Marokko – Premierminister Sanchéz nennt Marokko einen „strategischen Partner“.

Marokko bewertet Verhalten Spaniens im Fall Brahim Ghali als Vertrauensbruch.

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Premierminister
Spanischer Premierminister Pedro Sanchez - Quelle Moncloa Pool / Fernando Calvo

Lösung der diplomatischen Krise zwischen Madrid und Rabat soll durch „Diskretion“ erreicht werden.

Madrid – In seiner Sommerpressekonferenz, in der der spanische Premierminister Pedro Sanchéz die Regierungsarbeit der letzten Monate bilanziert und verteidigt hat, wurde er auch auf die Krise zwischen den beiden Königreichen Marokko und Spanien angesprochen.

Nach der Regierungsumbildung vor wenigen Wochen, bei der auch die von Marokko als weitere Ansprechpartnerin abgelehnte spanische Außenministerin Arancha González Laya durch José Manuel Albares, dem ehemaligen Botschafter Madrids in Frankreich und engen Berater von Premierminister Pedro Sanchéz, ersetzt wurde, was man als „Opfergabe“ in Richtung Rabat bewerten kann, musste der spanische Premierminister auch auf die weiter schwellende diplomatische Krise zwischen den Nachbarländern eingehen.

Marokko – Spanische Außenministerin verlässt Regierung.

Keine Auskunft zu möglichen Fortschritten bei der Lösung der Krise mit Marokko.

Auf die Frage, ob es Fortschritte bei der Beilegung des Konflikts mit Marokko gegeben habe, beschränkte sich Sánchez auf die Antwort: „Ganz einfach: Diskretion“, so ein Bericht der spanischen Nachrichtenagentur EFE. „Ich möchte jedoch bekräftigen, was ich bereits bei vielen Gelegenheiten gesagt habe, nämlich dass Marokko für unser Land ein strategischer Partner ist“, fügte er hinzu.

Die Position von Sánchez deckt sich mit der des neuen Außenministers José Manuel Albares, der die diplomatische Krise von Arancha González Laya übernommen hat.

Bei seinem ersten Auslandsbesuch in London am 21. Juli 2021 vermied es Albares, Einzelheiten darüber zu nennen, wie er den Konflikt mit Marokko zu lösen versucht, und beschränkte sich auf die Forderung, die Diplomatie „in Ruhe arbeiten zu lassen“, da „Ergebnisse und nicht schrille Schlagzeilen“ gefragt seien.

Marokko bewertet Verhalten Spaniens im Fall Brahim Ghali als Vertrauensbruch.

Die diplomatische Krise wurde durch die Aufnahme des Anführers der Frente Polisario, Brahim Ghali, in Spanien ausgelöst, nachdem er Ende April heimlich in ein Krankenhaus in Logroño eingeliefert worden war. Die Frente Polisario kämpft bewaffnet und unterstützt durch Algerien für die Unabhängigkeit der sog. Westsahara, die Marokko als integrierten Teil des eigenen Hoheitsgebiets betrachtet. Entsprechend wertet man die Frente Polisario als Feind der territorialen Integrität und jede Unterstützung der Polisario als Angriff auf die Stabilität des Landes.

Entsprechend bewertete man das Verhalten Spaniens als Vertrauensbruch. Nach diesem Vorfall rief Rabat seine Botschafterin in Madrid, Karima Benyaich, zu Konsultationen zurück, nachdem sie, als Reaktion auf ihre öffentliche und deutliche Kritik an Spanien, in den Sitz des Außenministeriums in Madrid gerufen worden war. Sowohl die Äußerungen und Handlungen der damaligen Außenministerin als auch anderer Politiker, inkl. Pedro Sanchéz, verstärkten den Eindruck in Rabat, dass Madrid Marokko nicht als gleichwertigen Partner betrachtet.

Marokko – Spannungen zw. Madrid und Rabat durch Aufnahme des Polisario-Führers Ghali.

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