Marokko – Französischer Außenminister besucht Königreich.

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Außenminister
Quelle Außenministerium Marokko - Außenminister Bourita und Außenminister Frankreich Jean-Yves Le Drian 11-2020 Rabat

Zusammenarbeit in Fragen der Migration und Kultur soll beraten werden. Besuch in schwieriger Situation für Frankreich und Marokko.

Rabat – Der französische Außenminister ist zu einem zweitägigen Besuch im Königreich Marokko eingetroffen. Im Rahmen seines Besuchs in Marokko am 8. und 9. November 2020 „wird Jean-Yves Le Drian, Minister für Europa und auswärtige Angelegenheiten, mit seinem marokkanischen Amtskollegen Nasser Bourita, Minister für auswärtige Angelegenheiten, afrikanische Zusammenarbeit und im Ausland lebende Marokkaner des Königreichs Marokko, zusammentreffen“, so das französische Außenministerium im Vorfeld. Offizielles Ziel der Reise ist es, die bilaterale Zusammenarbeit zu stärken, die Bekämpfung der illegalen Einwanderung, sowie regionale und internationale Fragen zu erörtern, so das französische Außenministerium in seiner Erklärung weiter.

Treffen auch mit dem Minister für islamische Angelegenheiten.

„Der Minister wird bei dieser Gelegenheit mit dem marokkanischen Minister für Traditionen und islamische Angelegenheiten, Ahmed Toufiq, zusammentreffen“, so die Erklärung weiter.

Danach wird er „im Museum für moderne und zeitgenössische Kunst Mohammed VI. erwartet, wo er ein Abkommen über die Unterstützung durch die französischen Entwicklungsagentur für den marokkanischen Museumsverband unterzeichnen wird. Schließlich wird Jean-Yves Le Drian das Gymnasium Descartes besuchen, wo per Videokonferenz ein Austausch mit allen Direktoren der 44 französischen Schulen in Marokko organisiert wird, die mit 44.000 Schülern das zweitgrößte französische Bildungsnetz der Welt bilden“.

Frankreich und Marokko sind eng verbunden.

Der Besuch des französischen Außenministers findet in einer für beide Länder schwierigen Situation statt. Frankreich und Marokko stehen gesellschaftlich wie auch wirtschaftlich durch die COVID-19 Pandemie unter erheblichem Druck. Beide Länder sind eng miteinander Verbunden und neben Spanien ist Frankreich der wichtigste Handelspartner für Marokko. Ein Großteil der Touristen in Marokko kommt aus Frankreich und die größte Gruppe der im Ausland lebenden marokkanischen Staatsbürger lebt in Frankreich. Zugleich schützt die Republik Frankreich, gemeinsam mit den USA, die Interessen des Königreichs bei der UNO und im UNO – Sicherheitsrat. Dafür arbeitet Marokko in Sicherheitsfragen eng mit beiden Ländern zusammen und bezieht einen Großteil seiner Rüstungsgüter aus Washington und Paris.

Mohammed Karikaturen belasten Gespräche.

Zugleich bedroht der Terrorismus, der sich auf radikale Interpretationen des Islam beruft, beide Länder, weshalb beide Sicherheitsstrukturen eng zusammenarbeiten. Zuletzt gab es Misstöne zwischen Rabat und Paris nach dem grausamen Mord am Lehrer Samuel Paty. Marokko verurteilte den Mord am Geschichtslehrer, der nach der Verwendung von Karikaturen des Propheten Mohammed, in einer Schulstunde zum Thema Meinungsfreiheit, vom 18-jährigen Abdoullakh A., russischer und tschetschenischer Herkunft, enthauptet wurde. Zugleich lehnte das Königreich aber auch die Verwendung von Karikaturen des Propheten ab, womit sich Rabat den Protesten zahlreicher muslimischer Staaten anschloss und der Auffassung des französischen Präsidenten Macron widersprach, der auch solche Abbildungen durch die Meinungsfreiheit gedeckt sah. Vor diesem Hintergrund ist auch das Treffen mit dem marokkanischen Minister für islamische Angelegenheit zu sehen.

Wirtschaftliche Fragen werden erörtert.

Frankreich und Marokko werden nicht umherkommen, auch wirtschaftliche Fragen zu erörtern. In beiden Ländern hat die COVID-19 Pandemie einen erheblichen Schaden an der Volkswirtschaft verursacht. Marokko hofft auf weitere Investitionen aus Frankreich sowie Bestandsschutz für die bereits getätigten Investitionen insbesondere im Automobilsektor. Diese wurden von einigen französischen Politikern bereits in Fragegestellt, um Arbeitsplätze wieder nach Frankreich zurückzuholen. Frankreich hofft weiterhin auf den Verkauf von Infrastrukturgütern. Darunter der Auftrag für die Hochgeschwindigkeitszugverbindung zwischen Marrakech und Agadir. Hier steht Frankreich im Wettbewerb mit China. Ende letzter Woche ließ ein französischer Abgeordneter durchsickern, dass der Alstom – Konzern den Auftrag erhalten hätte, die neuen Straßenbahnen für die Linien 3 und 4 in Casablanca zu liefern.

Marokko wird sich wieder enger an Frankreich binden müssen, da das Verhältnis zu Spanien immer angespannter wird. Spanien hat mit ersten höheren bürokratischen Vorschriften, für den marokkanischen Export von landwirtschaftlichen Gütern, auf die Grenzschließungen in Ceuta und Melilla durch Marokko reagiert.

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