Marokko – Schlechte Noten für Nationales Bildungsnotfallprogramm

Schulabbrecherquote bei mehr als 270.000 Schüler pro Jahr

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Rechnungshof
Marokkanischer Rechnungshof

Rechnungshof kritisiert hohe Ausgaben und geringe Ergebnisse. Bildungssituation hat sich verschlechtert.

Rabat – Am letzten Mittwoch (12. Dezember 2018) hat der Präsident des Rechnungshofes, Dr. Driss Jettou, seinen Bericht zum sog. Bildungsnotfallprogramm abgegeben. Dabei überprüfte der Rechnungshof das Sofortprogramm des Ministeriums für nationale Bildung. In seinem Bericht stellt der Rechnungshof fest, dass das Sofortprogramm seine Ziele nicht erreicht hat und nicht die gewünschten Auswirkungen auf das Bildungssystem hatte. Mehrere Indikatoren haben gezeigt, dass sich die Situation der allgemeinen und beruflichen Bildung seit 2012 eher verschlechtert hat. Der Staatshaushalt weist zwischen 2009 und 2012 43,1 Milliarden marokkanische Dirham (MAD) zusätzliche Investitionen aus. Dennoch beliefen sich die realen zusätzlichen Ausgaben auf nur 25,1 Mrd. MAD. D.h. es wurden lediglich 58% der geplanten Ausgaben tatsächlich realisiert. Ursache dafür ist, dass die beteiligten Ministerien, Stiftungen und Organisationen ihre Investitionsversprechen nicht eingehalten haben.

Defizite im Bildungssystem konnten nicht abgebaut werden.

Die zusätzlich investierten 25 Mrd. MAD, haben, angesichts der umfangreichen Defizite im Bildungswesen, wenig ausgerichtet. Der Rechnungshof weist darauf hin, dass der Mangel an Schulräumen sich nicht verringert hat. Von den zusätzlichen 1.164 Schulen, die im Sofortprogramm vorgesehen waren, wurden nur 286 gebaut, dass sind nur 24,6% der ursprünglichen Planung. Was das Ziel der Erweiterung der bestehenden Einrichtungen um 7.052 neue Räume betrifft, so wurden lediglich 4.062 neue Klassenzimmer gebaut. Das entspricht einer Zielerreichung von 57,6%. Diese Situation hat dazu geführt, dass 16.262 Klassenzimmer, die für Schulzwecke hätten entstehen sollen, nicht genutzt wurden, was 1.355 vollständigen Schulen mit jeweils 12 Klassenzimmern entspricht. In dem Bericht des Rechnungshofes wird festgehalten, dass die Versorgung mit höheren Schulformen im ländlichen Raum nach wie vor nicht flächendeckend ist. Zwar stieg die Abdeckungsquote von 52,8%, im Schuljahr 2008 – 2009, auf 66,5%, im Schuljahr 2016-2017, doch das bedeutet weiterhin, dass große Teile der Kinder nach der Grundschule kein weiterführendes Schulangebot in der Nähe haben.

Jettou
Präsident des marokkanischen Rechnungshofs Dr. Driss Jettou

Schulen mit schlechter Infrastruktur

Der Rechnungshof bemängelt auch die schlechte Infrastruktur bei den vorhandenen Bildungseinrichtungen. Im Schuljahr 2016 – 2017 waren noch immer 6.437 Bildungseinrichtungen nicht an das Kanalisationsnetz angeschlossen. Weiter 9.365 Unterrichtsräume sind nach der Einschätzung des Berichts von erheblichen baulichen Mängeln betroffen. Weitere 3.192 Bildungseinrichtungen sind nicht an das allgemeine Trinkwassernetz und 681 nicht an das Stromnetz angeschlossen. Das Bildungsprogramm hatte auch zum Ziel Vorschulen flächendeckend einzuführen. Bis 2015 sollten 80% der Grundschulen eine Vorschule anbieten. Bis 2015 sollte das Angebot flächendeckend sein. Dieses Ziel ist jedoch noch lange nicht erreicht. Von den 7.667 Grundschulen bieten nur 24% eine Vorschulbildung an.

Die Qualität der Ausbildung ist zweifelhaft

Um den Mangel an Lehrern zu beheben, stellte das Ministerium für Nationale Bildung im Zeitraum 2016 – 2018 54.927 Lehrer ein. Doch zahlreiche Lehrkräfte wurden Schulfächern zugewiesen, für die sie keine Kenntnisse besitzen. Daher zweifelt der Rechnungshof an der Qualität der Bildung. Es sei auch darauf hingewiesen, dass das Sofortprogramm ein Budget von rund 12 Mrd. MAD für die Durchführung von 10 registrierten Projekten bereitgestellt hatte. Dabei ging es um erweiterte Beratungsangebot, Informationssysteme und Sprachkurse für die Lehrer und Schüler. Auch diese Angebote blieben hinter den Erwartungen zurück. Darüber hinaus wurde die Durchführung einiger dieser Projekte, obwohl sie eingeleitet wurden, wieder ausgesetzt (gestoppt), da es keine integrierte Vision der gewünschten Reform gibt.

Schulabbrecherquote bei mehr als 270.000 Schüler pro Jahr

Der Schulabbruch ist eine große Herausforderung für das Bildungssystem. Obwohl die Schulabbrecherquote zwischen 2008 und 2012 stark gesunken ist, stieg sie 2017 wieder auf über 279.000 Schüler. Der Rechnungshof wies darauf hin, dass das Anhalten des Schulabbruchs auf mehr als 270.000 Schüler pro Jahr geschätzt wird. Schließlich stellte der Rechnungshof fest, dass es keine genaue Diagnose der derzeitigen Situation und der Voraussetzungen für die Durchführung eines Programms, einer Risikobewertung und alternativer Lösungen gibt. Ebenso wurden die Managementkapazitäten der verschiedenen an der Durchführung des Programms beteiligten Akteure, im Hinblick auf die Kohärenz und Art der durchzuführenden Maßnahmen, nicht besonders berücksichtigt. Der Bericht stellte fest, dass es kein integriertes und zuverlässiges Informations- und Überwachungssystem für das Sofortprogramm mit geeigneten Instrumenten gibt, um die erzielten Fortschritte sichtbar zu machen. Der Präsident des Rechnungshofs, Driss Jettou, überreichte den Bericht bereits im Mai 2018 an König Mohammed VI. Erst jetzt trug er die Ergebnisse dem Parlament vor.

Quellen: Vollständigen Bericht finden Sie hier

 

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