Marokko – Proteste in Jerada halten an.

Demonstranten mit klaren Forderungen und intelligentem Vorgehen.

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Proteste in Jerada
Proteste in Jerada halten an. Sie sind Friedlich und gut organisiert.

Proteste in Jerada gehen in die dritte Woche.

Oujda – Die Proteste in Jerada gehen an diesem Wochenende in die dritte Woche. In der ehemaligen Kohlestadt, ca. 60 km von Oujda entfern, protestieren die Menschen gegen die wirtschaftliche Lage in der Region. Auslöser der Proteste war der Tod zweier junger Männer, die bei Arbeiten in einer illegalen Kohlemine ertrunken waren – maghreb-post berichtete. Jerada ist eine Stadt, die nach der Schließung der Kohlemine vor Ort kaum wirtschaftliche Chancen bietet. Daher arbeiten viele Menschen in illegalen Gruben. Dabei bringen sie sich immer wieder in Gefahr. Viele Menschen erkranken an der sog. Staublunge oder verunglücken, weil sie die gegrabenen Stollen nicht ausreichend absichern können. Der Tod zweier junger Menschen brachte das Fass der Frustration zum Überlaufen und löste die bislang friedlichen Proteste aus.

Demonstranten mit klaren Forderungen und intelligentem Vorgehen.

Die Protestbewegung und die Menschen in Jerada achten sehr darauf, dass die Demonstrationen friedlich bleiben. Hier hat man aus den Ereignissen in Al Hoceima offensichtlich Lehren gezogen. Auch die Mittel der Proteste werden intelligent ausgewählt. Neben den bekannten Protestmärschen durch die Stadt, organisieren sich die Menschen in ihren Stadtteilen und stimmen dort ihre Forderungen und Aktionen aufeinander ab. So kann es an einem Tag sein, dass die Bewohner für eine Stunde die Lichter ausschalten oder am nächsten Tag die Geschäfte geschlossen bleiben. Auch das direkte Gespräch mit Verantwortlichen wird gesucht. Die Forderungen sind in einer Liste zusammengetragen und priorisiert. Neben der Schaffung von Arbeitsplätzen, z.B. durch den Aufbau eines Gewerbeparks, soll die Regierung in die Krankenhäuser und Schulen investieren. Bei den Protesten werden kaum Symbole verwendet, die den Politikern oder den Sicherheitskräften Anlass zu Aktionen liefern. So kam es auch bisher zu keinen Festnahmen im direkten Zusammenhang mit den Protesten.

Regierung in Rabat sensibilisiert.

Rebbah
Minister Aziz Rebbah reiste in die Stadt Jerada um erste Gespräche zu führen.

Nach den Unruhen im Rif, insbesondere in der Region Al Hoceima, ist nicht nur die Provinzregierung sensibilisiert, sondern auch die Zentralregierung in Rabat. Jerada liegt ebenfalls im Rif und Rabat will frühzeitig verhindern, dass die Proteste in Al Hoceima erneut an Intensität gewinnen und sich dann zwei Krisenherde in der Region bilden. Darum reiste auch Aziz Rebbah, Minister für Energie, Bergbau und nachhaltige Entwicklung in die Region. Er traf sich mit den vor Ort verantwortlichen Beamten aber auch mit den Vertretern der Zivilgesellschaft und Sprechern der Demonstranten. Gegenüber dem Nachrichtenmagazin telquel sprach er nach seiner Rückkehr von einem positiven Gesprächsklima und zeigte sich offen für die Forderungen der Menschen vor Ort. Der Minister sagte: „Es gibt zwei Gründe, warum ich optimistisch bin. Erstens ist das Klima für Verhandlungen trotz der Demonstrationen in Jerada günstig. Diese sind ein Beispiel für eine gut geführte Protestbewegung und dem Ausstauch zwischen verantwortlichen Entscheidungsträgern. Zweitens gibt es außergewöhnliche Entwicklungspotentiale in der Provinz, darunter Land, Wasser (Wasserressourcen), die Nähe zu Oujda und touristisches Potential der Stadt“. Er sagte zu, dass an einem umfassenden Entwicklungsplan für die Region gearbeitet werden wird.

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