Marokko – Privatleute u. Unternehmen sollen eigenen Strom produzieren dürfen

Privatpersonen und Firmen sollen in Stromerzeugung investieren können.

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Gesetzesvorlage steht vor der Beratung im Parlament und soll Energiemarkt liberalisieren.

Rabat – Marokko will seine Energiewende weiter vorantreiben. Die aktuelle Energiekrise mit steigenden Preisen und der Streit mit Algerien scheint das nordafrikanische Königreich anzutreiben, die Energieimporte weiter reduzieren zu wollen. Nachdem der Staat und Großinvestoren in riesige Solarprojekte und Windparks investiert haben und weiter investieren sollen, hatten Privatleute und Unternehme nur eingeschränkte Möglichkeit Strom für sich selbst oder zur Netzeinspeisung zu produzieren. Bisher sah man nur wenige Solaranlagen auf den Flachdächern von Wohnhäusern oder Produktionsanlagen. Meist wurden Wärmekollektoren zur Warmwasserbereitung aufgestellt. Obwohl Solaranlagen von niedrigen Steuern und Zöllen profitieren, waren sie auf dem Land eher zusehen, als in den Städten, wo der größte Energieverbrauch in den privaten Haushalten stattfindet. Eine wesentliche Ursache ist, dass keine Netzeinspeisung möglich war.

Privatpersonen und Firmen sollen in Stromerzeugung investieren können.

Zu Beginn der nächsten Sitzungsperiode soll dem Parlament ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, der privaten Investorinnen und Investoren den Weg zur Stromerzeugung ebnen solle. Jede natürliche oder juristische Person solle die Möglichkeit haben, eigenen Strom zu erzeugen. So die Tageszeitung Aujourd’hui le Maroc, in einem aktuellen Artikel zu diesem Thema

Der Gesetzentwurf 82.21 über die Eigenerzeugung von Strom sei einer der ersten Gesetzentwürfe zum Beginn des parlamentarischen Jahres, das in wenigen Tagen von König Mohammed VI. eröffnet wird. Der Textentwurf werde ab dem 18. Oktober erörtert. Das künftige Gesetz erlaube es Investorinnen und Investoren, Strom für den Eigenbedarf zu erzeugen. Es solle möglich sein, Systeme zum Anschluss der selbst erzeugten Energie an das Stromnetz einzuführen. Außerdem werde es ein Registrierungssystem, ein Verbindungssystem und ein Lizenzierungssystem geben.

Das Ziel dieses strategischen Projektes sei es, jede natürliche oder juristische Person in die Lage zu versetzen, sich selbst zu versorgen bzw. sich unabhängig zu machen. Zugleich ist klar, dass der Staat seine Investitionsbelastung damit senken kann bzw. Großprojekte stärker für den Export von Energie, Strom oder Wasserstoff, geplant werden können.

Großteil des Landes gilt als förderfähig.

In der Energiebranche wurden jedoch bereits Stimmen laut, die eine Änderung des ersten Entwurfs gefordert haben. „Der ständige Parlamentsausschuss für Infrastruktur, Energie, Bergbau und Umwelt hat daraufhin einen Unterausschuss eingerichtet“, berichtet die Tageszeitung weiter. Nicht wenige Energiekonzerne aber auch Finanzinstitute, die bereits in Projekte für den heimischen Markt investiert haben oder es planen, fürchte um geringe Absatzmengen. Darüber hinaus ist noch nicht klar, in welcher Höhe eine mögliche Vergütung von Stromüberschüssen eingeführt wird und wer diese dann zu entrichten hat, wahrscheinlich die Versorgungsunternehmen.

Das Ministerium für Energiewende habe auch die neuen Gebiete für die Entwicklung von Solarstromprojekten ausgewiesen. Der größte Teil des Landes gehöre zu den förderfähigen Gebieten. Die neue Karte wird zeitnah im Amtsblatt veröffentlicht und deckt die nördlichen Regionen sowie die Mittelmeerküste ab. Weitere Gebiete seien der größte Teil der Atlantikküste, die Regionen Centre-Nord und Centre-Sud, die östlichen und südöstlichen Regionen des Königreichs sowie die gesamte Westsahara / marokkanische Sahara.

„Die südlichen Provinzen Marokkos werden bei diesem Projekt eine wichtige Rolle spielen, da sie über ein großes Potenzial für Sonnenenergie verfügen. Dies ist ein wichtiger Schwerpunkt für private Investorinnen und Investoren. Diese Regionen könnten daher in den kommenden Jahren ein erhebliches Investitionsvolumen anziehen bzw. anlocken“.

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