Marokko – Rede von König Mohammed VI. angekündigt.

Coronavirus – Pandemie zeigt stärken und Schwächen des Landes auf.

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Thronrede
Thronrede seine Majestät König Mohammed VI. Thronfolder Prinz Moulay Hassan und Prinz Moulay Rachid 2018

Ansprache des marokkanischen Königs zum Thronjubiläum in Mitten der Corona-Krise.

Tetouan – Für den morgigen Abend (29. Juli 2020) ist eine Ansprache von König Mohammed VI. angekündigt. Anlässlich des 21. Thronjubiläums wird sich das Staatsoberhaupt an die Bevölkerung wenden. Die Rede wird ab 21:00 Uhr Ortszeit (22:00 Uhr MESZ) über alle Fernsehsender, Radioanstalten und per Livestream übertragen werden.

Es wird die erste direkte Ansprache des Königs sein, seit Anfang November 2019 und seit Ausbruch der Coronavirus – Pandemie im März 2020 in Marokko. Der Monarch hat sich seit Ausbruch der Seuche größtenteils aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen und ist nur selten öffentlich aufgetreten. Erst nach Abklingen der Epidemie und nach seiner letzten Herzoperation leitete er wieder eine Sitzung des Ministerrats, um sich unmittelbar danach in den Palast von Tétouan zurückzuziehen. Alle Feierlichkeiten zum Thronjubiläum wurden aufgrund der epidemiologischen Situation verschoben oder abgesagt.

Für König Mohammed VI. erste Rede in einer Krisensituation seit 2011

Die Coronavirus – Pandemie hat das Land in eine ernste Krisensituation hineingeführt. Zwar lobt die internationale Gemeinschaft und hier vor allem die WHO das Land für den Umgang mit COVID-19, doch der Preis ist hoch. Die Menschen waren erst verunsichert und in Panik, sind inzwischen in ihrer Existenz bedroht, um nun in einer Phase überzugehen, in der sie die von der Regierung verhängten Maßnahmen zunehmend ablehnen.

Die wirtschaftliche Lage entwickelt sich in Richtung Rezession und beendet die nahezu kontinuierliche Wachstumspolitik des Landes. Erstmalig seit 1990er Jahren wird die Wirtschaft ernsthaft schrumpfen, die Auslandverschuldung ist explodiert und die Arbeitslosigkeit könnte mehr als 14% der offiziell registrierten Erwerbsfähigen übersteigen (ohne Dunkelziffer). Es wird daher die erste Rede in Krisenzeiten sein, seit den Protesten im Jahr 2011 im Rahmen des sog. arabischen Frühlings.

Coronavirus – Pandemie zeigt Stärken und Schwächen des Landes auf.

Krisensituationen haben für die Politik meist unangenehme Folgen. Das gilt auch in Marokko für die marokkanische Elite. Krisensituationen lassen keinen Spielraum für unausgegorene Maßnahmen, sondern zwingen zu klaren, rationalen Entscheidungen mit hoher Effizienz. Im Vergleich zu vielen Ländern der Welt hat es Marokko geschafft, die Zahl der Infizierten einzudämmen und auch die Anzahl der Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 niedrig zu halten. Zugleich zeigte die Seuche auf, wo die Defizite sind, nämlich in der Infrastruktur, vor allem auf dem Land, im Bildungswesen und im Gesundheitswesen. Auch der informelle Arbeitsmarkt konnte nicht mehr verborgen werden und wird den kommenden Wahlkampf sicher beeinflussen. Zugleich wurde deutlich, zu was die Politik und die Wirtschaft eigentlich fähig sein können, wenn sie denn nur ernsthaft an effizienten und zielgerichteten Ergebnissen interessiert sind bzw. dazu gezwungen werden. Plötzlich wurden ganze Produktionszweige im medizinischen Bereich aufgebaut, Lerninhalte digitalisiert und das Finanzwesen um mobile Lösungen erweitert. Die Corona-Krise deckte schonungslos die teilweise bewusst hingenommenen Defizite im Land auf, die sich jetzt nicht mehr abstreiten lassen und die nun von jeder Instanz im Land angegangen werden müssen, wenn man die Nation nicht noch weiter gegen sich aufbringen möchte.

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