Marokko – In der Libyenkrise fordert Marokko arabisches Krisenkomitee.

Der libysche Bürgerkrieg als Feld politischer Machtkämpfe in der arabischen Welt.

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Außenminister
Quelle Außenministerium - Marokkanischer Außenminister Nasser Bourita

Krisenkomitee der arabischen Liga soll Lösung in der Libyen-Krise erarbeiten.

Rabat – Der marokkanische Außenminister Nasser Bourita forderte die Bildung eines arabischen Krisenkomitees zur Entwicklung einer strategischen Vision, die den libyschen Parteien offen steht, um zur Lösung der Krise in Libyen beizutragen.

Anlässlich einer Dringlichkeitssitzung der Arabischen Liga zur Libyenkrise rief Außenminister Nasser Bourita die arabischen Staaten dazu auf, ein Komitee zu bilden, das ein strategisches Konzept zur Lösung der Libyenkrise entwickeln kann. Bei diesem Treffen betonte der marokkanische Minister die Notwendigkeit, sich zu öffnen und den verschiedenen libyschen Parteien zuzuhören, um ihre Standpunkte einander anzunähern.

Arabische Liga soll Einfluss- und Lösungsfähigkeit zeigen.

Laut der marokkanischen – staatlichen Nachrichtenagentur MAP ergebe sich dieser Vorschlag aus der Frage nach einer gemeinsamen strategischen Vision innerhalb der Arabischen Liga, um den Weg für einen wirksamen Beitrag zur Lösung der Krise in Libyen zu ebnen sowie aus der Notwendigkeit, sich als regionale Gruppierung durchzusetzen, die Einfluss auf die Entscheidungsfindung in der Libyenfrage hat.

Bourita fragte, ob es möglich ist, das Skhirat-Abkommen aufzugeben ohne eine Alternative zu haben, die zumindest auf libyscher und internationaler Ebene akzeptiert wird, und stellt fest, dass einige Bestimmungen dieses Abkommens aktualisiert werden müssen.

Der libysche Bürgerkrieg als Feld politischer Machtkämpfe in der arabischen Welt.

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Mohamad Gaddafi im Jahr 2011 versinkt das an Öl und Gas reiche Land in einem Bürgerkrieg, der das gesamte komplizierte Gefüge der maghrebinischen und arabischen Welt aufzeigt. So gibt es Einflussnahmen durch Weltmächte und regionale Akteure, aber auch direkte Aktionen durch lokale Führer und auch terroristischer Gruppen. Zugleich wollen verschiedene Staaten der Region sich als Vermittler positionieren, zum einen um den Konflikt einzugrenzen und zum anderen um sich als Friedensvermittler auf dem afrikanischen Kontinent zu profilieren.

Es droht ein Stellvertreterkrieg in der gesamten Region.

Derzeit droht die Lage weiter zu eskalieren und sich zu einem regionalen Stellvertreterkrieg auszuweiten. So drohte Ägypten vor wenigen Tagen mit einer direkten militärischen Intervention auf Seiten der „Rebellenarmee“ um General Haftar.

Maghreb – Ägypten droht mit militärischer Intervention in Libyen.

Dabei würde man auf syrische Söldner und direkte Streitkräfte unter Kontrolle der Türkei treffen. Die Türkei unterstützt die auch von der UNO akzeptierte Regierung in Tripolis, weil man Verträge über Bohrungsrechte vor der libyschen Küste abgeschlossen hat. Neben den Golfstaaten sind auch Russland und Frankreich involviert und das Nachbarland Algerien plant eine Verfassungsänderung, womit es der Regierung in Algier ermöglicht würde, eigene Truppen auch außerhalb des Staatsgebiet einzusetzen.

Marokko will weiter Einfluss nehmen.

Lange Zeit sah es so aus, als würde Marokko das einzige Land sein, das sich soweit neutral verhalten hat, um einen Friedensplan vermitteln zu können. Tatsächlich gelang es bisher nur dem nordafrikanischen Königreich 2015 in der kleinen Stadt Skhirat ein abkommen zwischen den Konfliktparteien auszuhandeln. Doch lange wurde es nicht respektiert. Zuletzt hat Marokko seinen Einfluss verloren, auch weil Algerien dem ungeliebten Nachbarn diesen politischen Erfolg nicht überlassen wollte, obwohl sich Algerien und Marokko ausnahmsweise einig sind, dass man nicht gegen die von der UNO anerkannte Regierung in Tripolis agieren darf.

Der Verlust des marokkanischen Einflusses wurde Anfang des Jahres offensichtlich, als das nordafrikanische Königreich nicht zur Libyen-Friedenskonferenz nach Berlin eingeladen wurde. Marokko machte seinen Unmut darüber deutlich. Nun will man die Arabische Liga motivieren, sich zu engagieren. Ein Vorhaben Marokkos, das eher von wenig Erfolg belohnt werden wird, da viele der inoffiziellen Konfliktparteien ebenfalls Mitglieder der arabischen Liga sind und bisher kein Interesse zeigen, die Lage in Libyen zu befrieden.

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