vorgesehenen Standzeit neu besetzt.“

Botschafter Schmidt-Bremme seit 2017 im Amt.

Botschafter Schmidt-Bremme vertritt die deutschen Interessen seit 2017 in Rabat. In den letzten Jahren organisierte er zahlreiche Abkommen zwischen Marokko und Deutschland. Besonders gefordert wurde er und die deutsche Botschaft, nach Ausbruch der Coronavirus – Pandemie und der Grenzschließungen durch Marokko im März 2020. Er und sein Team organisierten zahlreiche Flüge für gestrandete deutsche Staatsbürger und Personen mit ständigem Wohnsitz in Deutschland. Botschafter Schmidt-Bremme überwachte die Abreiseaktionen und Sonderflügen teils persönlich an den Flughäfen von Casablanca und Marrakech.

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Quelle deutsche Botschaft Rabat – Deutscher Botschafter am Flughafen Casablanca März 2020

Aufmerksamkeit erregte er zuletzt, nach einem Interview mit dem Nachrichtenportal hesspress, das nur wenige Wochen vor dem Kommunikationsabbruch stattfand und in dem er sich offen gegenüber dem Autonomieplan Marokkos für die Westsahara zeigte. Eine Haltung die in der Regierungspartei und Koalitionspartner SPD nicht geteilt wird, die durch Heiko Maas den aktuellen deutschen Außenminister stellt.

Gemeinsame wirtschaftliche Interessen

Klar ist, dass die beiden Länder gemeinsame und umfängliche wirtschaftliche Interessen haben. Insbesondere will man bei der Produktion von grünem Wasserstoff eng zusammenarbeiten. Für Deutschland ist das Thema Wasserstoff für den Automobilsektor aber vor allem für die Industrie, als Ersatz für Erdgas, von großer Bedeutung. Zugleich könnte man so einen Zugang zu Marokko bekommen, den man bisher versäumt hat aufzubauen, in dem man auf Algerien gesetzt hat, dass zunehmend finanziell klamm und politisch instabil wird. Marokko zeigt sich offen für eine Zusammenarbeit auf diesem neuen Energiesektor, gehört das Land doch zu einem der weltweiten Vorreiter in Sachen alternative Energiegewinnung. Man will seine gute Position ausbauen. Zugleich will man auf den Partner Frankreich nicht warten müssen, während die sog. Grand Nation weiterhin auf Atomstrom setzt und wohl noch etwas Zeit für seine „grüne Wende“ benötigt.

Marokko – Deutsche Politik zeigt sich über Kommunikationsabbruch verwundert und bedrängt Marokko.

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