Marokko – El Othmani beim China-Afrika-Gipfel

Chinas Engagement in Afrika nicht unumstritten.

China
Quelle Facebook - Marokkanischer Premierminister El Othmani in China

Regierungschef vertritt Königreich beim FOCAC.

Peking – Regierungschef Saad-Eddine El Othmani weilte für zwei Tage in China und vertrat Marokko beim Forum on China-Africa Cooperation (FOCAC). Das Forum fand gestern und heute statt und stellte die Weiterentwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Afrika und China in den Mittelpunkt der Beratungen. An den Beratungen nahmen zahlreiche Staats- und Regierungschefs teil. Auch Marokko versucht zunehmend die Beziehungen zu China zu vertiefen, um das „Reich der Mitte“ als Investor zu gewinnen. Auf dem Gipfel kündigte der chinesische Staatschef Xi Jinping an, ca. 60 Milliarden US-Dollar (ca. 51,7 Milliarden Euro) in den nächsten fünf Jahren in Afrika zu investieren. Auch Marokko möchte einen Teil auf sich ziehen. Doch Chinas Engagement ist nicht selbstlos.

60 Jahre Beziehungen zwischen China und Marokko.

China und Marokko feiern in diesem Jahr das bestehen von 60 Jahren bilateraler Beziehungen. Marokko unterstützt China bei seinem Projekt „Neue Seidenstraße“ und unterzeichnete als erstes afrikanisches Land 2013 ein Kooperationsabkommen. China plant eine Reihe von Handelsstützpunkten zwischen China und Europa. Die Handelsstützpunkte bestehen aus Häfen und Produktionsstätten.

China sichert sich den Zugriff auf Rohstoffe durch Investitionen und Kredite.

China engagiert sich auf dem afrikanischen Kontinent mit einer klaren Strategie. Es gilt, Investition in Infrastruktur und Kredite gegen Rohstoffe und Handel. Dabei ist es Peking gleichgültig, welches innenpolitische System in einem Land herrscht. Damit unterscheidet man sich von der sog. Entwicklungshilfe insbesondere Europäischer Staaten. Von den 60 Mrd. US-Dollar stehen 15 Mrd. US-Dollar als Finanzhilfe und zinslose Kredite zur Verfügung. Alles andere geht in direkte Projekte. Darunter Regierungsgebäude, Flughäfen, Kasernen, Staudämme, Straßen, Zugstrecken und sogar ganze Städte. Das läuft nicht immer reibungslos, was Marokko gerade mit dem Projekt Tanger Tech erlebt, aber China ist mittlerweile der wichtigste Handelspartner Afrikas, noch vor den USA oder den ehemaligen Kolonialmächten wie Frankreich.

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Regierungschef sicher Zusammenarbeit zu.

Bei seinen Gesprächen in China sagte der marokkanische Premierminister Saad-Eddine El Othmani den Investoren zu, weiter in Marokko für ein attraktives Investitionsklima zu sorgen. Dabei machten die chinesischen Gesprächspartner deutlich, dass es nicht mehr nur um Rohstoffe geht. China will sich noch stärker dem afrikanischen Kontinent zuwenden, weil trotz der sozialen Unzufriedenheit in einzelnen Staaten, die Mittelschicht weiter wächst und die Löhne teilweise bereits günstiger sind, als in China selbst. Der Handelsstreit mit den USA lässt China seine Strategie weiter anpassen. China hat eine klare Handels- und Wirtschaftsstrategie, was es von den USA und Europa unterscheidet.

Chinas Engagement in Afrika nicht unumstritten.

Für viele afrikanische Staaten ist China der einzige Investor und Handelspartner, der keinen direkten Einfluss auf innenpolitische Themen nimmt, und nicht durch militärische Präsenz versucht, eigene politische Interessen durchzusetzen. Ob das so bleibt, kann keiner voraussagen. Einige politische Führer in Afrika sind skeptisch und sehen in dem Instrument der Kredite ein neues indirektes Werkzeug der Kolonialisierung. Afrika soll sich durch eigene Kreativität und durch Veredlung der eigenen Rohstoffe entwickeln. Doch das Bildungssystem bremst das Unternehmertum und die Bevölkerung fordert schnelle soziale Verbesserungen, was Regime unter Zugzwang setzt. Da ist das vermeintlich einfache Geld aus China wie ein schnell wirkendes Schmerzmittel, es heilt aber nicht die Ursache der Beschwerden und die Nebenwirkungen und Langzeitfolgen werden ignoriert.

 

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