Marokko – König sendet Botschaft an UN – Migtationsgipfel

Afrika wird nicht Gegenstand des globalen Paktes sein. Es wird darin ein Akteur sein. Ein zentraler Akteur.

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El Othmani
Rede von Premierminister El Othmani auf dem Migrationsgipfel in Marrakech 10. Dezember 2018

Premierminister Saad-Eddine El Othmani verliest Botschaft von König Mohammed VI. auf dem Migrationsgipfel.

Marrakech – Heute und Morgen tagen Vertreter von 164 Ländern in Marrakech, um über die Fragen der weltweiten Migrationsbewegungen zu beraten. Bereits heute wurde der UN – Migrationspakt angenommen. Zur Eröffnung sprach der marokkanische Premierminister Saad-Eddine El Othmani zu den Gästen und begrüße die Teilnehmer im Namen von König Mohammed VI. Der marokkanische Regierungschef verlass die Grußbotschaft von König Mohammed VI. Hier die Botschaft in einer deutschen Übersetzung.

Die Übersetzung ist nach bestem Wissen von Maghreb-Post erstellt worden. Alle Rechte an der deutschen Fassung liegen ausschließlich bei Maghreb-Post. Das verwenden der Rede, auch in Ausschnitten, ist nicht gestatten.

Ansprache
Seine Majestät König Mohammed VI. von Marokko – TV-Rede

Hier ist der vollständige Text der Königlichen Botschaft, die vom Regierungschef Saad- Eddine El Otmani vorgetragen wurde:

„Gelobt sei Allah, Segen und Erlösung für den Propheten, seiner Nachkommen und seiner Gefährten.

Exzellenzen, Staats- und Regierungschefs,
Herr Generalsekretär der Vereinten Nationen,
Frau Sonderbeauftragte des Generalsekretärs der Vereinten Nationen für Migration,
Sehr geehrte Generaldirektoren von internationalen Organisationen,
Sehr geehrte Ministerinnen und Minister,

Exzellenzen, meine Damen und Herren,

Gibt es für ein historisches Ereignis, wie das, das uns heute zusammenführt, einen symbolischeren Ort als Afrika – den Ursprung der ersten menschlichen Bewegungen, als Marokko – ein Land der Einwanderung, des Transits und der Emigration, als Marrakesch – als zeitlosen Schmelztiegel?

Wir begrüßen Sie in Marrakesch, in Afrika, mit Stolz und Demut.

Stolz darauf, dass die internationale Gemeinschaft das Königreich Marokko für dieses globale Ereignis ausgewählt hat und Demut angesichts des Ausmaßes der Aufgabe, der erzielten Fortschritte und der noch zu leistenden Arbeit.

Der zeitliche Zusammenhang mit dem Gedenken an den 70. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist kein Zufall und es ist ein glücklicher.
Genau wie 1948 hat die Menschheit definitiv die Allgemeingültigkeit der Menschenrechte über Nationen, Kulturen und Zivilisationen hinweg erkannt. Ebenso erkennt sie 2018 entschlossen die Globalität der Migration, über Grenzen, Spaltungen und Kontinente hinweg.

Die Geschichte wird sich daran erinnern, dass diese Gründungsveranstaltung unter dem Mandat und der Schirmherrschaft Seiner Exzellenz António Guterres stattfand.

Ich begrüße durch Sie auch die Sonderbeauftragte für Migration, Frau Louise Arbour, und mit ihr alle jene Personen, die die Sache, die uns heute verbindet, unterstützt haben.

Exzellenzen, meine Damen und Herren,

Das Interesse des Königreichs Marokko an Migration ist weder neu noch überraschend. Im Gegenteil, es handelt sich, um eine alte und freiwillige Verpflichtung, die sich in einer Politik ausdrückt, die humanistisch in ihrer Philosophie, global in ihrem Inhalt, pragmatisch in ihren Methoden und verantwortungsbewusst in ihren Ansätzen ist. Unsere Vision ist es, die Zukunft zu antizipierend, eine geordnete Migration aufzubauen. Unser Ansatz ist es, konsequent nach einem gesunden Gleichgewicht, zwischen Realismus und Freiwilligkeit, zwischen den legitimen Interessen der Staaten und der Achtung der Menschenrechte von Migranten, zu streben. Der nationale Erfolg dieses Ansatzes – der immer unser war – hat unsere afrikanischen Brüder dazu veranlasst, uns das Mandat des Leiters der Afrikanischen Union in der Migrationsfrage zu übertragen. Daraus entstand die Afrikanische Agenda für Migration, die von der Versammlung der Afrikanischen Union im Januar 2018 einstimmig angenommen wurde. Es ist daher selbstverständlich, dass unsere Vision auf nationaler und kontinentaler Ebene mit unserem internationalen Engagement im Rahmen des globalen Paktes übereinstimmt. Beide sind Teil der ständigen Suche nach innovativen Kompromissen, zwischen Grenzmanagement und dem Schutz der Menschenrechte von Migranten, zwischen Migration und Entwicklung. Beide streben nach kollektiver Verantwortung, verantwortungsvoller Souveränität und humanistischem Pragmatismus. Denn das Migrationsproblem ist und sollte kein Sicherheitsproblem werden. Unterdrückung schafft keine Abschreckung. Durch einen perversen Effekt lenkt es die Migrationsdynamik ab, stoppt sie aber nicht. Die Frage der Sicherheit darf die Rechte der Migranten nicht ignorieren. Die Rechte der Migranten sind unveräußerlich. Ein Migrant ist nicht mehr oder weniger menschlich, unabhängig von der Seite der Grenze, auf der er steht. Auch die Frage der Sicherheit darf nicht von der sozioökonomischen Entwicklungspolitik ignoriert werden, die sich auf die Bekämpfung der eigentlichen Ursachen der prekären Migration konzentriert. Schließlich kann die Frage der Sicherheit die Mobilität nicht aufhalten. Aber sie kann sie in einen Hebel für eine nachhaltige Entwicklung verwandeln, zu einem Zeitpunkt, da die internationale Gemeinschaft an der Umsetzung der Agenda 2030 arbeitet.

Exzellenzen, meine Damen und Herren,

Der globale Pakt bleibt vorerst ein Versprechen, das die Geschichte bewerten wird. Es ist daher nicht die Zeit diesen zu feiern. Die Herausforderung dieser Konferenz besteht darin, zu zeigen, dass die internationale Gemeinschaft in der Frage der Migration eine verantwortungsvolle Solidarität walten lässt. Zu diesem Zweck muss sie das souveräne Recht jedes ihrer Mitglieder auf Festlegung und Durchführung einer eigenen Migrationspolitik uneingeschränkt respektieren.

Es liegt an Ihnen zu beweisen, dass der Multilateralismus nicht die Politik der leeren Stühle, der Hoffnungslosigkeit und der Gleichgültigkeit ist. Es geht um Synergien und die Verpflichtung zur Differenzierung. Die Herausforderung dieser Konferenz besteht daher darin, sich angesichts des Populismus zusammenzuschließen, um angesichts des Isolationismus zusammenzukommen und durch Dialog und internationale Zusammenarbeit Antworten auf eine große Herausforderung unserer Zeit zu finden. Denn kein einziges Land kann sich diesen Herausforderungen allein stellen! Wenn es jedoch keine Alternative zur Zusammenarbeit gibt, gibt es auch keine Alternative zum Handeln. Der globale Pakt ist kein Selbstzweck. Er macht nur durch seine effektive Umsetzung Sinn. Deshalb ist die Konferenz von Marrakech vor allem ein Aufruf zum Handeln. Afrika reagiert bereits auf diesen Aufruf! Es ist nicht seine Absicht, an der Seitenlinie zu stehen.

Afrika wird nicht Gegenstand des globalen Paktes sein. Es wird darin ein Akteur sein. Ein zentraler Akteur.

Die Afrikanische Agenda für Migration definiert ihren Fahrplan. Als Pionier antizipierte es die im globalen Pakt verankerte Bedeutung des Wissens über die Migrationsdynamik. Es hat sich zu diesem Zweck einer vollwertigen Institution gegeben, der Afrikanischen Beobachtungsstelle für Migration, die ihren Sitz im Königreich Marokko haben wird und die durch den Pakt ausdrücklich unterstützt wird. Wir wünschen uns, dass die Wirkung dieser Beobachtungsstelle durch die Vernetzung mit ähnlichen Institutionen in anderen Regionen vervielfacht wird.

Exzellenzen, meine Damen und Herren,

In jeder Phase der Migrationsrouten, auf jeder Ebene der Integration, auf jeder Ebene der Zusammenhänge zwischen Entwicklung und Migration ist es die Stimme der Jugend, die wir hören, und es sind ihre Bedürfnisse, auf die wir reagieren. Zwischen nicht hinnehmbarer Nachgiebigkeit und unerträglicher Sicherheitsmaßnahmen gibt es einen Weg nach vorn, den wir heute eröffnen.

Ein Weg der Solidaritätssouveränität, gegen ausschließenden Nationalismus, gegen Multilateralismus, gegen Ächtung von gemeinsamer Verantwortung, gegen institutionalisierte Gleichgültigkeit. Denn darum geht es am Ende, der Unordnung ein Ende zu setzen und die Menschheit in Ordnung zu bringen.

Die heute in Marrakesch geschriebene Seite der Geschichte, ehrt die internationale Gemeinschaft und bringt sie einer neuen, gerechteren und humanitären Migration einen Schritt näher.

Ich danke Ihnen.
Wassalamou alaikoum warahmatoullahi wabarakatouh“.

 

Das original in französischer Sprache finden Sie hier

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